Dienstag, 31. August 2010

Aus der Geschichte der 43. FRBr ( Folge 13 )























Vorbemerkung :


In den letzten FOLGEN waren wir in der FRA 4321 in Abtshagen gewesen. Auch wenn die " Reise " durch die einzelnen Abteilungen heute weitergeht und uns nach Barth in die FRA 4322 führt, kehren wir nochmal in einigen Monaten zurück und werden Beiträge von Ehemaligen zu ihrem Dienst, zu Erlebnissen und Erfahrungen dort veröffentlichen.

Die Fla - Raketenabteilung 4322 wurde ebenfalls - wie die anderen damaligen 3 Abteilungen auch - in den Jahren 1961 / 1962 aufgebaut. Die Verlegung von Pinnow erfolgte für das Personal und Teilen der Technik ( z.b. PW wegen der Höhenmaße ) im Landmarsch, der größte Teil der Technik kam per Eisenbahntransport in Barth - Tannenhof an. Die Kaserne war beim Eintreffen noch nicht fertig, die Unterbringung erfolgte in Baracken in der Feuerstellung. Raketen gab es ebenfalls noch keine, der Bestand und Anteil an Soldaten war noch gering, der weitere Ausbau der Stellung hatte Vorrang. Nach und nach " normalisierten " sich die Bedingungen. Die Unterkünfte im A - Objekt wurden bezogen, die Ausbildung an der Technik begann usw. Die Baracken in der Stellung waren dafür von einem großen Teil des Personalbestandes der Retschower Truppe belegt, für mehrere Monate. Der heutige Beitrag ist der Entwicklung etwas voraus und ist auch etwas " aus der Art " geschlagen - wenn man so sagen darf. Ist aber nicht von Nachteil, im Gegenteil ... Während sonst vornehmlich Interessantes zum Militärischen usw. berichtet wird, gibt es hier einen Blick auf das Leben und Erleben eines Kindes in solch einer Wohnsiedlung einer Fla - Raketenabteilung.

Christine Scheefe, Tochter eines Berufssoldaten, wirft einen Blick zurück auf ihre Kindheit und Jugendzeit in solch einer Wohnsiedlung mitten im Wald, in der Adrian - Nikolajew - Siedlung in Barth. Sie nennt ihren Erlebnisbericht " Waldkinder " und erzählt wie folgt :

" 1972 kam ich in Barth am 8. Mai auf die Welt und ich erinnere mich natürlich nicht an die erste große Reise im Arm meiner Mutter nach der Entbindung im Krankenhaus in Richtung Adrian - Nikolajew Siedlung, gelegen in einem Waldstück zwischen Barth und Fuhlendorf.
Adrian Nikolajew hatte im August 1962 im Raumschiff Wostock III die Erde umkreist, genau zu dem Zeitpunkt, als hier in diesem Wald bei Barth eine Fla-Raketenabteilung der NVA mit einer zugehörigen Wohnsiedlung gebaut wurde, in der ab 1969 mein Vater Günter Scheefe diente. Auch meine Mutter Edda war hier als Zivilbeschäftigte tätig, zuerst bei der Post, dann bei der MHO und später in der Küche, im Verpflegungsdienst der Abteilung.

Wir Kinder im Wald hatten ein tolles Leben. Weitab der Straßen und des Urlaubertrubels erlebten wir eine fröhliche Kindheit. In jedem Jahr wurden 3 - 5 Kinder geboren, so daß es in den zuerst 3, später dann 4 Wohnblöcken mit ca. 40 Wohnungen nie an Spielfreunden fehlte. Die Klettergerüste, die Rutsche und die Sandkiste in der Siedlung und natürlich der Wald waren Abendteuerspielplätze, um die uns jedes Stadtkind beneidet hätte. Jeden Sonntag gab es für uns Kinder außerdem kostenlose Filmvorführungen mit den schönsten Märchen, Abenteuerfilmen oder Lolleck und Bolleck, deren Streiche wir " Waldkinder " natürlich gut nachvollziehen konnten und verstanden.

Bis zur Badestelle am Bodden waren es ca. nur 2-3 km quer durch den Wald, aber hier gab es für uns Kinder auch Verbote. Je nach Altersgruppe durften wir uns nur an den Wohnblöcken, bis zur 1.Straßenkurve bzw. später auch bis zur 2. oder 3. Kurve bewegen. Damit war die Betonstraße gemeint, die von der Straße Barth - Fuhlendorf links in den Wald abbog und zur Kaserne, meistens nur " Objekt " genannt, und zur Wohnsiedlung führte. Nur gut, daß gleich hinter der ersten Kurve ein Wassertümpel war, in dem man auch baden konnte. Hätten unsere Mütter gewußt, wieviele Kaulquappen und anderes Getier in dem Loch waren, wir hätten wahrscheinlich nie bis dorthin gedurft. Aber, sie wußten es zum Glück nicht ...
Viel wichtiger war aber das Spielen im Wald. Hinter den Bäumen und Sträuchern lauerten alle möglichen Kobolde, Waldgeister, Räuber und Feen gleichzeitig. Baumaterial in Form von Ästen und von uns vorsorglich " orgarnisierten " Brettern gab es in Hülle und Fülle. Mein Vater raufte sich desöfteren die Haare, wenn er wieder einmal feststellen mußte, daß wir den Vorrat an Nägeln jeglicher Art für Hütten und andere Unterschlupfmöglichkejten in Erdkuhlen oder auf Bäumen verbaut hatten. Ausgerechnet Nägel, seine guten Nägel - soll es ja nicht immer im Handel gegeben haben.
Dafür konnten wir Blaubeeren und Pilze vor der Haustür sammeln und Vater erzählte dann eine Geschichte aus der Anfangszeit, aus den früheren Jahren. Da waren oftmals Urlauber im Wald auf Blaubeersuche, natürlich immer gut beobachtet von den Soldaten. Wenn die Gefäße dann randvoll waren, hieß es : " Halt! Militärisches Sperrgebiet - die Blaubeeren sind beschlagnahmt ! " In der Küche wurde dann für die Truppe eine leckere Nachspeise zubereitet. Uns Kinder hätte man nichts abnehmen können, wir pflückten nämlich für unsere Bäuche.

Auch die Winter sind uns in guter Erinnerung geblieben. Natürlich waren unsere Straßen immer schneefrei und der Schulbus hatte freie Fahrt, die Luft war klar und der Schnee blieb länger liegen und er blieb auch weiß. Jede kleine Erderhöhung wurde zum Skihang und später war auch die Sturmbahn der Soldaten eine Wintersport - und Spieloase. Noch heute, wenn wir die Eltern in der Siedlung besuchen, frage ich mich, wie ich auf dieser kaum wahrzunehmenden Anhöhe mit den Skiern umknicken konnte. Für uns als Kinder war die Waldsiedlung ein Paradies. Erst als der Begriff " DISCO " in unser Jugendleben eintrat und interessant wurde, bemerkten wir, daß die ca. 2 - 3 km durch den Wald eine nicht zu unterschätzende Entfernung waren. Auf solch einer Disco in Frauendorf lernte ich dann auch " meinen " Sven kennen, die Entfernungen waren zwar nicht geringer geworden, ließen sich aber zu zweit bedeutend besser überwinden ...

Im Jahre 1991 verließen wir die Siedlung im Wald in Richtung Sanitz. Hatte meine erste Reise
im Arm meiner Mutter in die Waldsiedlung begonnen, so lag jetzt unsere kleine Tochter Carolin in meinen Armen.Wenn wir heute zu den Eltern fahren, sehen wir den leeren Spielplatz, die fast verlassenen 4 Wohnblöcke, bei denen der Putz abbröckelt von den Hauswänden, die Garagen wachsen vom Unkraut zu ‚ in den schönen großen Wohnungen lebten im November 2009 noch 6 Familien. Inzwischen - wir schreiben August 2010 - sind es nur noch 5 an der Zahl.
Dann erzähle ich meinen Kindern über mein Leben dort, über das unbeschwerte und glückliche Leben der Kinder in der Adrian - Nikolajew- Siedlung in Barth, vom Leben im Wald ..." - Fortsetzung folgt !

1 Kommentar:

  1. ja,ich kann diese nachvollziehen denn ich habe fast alle fra-stellungen der lv der nva abgefahren und viele,solch leerstehenden,wohnsiedlungen gesehen und fotografiert.es ist immer wieder ein anblick des jammers wenn man solch einen verfall sehen muß und man darüber nachdenkt,daß hier einmal menschen gearbeitet und gelebt haben.
    herzlichst:heinz hesse fra 4333/fük

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