Sonntag, 27. Juli 2014

Absturz MH-17 & Maria Putina





Vorwort:

Es mutet an wie eine Überschrift aus der „BILD“-Zeitung, ist es aber nicht. Es verdeutlicht jedoch auf engstem Raum Niveau und Trend in der gegenwärtigen Medienberichterstattung zum Absturz/Abschuss der MH-17 in der Ostukraine. So auch im ZDF in der Nachrichtensendung, wo ein Video mit einer verzweifelten Mutter ausschnittsweise gebracht wird, die aufgebracht Putin auffordert, ihr die ums Leben gekommene Tochter zurückzugeben! Nun in den Niederlanden der Bürgermeister der Stadt Hilversum-wo in einer Kaserne die Toten des Absturzes identifiziert werden sollen-der aufrief, die Tochter Putins, Maria Putina, abzuschieben. Auch wenn der Politiker seine Äußerung  im Verlaufe des Tages bedauerte, es reichte, um eine Hetzjagd zu initiieren. Es wird höchste Zeit, dass endlich die Ursachen des Abschusses aufgeklärt und Schuldigen für das Verbrechen namentlich genannt werden. Die Niederlande und auch Australien machen jetzt Dampf, wenn die USA mit ihren Satellitenfotos weiter hinter dem Berg halten, wird es Zoff zwischen dem NATO-Partner Niederlande und den USA geben. Die Niederlande werden keine Ruhe geben, bis alles, alles aufgeklärt ist und die Schuldigen feststehen. Dazu sind Trauer und Empörung, die Wut über das Verbrechen und den Tod vieler ihrer Landsleute zu groß!!


Eine sachliche und entsprechend den Bedingungen/Umständen fundierte Berichterstattung zu den möglichen Gründen/Ursachen des Absturzes der MH-17 sowie zu den Vorgängen zu diesem Thema findet man u.a. im „Neuen Deutschland“. So ein Beitrag von Bernd Biedermann am 24.07.2014 bzw. der nachstehende Artikel von Renè Heilig vom 26.07.2014. Letztlich bleibt es den Experten vor Ort vorbehalten, eine endgültige und abgesicherte Aufklärung von Ursache und Hergang des Unglücks zu ermitteln.

Eine Zuarbeit zu diesem Artikel - wenn auch im bescheidenen Maße - kam auch von Ehemaligen und vom TRADI SANITZ, ein Dank u.a. an Hartmut Hädicke, an Roland Woiciechowski  usw. Sie konnten bestimmte Kenntnisse bzw. Erfahrungen u.a. auch aus den jährlich in der Vergangenheit durchgeführten  Gefechtsschiessen mit Fla-Raketen auf dem Polygon Aschuluk einbringen. Im TRADI SANITZ befinden sich z.B. ein gebrauchtes/genutztes Marschtriebwerk einer auf dem Polygon verwendeten Fla-Rakete des Waffensystems S-75 DWINA, die wir in der Wüste gefunden hatten oder auch ein Höhenleitwerk einer als Zieldarstellungsmittel eingesetzten und getroffenen/abgestürzten La-17 usw. Hier nun der Artikel von Renè Heilig vom 26.07.2014 …


"Zufällig noch ein Wrackteil entdeckt-Stimmt die These von einem Raketentreffer, muss es Trümmer der Waffe geben. Doch wer hat sie?
Von René Heilig

Schlamperei im Kriegsgebiet. Ermittler haben mehr als eine Woche nach dem Absturz des Malaysia-Airlines-Flugzeugs in der Ostukraine ein neues großes Wrackteil sowie weitere Leichen gefunden.

US-Außenminister John Kerry hat für die Echtheit eines vom ukrainischen Geheimdienst abgefangenen Gesprächs gebürgt. Der Mitschnitt kursierte bereits, da rauchten die Trümmer der am Donnerstag vergangener Woche abgeschossenen Boeing noch. Also alles klar: Für den Tod der 298 Passagiere des malaysischen Passagierflugzeuges soll Nikolai Kosizyn verantwortlich sein. Weil er der Anführer der russischen Kosaken ist, die an der Ostgrenze der Ukraine auf Seiten der sogenannten Separatisten kämpfen. Die beiden Telefonierer wiesen auf diese Truppe als Urheber des Unglücks hin.

Auch wenn es schwer fällt, sich vorzustellen, wie berittene Schwadronen, die einst Lenins Revolutionsgarden attackierten, ein modernes Flugabwehrsystem bedienen - die US-Dienste können, nachdem ihre These von den schießwütigen Putin-Truppen zerplatzte, derzeit keinen geeigneteren Schuldigen präsentieren.

Für gewöhnlich untersucht man erst und urteilt oder verurteilt dann - auf der Basis von Beweisen und Indizien. Im Fall der Ostukraine, in der die Kämpfe trotz des Hinmetzelns von fast 300 völlig unbeteiligten Passagieren und Besatzungsmitgliedern härter denn je weitergehen, ist das anders.

Wer schon einmal Flugunfall-Experten bei der Spurensuche begleitet hat und dieses akribische Suchen und Bewerten mit dem vergleicht, was bei Donezk passiert, weiß: Hier wird nichts aufgeklärt, hier wird vertuscht. Normalerweise dokumentiert man die Lage und Auffindeposition von Trümmern, Fracht und menschlichen Überresten sorgfältig. Früher setzten die Experten oft das zerstörte Flugzeug aus den gefundenen Teilen so gut es ging wieder zusammen, um Ursachenforschung betreiben zu können. Heute lässt man das Computer erledigen. Nichts dergleichen findet in der Ukraine statt.
 
Die leitenden Ermittler der Ukraine und der Niederlande bemängelten noch am Donnerstag, dass Separatisten die Arbeiten an der Unglücksstelle behindern. Das bestätigt der Leiter der unbewaffneten niederländischen Polizeimission, Jan Tuinder: Es gebe immer noch »Verrückte, so dass es sehr schwer ist, zu den Leichen vorzudringen«. Aus seiner Sicht seien das keine Rebellen sondern »Kriminelle«.

Dass bisher nur schlampig recherchiert wurde, zeigt der neue Fund eines Wrackteils samt Leichen. Es handelt sich um ein Rumpfstück, in dem Sitze und Fenster intakt waren. Es sei plötzlich in einem dichten Waldstück unweit der anderen Wrackteile aufgetaucht, sagte Michael Bociurkiw von der OSZE-Beobachtermission.

Die vom russischen Generalstab in Umlauf gebrachte Theorie, die Boeing könnte durch einen ukrainischen Suchoj-Jagdbomber vom Himmel geholt worden sein, ist anscheinend aus dem Rennen. Aber es gibt eine andere Variante bei »RIA-Novosti« zu lesen. Dem 156. Fla-Raketenregiments der ukrainischen Armee sei befohlen worden, am 17. Juli die Deckung von Bodentruppen zu trainieren. Die »Buk«-Batterien hätten unweit von Donezk Stellung bezogen. Zwei Jagdbomber Su-25 dienten als Übungspartner. Einer der Jets kreuzte unterhalb der Boeing deren Kurs - für die Raketensoldaten ergab das ein Ziel.

Diese Theorie des »tragischen Zufalls« erklärt jedoch nicht, wie es überhaupt geschehen sein soll, dass bei einer Übung eine scharfe Rakete startete. Mit dieser Frage befassten sich Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, »die den Chef und die Mannschaft der Batterie gegen halb zehn Uhr abends abgeholt haben«, sagt die russische Agentur.

Ente oder nicht - die meisten Experten gehen davon aus, dass die Zivilmaschine von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Doch wer bediente die Technik, wer gab den Befehl: »Pusk!« (Start!)?

Einige Fachleute meinen sogar beweisen zu können, dass die Boeing an der linken Seite zwischen Business- und Economie-Class zerrissen wurde. In dem Fall müssten sich zumindest Anhaftungen der Schrapnellstücke finden lassen, die bei der Annäherung von der Rakete ausgestoßen wurden.

Es stimmt zwar, dass der Raketensprengkopf in tausend Stücke zerplatzt. Doch wesentliche Teile der 5,5 Meter langen Rakete bleiben erhalten. Sie fallen abseits der Flugzeugteile zu Boden. Erfahrungswerte vom Gefechtsschießen besagen, dass man sie in der Regel drei bis vier Kilometer von der Abschussstelle entfernt findet. Es kann sich um elektronische wie Triebwerksteile handeln. Sie tragen Typenschilder. So lässt sich auf den Hersteller und den ursprünglichen Empfänger der Waffe schließen. Doch innerhalb einer reichlichen Woche lässt sich vieles fortschaffen.

Vieles könnten sich US- und andere Dienste an Vergleichsobjekten anschauen. Sie müssten nur nach Finnland oder zum NATO-Partner Griechenland fahren. Auch deren Armeen verfügen über »Buk«-Raketenkomplexe aus russischem Export.“

Strategietreffen der Luftfahrtbehörde

Als Reaktion auf den mutmaßlichen Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine wollen sich Experten der Luftfahrtindustrie ab Dienstag zu einem Strategietreffen im kanadischen Montreal treffen. Organisiert wird die Tagung von der Internationalen Zivilluftorganisation IACO. hei"





Freitag, 25. Juli 2014

MH17 nicht von Boden-Luft-Rakete abgeschossen

»"Aus Sicht eines Experten" sei der Abschuss der malaysischen Boeing am 17. Juli über der Ostukraine "durch eine bodenständige Flugabwehr-Rakete mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen".

Zu dieser Einschätzung kommt Oberst a. D. Bernd Biedermann in einem Beitrag für die in Berlin erscheinende Tageszeitung "neues deutschland" (Donnerstagausgabe). Hätten Splitter einer Boden-Luft-Raketen das Flugzeug getroffen, wäre es sofort in Brand geraten, argumentiert der NVA-Fla-Raketenspezialist. Ursache sei die "großen Reibungshitze, die Splitter beim Durchschlagen des Flugkörpers erzeugen. Ein einziger enthält die gleiche kinetische Energie wie ein 40 Tonnen schwerer Güterwagen, der mit 60 Kilometern pro Stunde auf einen Prellbock läuft." Im Falle der malaysischen Boeing seien erst nach dem Aufschlag auf dem Boden vereinzelte Brände ausgebrochen, weil heiße Flugzeugteile mit brennbaren Materialien in Berührung gekommen waren.

Biedermann ist mit sowjetischer und russischer Flugabwehrtechnik vertraut, er führte Einheiten im Diensthabenden System der DDR und lehrte an der Militärakademie in der Fachrichtung Fla-Raketentruppen.«
http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/neues-deutschland-NVA-Raketenspezialist-MH17-nicht-von-Boden-Luft-Rakete-abgeschossen-3747673

Der komplette Text des Zeitungsartikels ist auch hier zu finden:
https://www.freitag.de/autoren/mopperkopp/tatort-mh17#1406189096430896

Interner Link:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.ch/2008/08/offizier-diplomat-und-aufklrer-der-nva.html

Donnerstag, 24. Juli 2014

Beweise der USA für den Abschuß MH17 durch Russland

Nunmehr gingen die USA endlich in die Offensive und legten ihre "überzeugenden Beweise" für die Schuld Russlands resp. der sog. Separatisten in der Ostukraine offen:
 
 
Für die Vergesslichen unter uns:
 

Mittwoch, 23. Juli 2014

Absturz des Fluges MH17

Am 17. Juli 2014 stürzte gegen 13:22 UTC eine Boeing 777-200ER mit dem Kennzeichen 9M-MRD über umkämpften Gebiet in der Ukraine ab (Foto: Wikipedia). Kurz vor Einflug in den ukrainischen Luftraum stieg die Maschine von rd.  31.000 Fuß auf rd. 33.000 Fuß. Nach Informationen der Kleinen Zeitung sei eine Flughöhe von 35.000 Fuß (10.700 Meter) beantragt gewesen. Entsprechend der Anweisung der ukrainische Flugsicherung wurden nur 33.000 Fuß geflogen und damit nur knapp über der von Kiew verkündeten Flugverbotszone. Zu allem Unglück wurde noch eine nördlichere Flugroute gewählt als die vorherigen Tage, was mit dem Umfliegen eines Gewitters begründet wird.

Zwischenzeitlich wurde bekannt, daß die Kiewer Befehlshaber das 156 Flugabwehrraketenregiment der Streitkräfte der Ukraine, mit siebenundzwanzig Raketen-Komplexe vom Typ  Buk M1 in der Nähe der Rebellen (warum eigentlich?) hatten, welche am Unglückstag eine erhöhte Aktivität aufwiesen und nach dem Unglück wieder verlegten. Das "abhörte" Telefongespräch und die Aufnahme eines BUK-Transporters waren plumpe Fälschungen (u.a. hier). Für die Behauptungen der USA fehlt bisher jeder Beleg.

Nunmehr haben Experten Zugang zur Absturzstelle, die Leichen der Opfer wurden geborgen, gekühlt und an die Niederlande übergeben. Blackboxen haben malaysische Behörden erhalten. Damit könnte alles geklärt werden.

Doch was muß ich jetzt lesen: Der Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder werden - ausgerechnet - im staatlichen AAIB Großbritanniens untersucht und mit der Zusicherung, dass sie an Experten der ICAO weitergereicht würden, ist es wohl nicht weit her. Zu allem Überfluß steht der Kühlzug mit den sterblichen Überresten noch in Charkow und es fehlen schon Leichen. Dafür schlagzeilt es nach der Propaganda der letzten Zeit überraschend: "USA: MH17 wohl aus Versehen von Separatisten abgeschossen" und weiter heißt es: "US-Geheimdienst hat keine Beweise für Russlands Beteiligung am Abschuss von MH17". Ob da wohl ein für die USA gesichtswahrender Deal im Hintergrund lief?

Fakt: Die Wahrheit wird noch lange im Verborgenden bleiben.

Update (24.07.2014)
Die jüngste Reuters-Meldung scheint eine "Fehlleistung" der Nachrichtenagentur zu sein:
http://lifenews.ru/news/137189

»News Anchor: Nochmal, ich möchte es - mit ihnen hier live – bestätigen, haben die Milizen BUK oder nicht?
Alexander Chodakowski: Ich sage Ihnen absolut, nachdem wir die ganze Situation analysiert haben und das ganze Arsenal geprüft haben – mit voller Autorität sage ich Ihnen, daß die Milizen keine BUK haben, MANPADS ja…« Übersetzung:
http://hinter-der-fichte.blogspot.ch/2014/07/ardreuters-jetzt-erfinden-wir-buk.html

Kurz: Die angebliche Aussage wurde demnach gegenüber Reuters nie gemacht (Videobeleg).

Freitag, 18. Juli 2014

Zwangsabgabe auf Bankguthaben

Tja, nachdem das Zypern-Szenario so glatt durchgelaufen ist und die dortigen Bankkunden für die Schulden der Banken gerade stehen mußten, wird dieses Szenario sukzessive EU-weit eingeführt:

In Spanien wird eben rückwirkend zum 01.01.2014 eine sog. "Sparersteuer" pilotiert ... "natürlich" auch für Kleinstguthaben. Noch beträgt diese lediglich 0,03 Prozent, aber wenn diese "Steuer" einmal etabliert, kann sie nach Kassenlage jederzeit angehoben werden. Übrigens, diese "Steuer" orientiert sich nicht an der individuellen Leistungsfähigkeit des Bankkunden und dient der Rettung der "notleidenden" Banken^^^dem dadurch "notwendigen" Schuldenabbau des Staates. Mal schauen, wann das in der BRD geschieht.

Was meinte der neue Präsident der EU-Kommission vor Jahren noch so schön offen: »Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert ... Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt« (Jean-Claude Juncker im SPIEGEL 52/1999).
 
Links:

Samstag, 5. Juli 2014

Spion im BND versehentlich festgenommen!

Das ist so eine Geschichte, wie sie nur das Leben selbst schreibt:

Da geriet ein BND-Mitarbeiter in Verdacht für den russischen Geheimdienst zu spionieren, wurde festgenommen und dann stellte sich heraus, uuups, er hat tatsächlich für die USA spioniert. Als wäre dieses nicht peinlich genug, nein, er hat noch den NSA-Untersuchungsausschuss ausspioniert!  

Hätte er doch gleich was gesagt, wäre seine Spionage "sicher" geräuschlos als "Amtshilfe" durchgegangen.

Aber, alles halb so wild! Es wären keine "Dokumente des Untersuchungsausschusses selber ausgespäht worden", sondern nur "Dokumente, die dem Untersuchungsausschuss zugeleitet werden sollten", schreibt das Handelsblatt. Na dann, können wir weiter beruhigt WM schauen. Wer solche "Freunde" hat ...

update (06.07.2014)
Bei Geheimdienstgeschichten muß man bekanntlich vorsichtig sein, da viel Desinformation im Spiel ist. Hier sollte der Verweis genügen, daß auch während der WM die Geheimverhandlungen zum sog. "Freihandelsabkommen" zwischen USA und EU weitergehen und es bei einem Abschluß auch unter den bundesdeutschen "Eliten" Verlierer geben wird. Und die sind nicht inaktiv ...

... aber "lustig" ist die Affäre dennoch! In ihrem Bemühen, den vermeintlich russischen Spion zu enttarnen, wandte sich der Verfassungsschutz ausgerechnet »an die US-Behörden mit der Frage, ob die fragliche Google-Mail-Adresse dort bekannt sei. Eine Antwort blieb aus. Stattdessen meldete der BND-Mann kurz darauf seinen Mail-Account ab.« meldet zumindest SPON.

Was meinen eigentlich die USA dazu? Das hier meldet RIANOVOSTI: »Ein ranghoher Vertreter der US-Administration hat Deutschland im Zusammenhang mit der Verhaftung eines mutmaßlichen US-Spions mit dem Abbruch des Dialogs zum Thema Aufklärung gedroht, schreibt die „New York Times“ am Samstag.

Diese Verhaftung „gefährdet die gesamte Wiederaufbauarbeit“ nach dem Skandal mit dem Abhören von Angela Merkels Handy ...« :-D

Montag, 30. Juni 2014

Wir sind ein Volk

Mich hat schon immer interessiert, wann und wie die Losung von "Wir sind das Volk" zu "Wir sind ein Volk" kippte.

Bei der Beantwortung half mir meine Lieblingszeitung "Das Parlament" mit seiner Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" über das Thema "Aufbruch'89". Im darin enthaltenen Artikel von Bernd Lindner "Begriffsgeschichte der Friedlichen Revolution. Eine Spurensuche" erfahren wir dazu, die Losung "Wir sind das Volk" sei »zuerst am 2. Oktober 1989 in Leipzig und nicht am 8. Oktober in Dresden gerufen« worden. Aber er klärt dankenswerterweise auf, wer und wann den Begriffswandel visionär einleitete. Jeder hätte es sich denken können:

»Als die Losung am 11. November 1989 das nächste Mal in der Öffentlichkeit erschien, hatte sie eine gänzlich andere Konnotation: An diesem Tag titelte die "Bild" in unübersehbar großen Lettern: "'Wir sind das Volk' rufen sie heute - 'Wir sind ein Volk' rufen sie morgen!"«.

Wie es weiter ging, erfuhr ich über "Schattenblick.de" von Peter Radunski, damals Chef der Öffentlichkeitsarbeit für die West-CDU, via Deutschlandradio: »"Wir haben festgestellt, das war auch stark diskutiert worden im Bundesvorstand und Präsidium, dass eigentlich die Selbstbestimmung nicht das sein kann, womit das Volk zufrieden gestellt werden kann. (...) Hinter den Kulissen stemmt die Bundes-CDU in der Woche vom 11. bis 17. November einen Aktionsplan. Es gilt, die Meinungsführerschaft zu übernehmen: Radunski: Eine Sitzung war am 16. abends im Adenauerhaus, eine so genannte Kommunikationsrunde. Und bei dieser Kommunikationsrunde, das kann ich aus meinen Notizen deutlich sehen, ist gesagt worden: Kinder wir machen ein Plakat "Wir sind ein Volk". Das heißt, in Weiterentwicklung des Slogans, der in der damaligen DDR skandiert wurde: "Wir sind das Volk". (...) Und dabei sind sicher auch Junge-Unions-Leute nach den einzelnen Teilen der DDR gekommen und haben sicher da auch die Wandzeitung oder das Plakat "Wir sind ein Volk" hochgehalten. Aus einem schriftlichen Vermerk der CDU-Bundesgeschäftsstelle geht hervor: Versand an die Kreisverbünde/Plakate "Wir sind ein Volk" - Erste Auflage 12.800 Stück. Aufkleber "Wir sind ein Volk" - Erste Auflage: 100.000 Exemplare. Zweite Auflage: 300.000 Exemplare.«

Also wurde demnach der Slogan "Wir sind ein Volk" am 11. November 1989 von BILD vorgedacht und ab 17. November 1989 durch die West-CDU popularisiert ... der 10-Punkte-Plan von Kohl wurde am 28. November 1989 veröffentlicht. Öffentlich wahrgenommen wurde die Lösung von mir erst zum Kohl-Auftritt am 19. Dezember 1989 in Dresden. Hier könnte die etwa ein Monat lang vorbereitete Losung "Wir sind ein Volk" endgültig die Massen ergriffen haben und wurde somit zur materiellen Gewalt.

Folge:
»Ende September ging im Leipziger Herbst ein angestimmtes Deutschlandlied noch in Pfiffen unter, wenige Wochen später war es aber zum allgemeinen Kanon geworden« Marcus Hawel auf sopos, Hervorhebung von mir.