Samstag, 24. Januar 2015

Jahresliteraturbericht 2015 zur Luftwaffengeschichtsschreibung der DDR-LSK/LV

Der Jahresliteraturbericht Nr. 5 zur Luftwaffengeschichtsschreibung der DDR-LSK/LV von Prof. Dr. Walter Hundt wurde veröffentlicht:

http://www.walter-hundt.de/seite58.html bzw.
http://www.walter-hundt.de/Jahresliteraturbericht%202015.pdf (0,2 MB)

Rezensierte Literatur:
  1. Wenzke, Rüdiger, Nationale Volksarmee. Die Geschichte. GeraMond Verlag, München 2014,  220 S.
  2. Skeries, Manfred, MiG-29-Pilot in NVA und Bundeswehr. So war das eben“. Ein ehemaliger Jagdflieger berichtet. Verlag Dr. Köster, Berlin 2014, 304 S.
  3. Kanetzki, Manfred, MiGs über Peenemünde. Die Geschichte der  NVA-Fliegertruppenteile auf Usedom. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014, 212 S. (wesentlich überarbeitet Ausgabe der 1. Auflage von 2001)
  4. Biedermann, Bernd/Kerner, Wolfgang, Krieg am Himmel. Luftprovokationen, Spionageflüge, Flugzeugentführungen. Steffen Verlag, Berlin 2014, 176 S.
  5. Flugplatzmuseum Cottbus, Kalender 2015. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014
  6. Autorenkollektiv der GBSL (Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte), Historische Luftfahrtstätten in und um Berlin. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014, 204 S.  
Siehe dazu auch folgende Links:
http://home.snafu.de/veith/buecherR.htm
http://www.flugzeugforum.de/threads/79506-MiG-29-Pilot-in-NVA-und-Bundeswehr
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2014/04/kalender-des-flugplatzmuseums-cottbus.html

NSU-Morde und Medienkritik

Unter dem Titel "Das Unwort erklärt die Untat" untersuchten Fabian Virchow, Tanja Thomas, Elke Grittmann für die "Otto Brenner Stiftung" der Gewerkschaft IG Metall die Inhalte, Hintergründe und Bedingungen der Berichterstattung über die sog. "Döner - Morde".

Die Studie steht im PDF-Format kostenlos zum download (rd. 5 MB) bereit:
https://www.otto-brenner-shop.de/fileadmin/user_data/shop/dokumente/obs_arbeitshefte/AH79_web.pdf

Weitere Links:
https://www.otto-brenner-stiftung.de/
https://propagandaschau.wordpress.com/2015/01/23/die-angeblich-so-freie-presse-und-ihr-versagen-angesichts-der-nsu-morde/

Sonntag, 18. Januar 2015

Fahnenflucht - Wehrmacht

Es stellte sich mir die Frage, ob die Überlebenschancen eines Deserteurs statistisch höher waren, als einer der in der Masse der Soldaten mitgemacht hat.

Durch Zufall stieß ich auf einen älteren Welt-Artikel und natürlich die Wikipedia-Einträge, die sich wohl auf einen Artikel des Wiener Politologen Thomas Geldmacher: "Auf Nimmerwiedersehen! Fahnenflucht, unerlaubte Entfernung und das Problem, die Tatbestände auseinander zu halten" stützen.
 
Demnach kämpften (allein) in der Wehrmacht 18,2 Millionen Soldaten. Davon fielen mindestens 3,5 Millionen und 1,5 Millionen blieben vermißt. Die Anzahl der Deserteure wurde auf 400.000 geschätzt. Das wären rd. 2,2% des Personalbestandes über die Zeit.

Bis Ende 1944 wurden ca. 23.000 Todesurteile gegen Deserteure vollstreckt.

Jetzt sind diese Angaben natürlich sehr vage, aber selbst wenn ich unrealistisch unterstelle, daß alle Vermißten überlebt hätten, lag die Überlebenschance eines Wehrmachtssoldaten bei lediglich 80%.

Wenn ich demgegenüber aufgrund der Wirren des "Endkampfes" sogar von insg. 25.000 getöteten Deserteuren ausgehe und nur obige 400.000 als Basis zugrunde lege, wären Deserteure auf eine Überlebenschance von deutlich über 90% gekommen.

Damit hätte sich rein rechnerisch eine Fahnenflucht die Überlebenschancen verbessert. Dem Einzelnen nützt eine Statistik natürlich nichts.

Samstag, 17. Januar 2015

Nachkriegspläne der UdSSR in Bezug auf Deutschland

Es wurde die Tage eine m.E. gute Frage gestellt, die etwa so lautete: "Gab es seitens der Sowjetunion Pläne dahingehend, die sowjetische Besatzungszone in die UdSSR einzugliedern oder alle Deutschen nach Sibirien umzusiedeln oder Deutschland - wie im Morgenthau-Plan der USA vorgeschlagen - zu deindustrialisieren?"

Ich mein(t)e dazu: Nein.

Solche Gedanken - soweit es sie bereits 1941 gegeben haben sollte - waren bereits mit dem BEFEHL DES VOLKSKOMMISSARS FÜR VERTEIDIGUNG Nr. 55 vom 23. Februar 1942 obsolet ("... die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt").
 
Damit war die "Marschrichtung" vorgegeben. Natürlich war dieser Befehl Ausfluß reiner Nützlichkeitsabwägungen, um ein breites Bündnis mit Deutschen zu ermöglichen. So spielte das anschließend ab 3. April 1942 in Gründung befindliche Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) eine wichtige - leider aber keine entscheidende - Rolle.

Gegenläufig war das auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 durch die USA und GB (ohne UdSSR) formulierte Kriegsziel der "bedingungslosen Kapitulation". In diesem kumulierten deren Interessen mit dem Begehr der UdSSR, einen jeweiligen Separatfrieden mit Deutschland zu verhindern. Diese Entscheidung förderte allerdings den deutschen "Wehrwillen".

Übrigens, ernsthafte französische Pläne nicht nur das Saargebiet sondern auch das Rheinland Frankreich einzugliedern, gab es sehr wohl.
 
Büchertipp: Volker Koop mit
Vorsorglich: Herr Koop schrieb zwar über jede Besatzungszone ein Buch, wobei jedoch - naheliegend - nur das der sowjetische Besatzungszone bei der "Bundeszentrale für politische Bildung" schon mal kostenlos verteilt wurde. Bei den Briten und US-Amerikanern ist Koop auffallend zurückhaltend, da schreibt er regelmäßig "drumherum", aber bei Franzosen und Russen "haut er richtig drauf" ...

... "zu dieser Bilanz [gehört] auch die Einschätzung, dass die meisten Bücher wichtige Themen behandeln, aber leider oftmals mit schneller Hand geschrieben und methodisch unbedarft ausfallen. Eine fehlende Berücksichtigung der wichtigsten Forschungsliteratur gehört dazu ebenso wie ein selektiver und nicht vorurteilsfreier Zugriff auf Archivalien. Zudem fehlen leitende Fragen, die den Darstellungen als roter Faden dienen würden. Fehler, Ungenauigkeiten und verkürzte Zusammenhänge sorgen dafür, dass diesen Sachbüchern zuweilen ihre Sachlichkeit abhanden kommt" (Ilko-Sascha Kowalczuk, BStU, auf hsozkult.de über den Autor).

Dennoch: Empfehlung!
 

So schmeckte es den Genossen in der NVA

So schmeckte es den Genossen in der NVA. Ich hatte mich über das Essen bereits in diesem Beitrag Gedanken gemacht:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/08/essen-in-der-nva.html

Nunmehr konnte ich lesen, daß ich offensichtlich in der "falschen" Teilstreitkraft war. Es gab tatsächlich 1981 in der NVA unter Grundwehrdienstleistenden (GWDler) und Unteroffiziere auf Zeit (UaZ) eine Befragung[*] zur Qualität der Verpflegung.

Danach meinten in der gesamten NVA (einschließlich der Grenztruppen) die Verpflegungsqualität sei "sehr hoch" oder "hoch":
18,3% der GWDler und
18,6% der UaZ

Wobei die "Mucker" (LaSK) das Gesamtergebnis herunterzogen, lediglich:
8,7% der wehrpflichtigen "Sandlandscher" und
11,4% deren UaZ
hielten die Verpflegungsqualität "sehr hoch" oder wenigstens "hoch".

In den Grenztruppen jedoch, mit der etwas höheren "Grundnorm 130", meinten die Verpflegungsqualität sei "sehr hoch" oder "hoch" erstaunliche:
31,9% der GWDler und
39,7% der UaZ

Bei den LSK/LV meinten dies immerhin:
21,0 der GWDler und
19,3% der UaZ

Bei den LSK/LV ist spannend, daß die UaZ schlechteres Essen als die Soldaten zu haben meinten ... was nicht verwundert, da die UaZ mit an den "MiGs schraubten", während die Soldaten "sicherstellten" und die aus der Küche zumindest gut kannten.

Quelle:
[*] "Armee des Volkes?", Tabelle auf S. 300; eig. Berechnungen
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2010/01/armee-des-volkes.html

Link:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/08/essen-in-der-nva.html

Aufnahmeheime in der DDR

Das Thema "Aufnahmeheime" in der DDR ist für mich noch nicht richtig "rund". Vielleicht weiß jemand mehr:

Etwa 600.000 Menschen siedelten von 1949 bis 1989 aus der BRD / Westberlin in die DDR. Die Mehrzahl waren Rückkehrer, die mit dem Westalltag nicht zurande kamen. Dazu kamen mindestens 200.000 "Erstzuziehende" aus dem westlichen Teil Deutschlands, s.a.:
http://home.snafu.de/veith/deserteu.htm

Für diese Menschen gab es  ab 1979 als erste Anlaufstelle das Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) Röntgental bei Berlin (Bezirk Frankfurt/Oder).

Ich gebe zu, mehr kannte ich nicht. Jetzt lese ich, es gab bis Mitte der 1960er Aufnahmeheime auf zentralstaatlicher Ebene in
- Barby (Bezirk Magdeburg),
- Eisenach,
- Pritzier (geschlossen 1972) und
- Eisenberg-Saasa (Bezirk Gera)

sowie auf bezirklicher Ebene in
- Velgast,
- Militzsee,
- Loburg,
- Schmalkalden,
- Kraftsdorf,
- Karl-Marx-Stadt,
- Zirkelschacht,
- Leipzig,
- Dresden,
- Kablenz,
- Molkenberg bei Fürstenwalde (Bezirk Frankfurt/Oder),
- Potsdam und
- Berlin-Weißensee
- Berlin-Blankenfelde (geschlossen 1972).

Ab der Sicherung unserer Staatsgrenze 1961 zu Westberlin wurden die Aufnahmeheime sukzessive weitgehend auf drei ZAH reduziert. Es verblieben:
- Barby,
- Eisenberg-Saasa und
- Molkenberg bei Fürstenwalde (geschlossen 1986)

Ab 1979 gab es grundsätzlich nur noch das bekannte ZAH Röntgental bei Berlin (Bezirk Frankfurt/Oder). Einige auf bezirklicher Ebene sollen jedoch weiter existiert haben.

Links:
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/wunschik20130802/?p=all
http://www.ddr-rueckkehrer.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=48&Itemid=41

 

Samstag, 10. Januar 2015

Kindergartenerziehung

Aufgrund einer angeregten Diskussion über die Kindergartenerziehung in der DDR bin ich 500 km gefahren und habe nun ein 288seitiges Buch vor mir liegen. Es trägt den Titel:

"Programm für die Bildungs- und Erziehungsarbeit im Kindergarten" (1985)

Das Programm trat am 1. September 1985 in Kraft und "Der Minister für Volksbildung M. Honecker" zeichnete sich verantwortlich. Es galt für Kinder ab den 3. vollendeten Lebensjahr für jeweils 3 Jahre. Es gab mindestens einen, ggf. zwei, Vorläufer seit den 1960ern, vgl. den von 1977
Bildungs- und Erziehungsplan für den Kindergarten DDR Gebundene Ausgabe – 1977 (Amazon)

Vorher mußte sich jede Erzieherin allein durchwursteln. Für den heutigen BRD-Alltag siehe:
http://www.gew.de/Bildungsplaene.html
http://www.kindergartenpaedagogik.de/1951.html

Inhaltsverzeichnis des "Programms für die Bildungs- und Erziehungsarbeit im Kindergarten" (1985):
* Die Hauptaufgaben der Bildung und Erziehung im Kindergarten (3 Seiten)
* Jüngere Gruppe (70 Seiten)
* Mittlere Gruppe (92 Seiten)
* Ältere Gruppe (97 Seiten)
* Literaturverzeichnis (1 Seite)
* Kinderliteratur (8 Seiten)
* Anhang (Kindergartenordnung)

Ich meine, zu meiner Zeit hieß die "Jüngere Gruppe" noch "diskriminierend" "Kleine Gruppe" und die "Ältere Gruppe" "Große Gruppe" ;-)

Der Inhalt für jede der drei Kindergartengruppen war grundsätzlich wie folgt strukturiert, hier am Beispiel der Jüngeren Gruppe:
* Ziele und Aufgaben der Erziehung der Kinder  (3 Seiten)
* Gestaltung des Lebens im Kindergarten (8 Seiten)
* Spiel (7 Seiten)
* Arbeit (3 Seiten)
* Beschäftigung (2 Seiten)
* Zu den inhaltlichen Aufgaben der Sachgebiete (1 Seite)
* Muttersprache und Kinderliteratur (11 Seiten)
* Bekanntmachung mit dem gesellschaftlichen Leben (7 Seiten)
* Bekanntmachung mit der Natur (8 Seiten)
* Bildnerisch-praktische und konstruktive Tätigkeiten und betrachten von Bildkunstwerken (5 Seiten)
* Musik (5 Seiten)

Für die Jüngeren Gruppe war innerhalb von zwei Wochen vorgesehen:
* Muttersprache und Kinderliteratur 2x
* Bekanntmachung mit dem gesellschaftlichen Leben 1x
* Bekanntmachung mit der Natur 1x
* Sport 2x
* Bildnerisch-praktische und konstruktive Tätigkeiten und betrachten von Bildkunstwerken 3x
* Musik 1x

Dauer der Beschäftigung jeweils "bis 15 Minuten", Sport "20 - 30 Minuten"

Von den ca. 170 Minuten Beschäftigung innerhalb von zwei Wochen waren tatsächlich auch knapp 10 % "Bekanntmachung mit dem gesellschaftlichen Leben" ... was per se nichts schlechtes ist.

Bleiben wir bei der Jüngeren Gruppe. Die Kinder sollten in den "10%" u.a. lernen:
- Name des Heimatortes, ihre Wohnanschrift und die Adresse des Kindergartens
- lernen sich im Ort zu orientieren und wichtige Sehenswürdigkeiten kennen
- die Erzieherinnen weisen darauf hin, daß "dies alles durch fleißige Arbeit ihrer Eltern und anderer Werktätigen möglich wird".
- die Kinder lernen kennen: Werktätige, den ABV, Feuerwehr
- sie wissen, daß sie in der DDR leben und Berlin die Hauptstadt ist, das schließt die Fahne und Erich Honecker mit ein.
- den Kindern ist an Beispielen verständlich gemacht werden, daß in der DDR gut für die Kinder gesorgt wird und das nicht in allen Ländern so üblich ist.
- sie begehen den Republikgeburtstag feierlich
- sollen erste Vorstellungen entwickeln, welche anderen Städte und Dörfer zur DDR gehören.

Zudem lernen sie noch etwas "Von der Arbeit der Werktätigen", so welche Aufgaben die Köchin und der Hausmeister im Kindergarten haben, sollen Bauarbeitern zuschauen und sind anzuregen, Aufgaben im Haushalt der Familie zu übernehmen. Da dies geschützt werden muß, sollen die Kinder "über Bilder und Erzählungen erfahren, daß die Soldaten der nationalen Volksarmee stark, mutig, klug, geschickt und immer einsatzbereit sein müssen, viel Sport treiben und sich im Schießen üben." Es sei "Stolz" zu entwickeln, soweit Familienangehörige in den bewaffneten Organen dienen oder dienten.

"Von der Freundschaft mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern" handelt eine halbe Seite, wonach die Kinder "Matrjoschka, Buratino und Mischka als Spielzeug" kennenlernen und erfahren, daß der Kindertag auch in anderen Ländern begangen wird. Dann soll noch kurz "ihr Wunsch" geweckt werden, Kindern zu helfen, die "in Armut und Elend" leben. Dann kommt eine Seite Verkehrserziehung.

Mein FAZIT:
Für jemanden, der nicht sofort beim  Wort "Sozialismus" die Haßkappe überzieht, für den kann das "Programm für die Bildungs- und Erziehungsarbeit im Kindergarten" wohl noch heute eine Handreichung für Erziehung und Bildung sein ... ich hätte das wohl eher haben sollen ;-)