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Sonntag, 19. April 2026

Abschuss RB-66, eine Aktualisierung

Ich habe von Uwe Behrndt einen Hinweis zum Abschuss der RB-66 / USAF über den Territorium der DDR, nördlich von Gardelegen, erhalten. Ich möchte die Zuschrift hier vorab veröffentlichen:

Zur Vorgeschichte: 

Bei Gesprächen mit Oberst a.D. Oleksandr Pawlowitsch Protopopov kam das Thema Abschuss RB-66 auf. Er war damals als Offizier der sowjetischen Streitkräfte in Zerbst stationiert und hatte während des Abschusses Dienst im Gefechtsstand. Er dachte damals nur „hoffentlich fällt die Funkverbindung nicht aus“, für die er als junger Offizier in diesem Moment verantwortlich war. Im Gespräch konnte er sich präzise an die damaligen Vorgänge erinnern und vor allem auch an die Namen, Respekt! Das Gespräch wurde von Uwe Behrndt im Januar 2018 in Kiyw geführt.

Ein wichtiges  Detail ist immer noch nicht öffentlich bekannt.

Zum Text:

"Mein Schwiegervater Oлександер Павлович Протопопов, heute wohnhaft in Kyjiw (Ukraine), war im März 1964 Leutnant der Sowjetarmee und beim 35. Jagdfliegerregiment in Zerbst (DDR) stationiert. Am Tag des Abschusses hatte er Dienst im Gefechtsstand und war verantwortlich für „Cwjas i Radiolokazij“, also für die funktechnische Sicherstellung des Flugbetriebes.

Der Einsatzbefehl kam an jenem 10. März 1964 von der vorgesetzten Stelle aus Werneuchen. Er wurde umgehend umgesetzt. Der, wegen des laufenden Manövers, zufällig anwesende Divisionskommandeur der 126. Jagdfliegerdivision, Generalmajor Alexej Anastasowitsch Mikojan (sein Vater war zu der Zeit übrigens Vorsitzender des obersten Sowjets), griff im Zuge des Abfangmanövers selbst zum Mikrofon und gab den entscheidenden Befehl zum Abschuss: „Ogon na poroschenja“, was sinngemäß mit „Feuer frei, Abschießen!“ übersetzt werden kann. Mikojan fragte zuvor noch nach den Sichtbedingungen und die Identifizierung des fremden Flugzeuges ab. Antwort war „choroschaja Widimost, Zel maloi skorosti, 2 Dwigatelja“ (gute Sicht, langsames Ziel, 2 Triebwerke).

Aufgestiegen war ein Paar des 35. Jagdfliegerregimentes unter Führung des erfahrenen Staffelkommandeurs Hauptmann Sesow (Ergänzung: Der Start des Paares erfolgte zusätzlich zu der bereits laufenden Abfangaktion mit Hauptmann Sinowjew von einem anderen Flugplatz). Sesow machte als erster seine Waffen scharf und meldete dann aber nach kurzer Zeit „Priwet Oruschnikow: ne streljaet!“, also „Gruß an die Waffenleute, sie schießt nicht!“. Daraufhin musste der Geführte Hauptmann Iwannikov übernehmen, der letztendlich aus kurzer Distanz den Auftrag erfüllte und das Ziel mittig traf. 

Nach der Landung wurde die Mig-19 von Sesow sofort sichergestellt und einer eingehenden Überprüfung unterzogen. Man fand aber keinen technischen Defekt und ging deshalb von einem Bedienfehler aus, auch weil der Waffenhauptschalter nach der Sicherstellung nicht auf der erwarteten Position stand. Hauptmann Sesow, der damals rund 4.000 Flugstunden hatte, wurde Flugverbot erteilt und wenig später aus der Armee entlassen. Das der erfolglose Sesow später nirgends erwähnt wird, entsprach durchaus der sowjetischen „Öffentlichkeitsarbeit“. Auch kann er sich nicht erinnern, dass bei derartigen Aktionen nur ein einzelner Abfangjäger Startbefehl erhielt, zumal immer ein Paar in Bereitschaft war. Mit Sesow gab es eine Woche nach dem Zwischenfall ein Parteiverfahren, und Wochn später mit den zusammengerufenen Piloten eine "Riesen Standpauke" - mit dem bekannten Ergebnis, dass nicht Iwannikow (und somit das 35. JFR) den feindlichen Aufklärer abgeschossen hat, sondern Sinowjew.  Mikojan hatte bei dieser Aktion im Gefechtsstand so kräftig mit der Faust auf den Tisch gehauen, dass mein Schwiegervater Angst hatte, dass das Mikro und die Funkanlage ihren Geist aufgeben würden. 

Der erfolgreiche Schütze Vitalij Grigorjewitsch Iwannikov wurde in der gleichen Woche zum neuen Staffelkommandeur ernannt und der Rotbannerorden verliehen. Er soll es nach Erzählungen bis zum General gebracht haben.

Es erklärt auch die Darstellung des letztlich erfolgreichen Fliegers Iwannikov, der nach eigenen Angaben erst sehr spät aus 0/4 und aus kurzer Distanz, also nicht ideal und unmittelbar hinter der RB-66, das Feuer eröffnen konnte. Das wirft dann natürlich auch ein neues Licht auf das unerwartete Treffen im 35. JFR mit dem legendären Oberkommandierenden K. A. Werschinin, als Chef der Flieger, das I. Pstygo in seinem Buch „Arbeiter am Himmel“ beschreibt. Denn irgendjemand muss nach der vorübergehenden Suspendierung die Entlassung eines verdienten Staffelkommandeurs aus der Armee angeordnet haben."


Leutnant Protopopov, 1964

Uwe Behrndt, 2020 mit Ergänzung 2026

Link für weitere Informationen:
https://home.snafu.de/veith/rb-66.htm 

Montag, 3. Juli 2023

Iron Dome

Die BRD prüfte ab März 2022 den Einsatz der israelischen Wunderwaffe "Iron Dome", mit einem interessanten Detail:


"Die Radargeräte sind der »Bild am Sonntag« zufolge so leistungsstark, dass der Schutzschirm auch Polen, Rumänien oder das Baltikum abdecken könnte. Die Länder müssten sich dann »Arrow 3«-Raketen kaufen, das Radarbild würde Deutschland liefern."

Kurz: Auch die Ukraine könnte die BRD mit abdecken, "nur" die Raketen müßten die ukrainischen Streitkräfte (AFU) selbst starten (siehe unten Punkt 3).

Ach, ja, ein System würde 2.000.000.000 EUR kosten (SPON).

Kurz: Geschäfte, die sich die Rafael Advanced Defense Systems Ltd. ungern entgehen läßt. Die Gründe nicht an die Ukraine direkt zu liefern, aus israelischer Sicht:
https://www.israelheute.com/erfahren/warum-israel-den-iron-dome-nicht-an-die-ukraine-liefern-sollte/

  1. Das System fällt auf jeden Fall in russische und damit iranische Hände.
  2. Mangel an Abwehrraketen.
  3. Lieferdauer und Ausbildungsdauer der AFU.
  4. Rußland könnte aus Syrien abziehen (!) und das Land dem Iran überlassen.

Während die Gründe 1. bis 3. auch für Panzer etc. gelten, scheint Punkt 4 bisher der Entscheidende für Israel zu sein. Jedenfalls wolle man die Raketen derzeit noch nicht an die Ukraine liefern (Stand: 03.07.2023).

"Einem Bericht von Reuters vom 20. April [2023] zufolge haben israelische und deutsche Regierungsvertreter in dieser Woche Gespräche über den möglichen Verkauf des israelischen Raketenabwehrsystems Arrow 3 aufgenommen.

"Die fortgeschrittenen Verhandlungen wurden diese Woche in Deutschland aufgenommen, mit dem Ziel, ein detailliertes Abkommen für die Lieferung des israelischen Arrow 3 Systems an das deutsche
Verteidigungsministerium zu entwerfen", heißt es in einer vom israelischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Erklärung."
https://thecradle.co/article-view/23891/israel-in-talks-with-germany-for-long-range-missiles-sale
(Übersetzung mit DeepL.com)

Nun  ist es so weit: "Bund kauft „Arrow 3“-Luftabwehr " (FR, 29.06.2023). Standorte: "der Fliegerhorst Holzdorf (Schönewalde) auf der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie Schleswig-Holstein und Bayern." 

"Ab Ende 2025 soll Arrow 3 dann einen wesentlichen Beitrag zum neuen „European Sky Shield“ leisten und so das Nato-Gebiet schützen. Das Waffensystem verfügt über eine Reichweite von 2.400 Kilometern und kann feindliche Lang- und Mittelstreckenraketen in bis zu 100 Kilometer Höhe abfangen und außerhalb der Erdatmosphäre durch einen direkten Treffer (Hit-to-Kill) zerstören." (Oranienburger Generalanzeiger vom 01.07.2023).

Das klingt weniger nach Luftabwehr als nach Raketenabwehr (SDI) für eine "folgenlose" Erstschlagsfähigkeit der USA.

Interne Links:


Mittwoch, 6. Mai 2020

"Mauerfall" und "Wiedervereinigung" im Lichte der Numerologie

In diesem Jahr werden - 10. Corona-Welle hin oder Absage des Münchner Oktoberfestes her - die Feierlichkeiten zum 30. Republikgebur^^^Jahrestag der sog. "Wiedervereinigung" begangen. Und da die Welt endgültig irrational(*) geworden scheint, lohnt sich ein entsprechender Blick:

Wir hatten nun im Jahr 1961 den "Mauerbau"  und - nach der unkontrollierten Grenzöffnung 1989 - das "endgültige" Verschwinden der "Mauer" im Jahr 1990. Letzteres und auch die dem folgende "Wiedervereinigung" war vorherbestimmt!

Zahlen lügen nicht:

Ich beginne meinen Exkurs in die Numerologie mit einer simplen Quersummenbildung (q) des Tages der Sicherung der Staatsgrenze der DDR gegenüber Westberlin  (13.08.1961):

q(13081961) = 1+3+0+8+1+9+6+1 = 29

Als nächstes addiere ich die Jahreszahl 1961 mit der ermittelten Quersumme:

1961 + 29 = 1990

Überraschung: Die "Schuld" an der "Wende" hat somit weder Schabowski, Krenz, Gorbi, Kohl oder gar Bürgerbewegte, sondern die simple Mathematik^^^Numerologie!


Ok, damit mir die Überraschung nicht noch einmal passiert, denn bekanntlich erfolgt die Beschäftigung mit der Vergangenheit aus den Bedürfnissen der Gegenwart:

Count von Count, wann wird die "Wiedervereinigung" der 2 Staaten aufgelöst?!

Dazu berechne ich wie oben die Quersumme aus dem Jubiläumstag 03.10.1990 und multipliziere das Ergebnis mit der Anzahl der "vereinigten" Staaten: 

q(03101990) * 2 = (0+3+1+0+1+9+9+0) * 2 = 23 * 2 = 46

Als nächstes addiere ich die Jahreszahl 1990 mit der ermittelten Quersumme:

1990 + 46 = 2036

Nun gut, damit besteht für mich im Jahr 2036, wenn das Gebilde wieder auseinanderbricht, die Chance noch zu murmeln:

Hab'ich's doch gleich jesachd!

Hinweis:
(*) Zum Irrationalismus gehört auch:
  • Leugnung der Erkennbarkeit der Welt,
  • Leugnung der Existenz von Gesetzmäßigkeiten in der Welt,
  • "Glaube an dein Gefühl!",
  • Esoterik sowie
  • "Wahr ist, was alle glauben".
Zum Thema "der Irrationalismus als reaktionäre Antwort auf Probleme des Klassenkampfes" lies folgende Aussage: Deutsch­land "... bleibt das 'klassische' Land des Irrationalismus, der Boden, wo dieser sich am vielseitigsten und umfassendsten entfaltet hat und darum in der lehrreichsten Weise studiert werden kann, so wie Marx den Kapitalismus in England untersucht hat. Wir glauben: diese Tatsache gehört zu den schmachvollsten Seiten der deutschen Geschichte." Georg Lukács, 1952.

Sonntag, 8. Januar 2017

Nachkriegspläne der UdSSR in Bezug auf Deutschland II

Eine Fortsetzung des Post vom 17.01.2015 mit dem Titel "Nachkriegspläne der UdSSR in Bezug auf Deutschland":

Auf die Frage, ob es Pläne - analog des Morgenthau-Plan & Co. ("harten Frieden") - seitens der Sowjetunion gegeben habe,  hatte ich recht kurz und bündig mit "Nein" geantwortet und auf den BEFEHL DES VOLKSKOMMISSARS FÜR VERTEIDIGUNG Nr. 55 vom 23. Februar 1942 ("... die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt") verwiesen.

Das war natürlich "nur" die Kurzversion. Die Realität ist wie immer komplizierter:

Professor Rolf Badstübner (1928), hatte - wie ich erst unlängst hören durfte - bereits 1997 in UTOPIE kreativ, H. 83 (September) 1997, S. 69-76 diese Komplexität ausgeführt, wobei er wohl auch seinen Unmut darüber Ausdruck geben wollte, daß ihm als führender Forscher der DDR zu diesem Thema früher einzelne Dokumente vorenthalten wurden.

Als erstes führt er die "Zerstückelung" von Preußen als Beleg für eine geplante Aufteilungs- und Zerstückelungspolitik der Sowjetunion an.

Dann folgt in der Argumentation der Verlust unserer von GOTT gegebenen Ostgebiete an die UdSSR und Polen. So wurde bereits Ende 1941 die "Wiederherstellung der sowjetischen Westgrenze" mit als entscheidendes sowjetisches Kriegsziel von Stalin gegenüber den britischen Außenminister Eden benannt!

Schon am 21. November 1941 hatte Molotow dem sowjetischen Botschafter in London, Maiskij, als Grundsatzorientierung Stalins übermittelt, "daß Österreich als unabhängiger Staat aus Deutschland herausgelöst" wird.

Konkret wurden Aufteilungspläne im Herbst 1943, als eine vom stellvertretenden Außenminister Litwinow geleitete Kommission für Fragen der Friedensverträge und der Nachkriegsordnung ihre Arbeit aufnahm. Bekannt wurde genau ein Aufteilungsplan, der nur einmal Bedeutung erlangte:

Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945.

Diese Plan wurde den Aufteilungs- und Zerstückelungsplänen der Westalliierten entgegengesetzt und sah vor, die Aufteilung des verbliebenen Deutschlands in fünf unabhängige Staaten:

- Rest-Preußen;
- Sachsen und Thüringen;
- ein süddeutscher Staat (Bayern, Württemberg und Baden);
- Rheinland-Westfalen;
- Hannover, Oldenburg und Bremen.

Es gab von sowjetischer Seite keine Alternativplanung, d.h. nach meiner Auffassung handelte es sich nur um einen Bluff gegenüber der Westalliierten, mit dem Ziel deren Teilungspläne zu unterlaufen. Es wird im Artikel konstatiert, daß Wilhelm Pieck noch auf einer KPD-Rede in der Antifa-Schule 27 (Krasnogorsk) vom 25. Mai 1945 von noch heftigeren Zerstückelungen ausging:

"... und schließlich ein neues Ländersystem eine Föderation von 9-10 ungefähr gleich großen Staaten mit neu erstandenen Städten als Zentren – Hamburg, Bremen, Berlin Köln, Frankfurt, Weimar Dresden, Breslau ..."

Zwei Wochen später, im öffentlichen Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945, war davon nichts mehr zu spüren:

Der Aufruf war auf die Herstellung und Erhaltung der Einheit Deutschlands (ohne Österreich und Ostgebiete) und auf die Schaffung einer parlamentarisch-demokratischen Republik ("österreichische Lösung") ausgerichtet.

Nach meiner Auffassung, war die Auflösung des Staates Preußen, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von Österreich, sowie die von den Alliierten beschlossenen Gebietsabtrennungen als Ergebnis des (bereits) zweiten Weltkrieges gerechtfertigt.

Anerkennung des DDR-Abiturs

Da zum Thema "Anerkennung des DDR-Abiturs" die tollsten Geschichten kursieren, anbei mein Recherche-Ergebnis:

Nach 1990:

Nach der Wende war die bundesdeutsche Politik ausgehend von der 116. Amtschefkonferenz am 1./2. Februar 1990 am Thema „Anerkennung DDR-Abitur" dran. Hierzu hat die Kultusministerkonferenz  (KMK) im Laufe der Zeit folgende Beschlüsse gefaßt:

  • "Zulassung von Hochschulzugangsberechtigten aus der DDR an Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland" vom 10.05.1990,
  • Ergänzungsbeschluß dazu vom 31.01.1991,
  • "Subsidiäre Anerkennung von wissenschaftlichen Hochschulabschlüssen aus der ehemaligen DDR als Nachweis der allgemeinen Hochschulreife" vom ... (das Bundesland Bayern hat dieser Fassung nicht zugestimmt, daher fehlt das Datum).

Dabei wurden die DDR – Abschlüsse nach 1990 nicht "anerkannt", sondern sie "galten" lediglich ausdrücklich (für eine offen gebliebene Übergangszeit) als Zulassungsvoraussetzung an westdeutschen Hochschulen. Übrigens, in sog. NC-Fächern galt eine Ost/West-Quote von 1:10, d.h. es wurde nur 1 Ossi auf 10 Wessis zugelassen, um die besseren Noten der ostdeutschen Abiturienten auszugleichen. Sowas kann man sich gar nicht ausdenken 😃

Vor 1990:

  • Ein DDR-Abitur wurde anerkannt, wenn der Abiturient bereits mehr als 1,5 Jahre an einer anerkannten Hochschule studiert hatte. Ob und welche Hochschule anerkannt wurde, entschied die jeweilige Diplom-Prüfungskommission der BRD.
  • Ohne 1,5-jährigen Studium war das "Ablegen einer Ergänzungs- oder Sonderprüfung" notwendig oder
  • vor Beginn des Studiums die Teilnahme an einem 12-monatigen Vorstudienkurs für Abiturienten aus der "SBZ".

Diese Rechtslage basierte u.a. auf dem Beschluß der KMK vom 17./18. 5. 1956 Nr. 907 - aufgehoben und modifiziert durch Beschluß vom 15.1.1970 Nr. 907 (sic).

=> Eine ausführliche Darstellung findet sich hier: http://astarchiv.ulb.tu-darmstadt.de/61/1/61.pdf

Allerdings hieß es selbst 1981 im Bonner Parlament "etwas" verwirrend: »Das Abitur in der DDR, das nach Absolvierung der zweijährigen erweiterten Oberschule (EOS) oder der dreijährigen Berufsausbildung mit Abitur erreicht wird, wird in der Bundesrepublik Deutschland der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt." Nicht ohne Wörter wie "grundsätzlich", "Ländersache" und Einzelfälle zu verwenden und auf die KMK und das "Pädagogische Zentrum in Berlin" zu verweisen, "das für die Anerkennung der Abschlüsse in der DDR Empfehlungen ausspricht."
http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/09/09027.pdf

NVA auf der Seite der Bürgerbewegten

Die "Berliner Morgenpost" wiederholte am 16.07.2015 ein Zitat vom letzten  Minister für Nationale Verteidigung der DDR, Admiral Theodor Hoffmann. Die Worte wurden gegenüber dieser Zeitung bereits am 17.07.1990 gesprochen und sind u.a. wiedergegeben im Buch "Gegner wider Willen: Konfrontation von Volksmarine und Bundesmarine auf See" von Ingo Pfeiffer:

»Die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) wäre im Zusammenhang mit der Wende 1989 gegebenenfalls aktiv "auf der Seite des Volkes" gegen Kräfte vorgegangen, die die friedliche Revolution hätten stoppen wollen. Das sagte NVA-Chef Admiral Theodor Hoffmann. Für diesen Fall habe im Ministerium ein "Krisenplan" vorgelegen, so Hoffmann in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost weiter.

Auf die Nachfrage, ob die Armee auch eingegriffen hätte, wenn der Staatssicherheitsdienst versucht hätte, sich der Revolution in den Weg zu stellen, antwortete der Admiral: "So ist es."«

Vor kurzen hätte ich noch was von "jeder macht aus seiner Biographie das Beste" geschrieben, inzwischen bin ich geneigt Admiral Hoffmann zu glauben.

Sonntag, 14. Februar 2016

Jahresliteraturbericht 2016


Wie jedes Jahr veröffentlichte Walter Hundt seinen Jahresliteraturbericht über Militärisch-historische und militärtechnische Analysen im Rahmen der DDR-Luftwaffen-Geschichtsschreibung im Zeitraum 2015

Rezensierte Literatur:
  1. Löffler, Hans-Georg/Biedermann, Bernd/Kerner, Wolfgang, Paraden und Rituale der NVA 1956-1990. BEBUG mbH/edition berolina, Berlin 2014, 220 Seiten
  2. Autorenkollektiv, Der Fliegeringenieurdienst der DDR-Militärluftfahrt. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2015, 264 Seiten
  3. Stünkel, Rolf, Mach 2. Meine Jahre im Cockpit des Starfighters. GeraMond Verlag GmbH, München 2014, 208 Seiten
  4. Kalender 2016 – Flugplatz Museum Cottbus. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2015, 12 Seiten

Links:

Dienstag, 30. Juni 2015

Ukraine: Holocaust-Gedenkstätten

Wir werden alle älter und darum hören wir zum Abendbrot im Radio gern "endlich deutsche Hits", was auch Nachrichtensendungen mit einschließt. Nachrichten hört man in der BRD aber nicht mehr ungestraft. 

Eine Meldung lautete heute Abend sinngemäß, daß nun in der Ukraine erstmals Holocaust - Gedenkstätten errichtet würden, gleich fünf.

Nanu, Nazis die Holocaust-Gedenkstätten errichten, statt sie zu schänden? Und, ausgerechnet in einer ehemalige Sowjetrepublik, soll es keine Stätten des Gedenkens geben, nicht zuletzt weil dort die Bandera-Leute gegen ihre jüdischen Mitmenschen gewütet haben?!

Also, als erste Anlaufstelle ist Wikipedia immer gut. Siehe da: Für die Ukraine werden sogar 25 Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus, der hier natürlich "Nationalsozialismus" heißt, aufgelistet. So die Denkmale zur Erinnerung an die ermordeten Juden in KertschKamjanez-PodilskyjMohyliw-Podilskyj. Natürlich fehlt auch die Denkmalanlage Babyn Jar nicht in der Aufzählung.

Was soll die Meldung?

Das Geheimnis lüftet mir der Deutschlandfunk, wenn auch etwas verquast. So behauptet auch er fälschlicherweise: "Erst jetzt beginnt man in der Ukraine mit der Aufarbeitung des Holocaust." Immerhin erfahre ich, daß am 29.06.2015 tatsächlich "in der Nähe von Lemberg, genau in Rava Ruska und Kysylyn sowie morgen in Ostroschets, Bachiv und Prochid insgesamt fünf Gedenkstätten eröffnet" wurden. Offenbar fünf weitere.

Und wer bezahlte die Errichtung der Gedenkstätten? Die ukrainische Regierung?

Mitnichten: "Bislang erfolgt die Finanzierung durch die Bundesregierung: Sie gab 1,3 Millionen Euro". Aber, das stört Geoffrey Pyatt, den US-Botschafter in Kiew (quais der direkte Vorgesetzte der Putschisten-Regierung), nicht, wenn er meint: "Wenn die Ukraine jetzt beginnt, die Massengräber kenntlich macht, nimmt sie ihre historische Mitverantwortung wahr" ... ja, meine ich, wenn sie mal begönne.

Foto: Wikipedia

Samstag, 24. Januar 2015

Jahresliteraturbericht 2015 zur Luftwaffengeschichtsschreibung der DDR-LSK/LV

Der Jahresliteraturbericht Nr. 5 zur Luftwaffengeschichtsschreibung der DDR-LSK/LV von Prof. Dr. Walter Hundt wurde veröffentlicht:

http://www.walter-hundt.de/seite58.html bzw.
http://www.walter-hundt.de/Jahresliteraturbericht%202015.pdf (0,2 MB)

Rezensierte Literatur:
  1. Wenzke, Rüdiger, Nationale Volksarmee. Die Geschichte. GeraMond Verlag, München 2014,  220 S.
  2. Skeries, Manfred, MiG-29-Pilot in NVA und Bundeswehr. So war das eben“. Ein ehemaliger Jagdflieger berichtet. Verlag Dr. Köster, Berlin 2014, 304 S.
  3. Kanetzki, Manfred, MiGs über Peenemünde. Die Geschichte der  NVA-Fliegertruppenteile auf Usedom. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014, 212 S. (wesentlich überarbeitet Ausgabe der 1. Auflage von 2001)
  4. Biedermann, Bernd/Kerner, Wolfgang, Krieg am Himmel. Luftprovokationen, Spionageflüge, Flugzeugentführungen. Steffen Verlag, Berlin 2014, 176 S.
  5. Flugplatzmuseum Cottbus, Kalender 2015. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014
  6. Autorenkollektiv der GBSL (Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte), Historische Luftfahrtstätten in und um Berlin. Verlag MediaScript GbR, Berlin 2014, 204 S.  
Siehe dazu auch folgende Links:
http://home.snafu.de/veith/buecherR.htm
http://www.flugzeugforum.de/threads/79506-MiG-29-Pilot-in-NVA-und-Bundeswehr
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2014/04/kalender-des-flugplatzmuseums-cottbus.html

Samstag, 17. Januar 2015

Nachkriegspläne der UdSSR in Bezug auf Deutschland

Es wurde die Tage eine m.E. gute Frage gestellt, die etwa so lautete: "Gab es seitens der Sowjetunion Pläne dahingehend, die sowjetische Besatzungszone in die UdSSR einzugliedern oder alle Deutschen nach Sibirien umzusiedeln oder Deutschland - wie im Morgenthau-Plan der USA vorgeschlagen - zu deindustrialisieren?"

Ich mein(t)e dazu: Nein.

Solche Gedanken - soweit es sie bereits 1941 gegeben haben sollte - waren bereits mit dem BEFEHL DES VOLKSKOMMISSARS FÜR VERTEIDIGUNG Nr. 55 vom 23. Februar 1942 obsolet ("... die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt").
Damit war die "Marschrichtung" vorgegeben. Natürlich war dieser Befehl Ausfluß reiner Nützlichkeitsabwägungen, um ein breites Bündnis mit Deutschen zu ermöglichen. So spielte das anschließend ab 3. April 1942 in Gründung befindliche Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) eine wichtige - leider aber keine entscheidende - Rolle.

Gegenläufig war das auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 durch die USA und GB (ohne UdSSR) formulierte Kriegsziel der "bedingungslosen Kapitulation". In diesem kumulierten deren Interessen mit dem Begehr der UdSSR, einen jeweiligen Separatfrieden mit Deutschland zu verhindern. Diese Entscheidung förderte allerdings den deutschen "Wehrwillen".

Übrigens, ernsthafte französische Pläne nicht nur das Saargebiet sondern auch das Rheinland Frankreich einzugliedern, gab es sehr wohl.
Büchertipp: Volker Koop mit
Vorsorglich: Herr Koop schrieb zwar über jede Besatzungszone ein Buch, wobei jedoch - naheliegend - nur das der sowjetische Besatzungszone bei der "Bundeszentrale für politische Bildung" schon mal kostenlos verteilt wurde. Bei den Briten und US-Amerikanern ist Koop auffallend zurückhaltend, da schreibt er regelmäßig "drumherum", aber bei Franzosen und Russen "haut er richtig drauf" ...

... "zu dieser Bilanz [gehört] auch die Einschätzung, dass die meisten Bücher wichtige Themen behandeln, aber leider oftmals mit schneller Hand geschrieben und methodisch unbedarft ausfallen. Eine fehlende Berücksichtigung der wichtigsten Forschungsliteratur gehört dazu ebenso wie ein selektiver und nicht vorurteilsfreier Zugriff auf Archivalien. Zudem fehlen leitende Fragen, die den Darstellungen als roter Faden dienen würden. Fehler, Ungenauigkeiten und verkürzte Zusammenhänge sorgen dafür, dass diesen Sachbüchern zuweilen ihre Sachlichkeit abhanden kommt" (Ilko-Sascha Kowalczuk, BStU, auf hsozkult.de über den Autor).

Dennoch: Empfehlung!

update (08.01.2017) / detaillierte Fortsetzung:
https://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2017/01/nachkriegsplane-der-udssr-in-bezug-auf.html

So schmeckte es den Genossen in der NVA

So schmeckte es den Genossen in der NVA. Ich hatte mich über das Essen bereits in diesem Beitrag Gedanken gemacht:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/08/essen-in-der-nva.html

Nunmehr konnte ich lesen, daß ich offensichtlich in der "falschen" Teilstreitkraft war. Es gab tatsächlich 1981 in der NVA unter Grundwehrdienstleistenden (GWDler) und Unteroffiziere auf Zeit (UaZ) eine Befragung[*] zur Qualität der Verpflegung.

Danach meinten in der gesamten NVA (einschließlich der Grenztruppen) die Verpflegungsqualität sei "sehr hoch" oder "hoch":
18,3% der GWDler und
18,6% der UaZ

Wobei die "Mucker" (LaSK) das Gesamtergebnis herunterzogen, lediglich:
8,7% der wehrpflichtigen "Sandlandscher" und
11,4% deren UaZ
hielten die Verpflegungsqualität "sehr hoch" oder wenigstens "hoch".

In den Grenztruppen jedoch, mit der etwas höheren "Grundnorm 130", meinten die Verpflegungsqualität sei "sehr hoch" oder "hoch" erstaunliche:
31,9% der GWDler und
39,7% der UaZ

Bei den LSK/LV meinten dies immerhin:
21,0 der GWDler und
19,3% der UaZ

Bei den LSK/LV ist spannend, daß die UaZ schlechteres Essen als die Soldaten zu haben meinten ... was nicht verwundert, da die UaZ mit an den "MiGs schraubten", während die Soldaten "sicherstellten" und die aus der Küche zumindest gut kannten.

Quelle:
[*] "Armee des Volkes?", Tabelle auf S. 300; eig. Berechnungen
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2010/01/armee-des-volkes.html

Link:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/08/essen-in-der-nva.html

Montag, 30. Juni 2014

Wir sind ein Volk

Mich hat schon immer interessiert, wann und wie die Losung von "Wir sind das Volk" zu "Wir sind ein Volk" kippte.

Bei der Beantwortung half mir meine Lieblingszeitung "Das Parlament" mit seiner Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" über das Thema "Aufbruch'89". Im darin enthaltenen Artikel von Bernd Lindner "Begriffsgeschichte der Friedlichen Revolution. Eine Spurensuche" erfahren wir dazu, die Losung "Wir sind das Volk" sei »zuerst am 2. Oktober 1989 in Leipzig und nicht am 8. Oktober in Dresden gerufen« worden. Aber er klärt dankenswerterweise auf, wer und wann den Begriffswandel visionär einleitete. Jeder hätte es sich denken können:

»Als die Losung am 11. November 1989 das nächste Mal in der Öffentlichkeit erschien, hatte sie eine gänzlich andere Konnotation: An diesem Tag titelte die "Bild" in unübersehbar großen Lettern: "'Wir sind das Volk' rufen sie heute - 'Wir sind ein Volk' rufen sie morgen!"«.

Wie es weiter ging, erfuhr ich über "Schattenblick.de" von Peter Radunski, damals Chef der Öffentlichkeitsarbeit für die West-CDU, via Deutschlandradio: »"Wir haben festgestellt, das war auch stark diskutiert worden im Bundesvorstand und Präsidium, dass eigentlich die Selbstbestimmung nicht das sein kann, womit das Volk zufrieden gestellt werden kann. (...) Hinter den Kulissen stemmt die Bundes-CDU in der Woche vom 11. bis 17. November einen Aktionsplan. Es gilt, die Meinungsführerschaft zu übernehmen: Radunski: Eine Sitzung war am 16. abends im Adenauerhaus, eine so genannte Kommunikationsrunde. Und bei dieser Kommunikationsrunde, das kann ich aus meinen Notizen deutlich sehen, ist gesagt worden: Kinder wir machen ein Plakat "Wir sind ein Volk". Das heißt, in Weiterentwicklung des Slogans, der in der damaligen DDR skandiert wurde: "Wir sind das Volk". (...) Und dabei sind sicher auch Junge-Unions-Leute nach den einzelnen Teilen der DDR gekommen und haben sicher da auch die Wandzeitung oder das Plakat "Wir sind ein Volk" hochgehalten. Aus einem schriftlichen Vermerk der CDU-Bundesgeschäftsstelle geht hervor: Versand an die Kreisverbünde/Plakate "Wir sind ein Volk" - Erste Auflage 12.800 Stück. Aufkleber "Wir sind ein Volk" - Erste Auflage: 100.000 Exemplare. Zweite Auflage: 300.000 Exemplare.«

Also wurde demnach der Slogan "Wir sind ein Volk" am 11. November 1989 von BILD vorgedacht und ab 17. November 1989 durch die West-CDU popularisiert ... der 10-Punkte-Plan von Kohl wurde am 28. November 1989 veröffentlicht. Öffentlich wahrgenommen wurde die Lösung von mir erst zum Kohl-Auftritt am 19. Dezember 1989 in Dresden. Hier könnte die etwa ein Monat lang vorbereitete Losung "Wir sind ein Volk" endgültig die Massen ergriffen haben und wurde somit zur materiellen Gewalt.

Folge:
»Ende September ging im Leipziger Herbst ein angestimmtes Deutschlandlied noch in Pfiffen unter, wenige Wochen später war es aber zum allgemeinen Kanon geworden« Marcus Hawel auf sopos, Hervorhebung von mir.

Samstag, 3. Mai 2014

NVA - Effekten zur Erbauung

Ein Grundwehrdienstleistender, der im Sommer 1988 in der 1. MSD gedient hat, hat mir folgende Fotos und Kommentare übersandt:

Schulterstücke von links nach rechts:
- zwei frische
- zwei gediente (mein letztes Paar)
- zwei getarnte von der FDU

Das mittlere Paar wie an den silbernen Knöpfen leicht zu erkennen für die normale steingraue Dienstuniform K2, aber die war ja jeden Tag mit draußen im Felde, unter der FDU, und darüber nicht selten noch Vollschutz ... Die beiden sind wahrscheinlich gar nicht lange im Einsatz gewesen, denn sie sehen von der Gestalt her noch völlig intakt aus.

Historisch interessant ist übrigens noch das rechte Paar Schulterstücke. Wenn man genau hinsieht, erkennt man abgetrennte Aufnäher eines Stabsgefreiten. Ich erinnere mich noch genau daran. Es gab bei uns nicht genügend Soldaten-Schulterstücke, wir mußten sie uns selber herstellen, aus Lagerbeständen, die irgendwo auf Dachböden herumlagen. Ich hab das mit einer Rasierklinge fein säuberlich abgetrennt.

Dieses Bild zeigt übrigens die letzte, benutze, Kragenbinde des Soldaten ... was manche so aufheben.

Hinweis: Beide Bilder ohne Blitz, in relativ natürlichen Farben.

Freitag, 18. April 2014

Geschichte & Geschichten im NDR, RBB, MDR… Teil I


 


Vorbemerkung:
Mediengesellschaft, Quotenjagd, Schlagzeilen-Journalismus, Beeinflussungen & Manipulationen von Meinungen, Verdummung, Gefahren & Chancen durch Medien … Wer hat nicht schon mal selbst bei manchen Überschriften, Artikeln, Berichterstattungen, Kommentaren usw. den Kopf geschüttelt ob soviel Ungereimtheiten, Unwissen, Halbwahrheiten oder der Art & Weise der Darstellungen. Den gesunden Menschenverstand zu behalten und zu nutzen, kritisch zu hinterfragen, sich einzumischen mit Leser-und Zuschauermeinungen, die Fernbedienung zu nutzen, andere Zeitungen zu bestellen-Möglichkeiten gibt es mehrere… 

Es sei gestattet, in diesem Zusammenhang auf die aktuelle Berichterstattung zur Situation in der Ukraine hinzuweisen, hier insbesondere auf die Verantwortung und Mitschuld des Westens an der Krim-Krise und der katastrophalen Lage in der Ukraine. Vieles wird in den Medien von vornherein ausgeblendet bzw. nur punktuell angeschnitten, wie z.B. die massive Einflussnahme auf die Entwicklung in den ehemaligen Sowjetrepubliken und jetzt eigenständigen Staaten, die NATO-Erweiterung trotz einer mündlichen Zusage eines US-Präsidenten zu einer Nichtausdehnung des NATO-Bereiches gegenüber der Noch-Sowjetunion/Russland,die entweder/oder-Politik usw. Warum hat die BRD der NATO-Erweiterung zugestimmt, was ist mit der Verletzung von Völkerrecht bei der Abtrennung des Kosovo von Serbien und bei der militärischen Besetzung Nordzyperns durch die Türkei im Jahre 1974? Die BRD hatte drei Tage nach Abspaltung Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt. Der Westen und die NATO haben das NATO-Mitglied Türkei weder mit Sanktionen belegt, noch bedroht oder gar aus dem Bündnis ausgeschlossen. Die militärischen Aktionen/Kriege allein der USA in den letzten 50 Jahren-hier nur genannt Kuba-Krise mit Sperrung/Blockade der internationalen Gewässer vor Kuba, Einmarsch im Irak mit einer Lüge, Eingreifen in Afghanistan, Libyen, Syrien usw. Was war da mit den Bestimmungen des Völkerrechts? Standen die USA wegen des Irak-Krieges vor dem Internationalen Gerichtshof?

Die Darstellung von Geschichte in den Medien ist ein „Eigending“. Von DDR-Geschichte insbesondere. Wie mit Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges und mit Reflexionen auf DDR-Geschichte umgegangen wird, dazu anbei. Aufhänger hier ist insbesondere ein Beitrag im NDR… 

NDR-Nordmagazin - 09.02.2014 19:30 Uhr
Zeitreise: „Kalter Krieg in der Ostsee“

Gezeigt wurde der ehemalige NVA-Troposphären-Bunker in Eichenthal, dazu als Personen u.a. Fregattenkapitän a. D. Gerd Simonn und der dänische Historiker Thomas Wegener-Friis.

Als Autor des Beitrages zeichnete verantwortlich Herr Martin Möller. Im Mittelpunkt des Beitrages standen Darstellungen/Kommentare wie diese: geheime Aufmarschpläne der DDR und Überfall NVA auf Dänemark, Führung der Flotte vom Bunker der Volksmarine in Eichenthal aus, atomarer Gegenschlag, Vernichtung des Gegners auf dessen Territoriums usw. Dazu auch eine Karte FEK (Funkelektronischer Kampf) und Ausführungen des Herrn G. Simonn, der als Angehöriger der Volksmarine in dem Bunker vorgestellt wurde. Ganz nebenbei dazu: diese Karte FEK gab es nicht im Bunker und Herr G. Simonn hatte bei der Grenzbrigade Küste gedient. So viel Ungereimtheiten, Unwahrheiten, absichtliches Weglassen historischer Zusammenhänge usw. auf einem “Haufen“ ist nicht nur symptomatisch für diesen konkreten Beitrag. 

Hier aus einem Schreiben von J. Kampe an die Redaktion NORDMAGAZIN des NDR:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
was in bezeichneter Ausgabe an Teilkommentaren wieder gegeben wird, spottet jeder Beschreibung…   

Gleich am Anfang bei 00:20 sec., Zitat "...von hier aus wäre die Flotte geführt worden, der Bunker 302 der Volksmarine in Eichenthal" Zitat Ende.

1. Der Bunker gehörte nicht zur Volksmarine, er gehörte zu den zentralen Einrichtungen des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR. Führungsmäßig  unterstand er der 2.Nachrichtenbrigade in Niederlehme, südlich von Berlin. Er hatte weder etwas mit der Volksmarine noch mit Führungsaufgaben der Flotte zu tun.
 
2. Der Bunker war keine Führungsstelle, er stellte ein reines Nachrichtenobjekt dar. Zur Besatzung gehörte nur technisches Personal. Im Bestand nur drei Offiziere, alles andere Mannschaftsdienstgrade. Von der bei 06:06 sec. gezeigter namentlichen Übersicht hat kein einziger im Bunker gedient, geschweige diesen jemals zu Zeiten der DDR gesehen.

3. Sie sollten wissen, die Aufgabe der Besatzung bestand im Herstellen, Halten und Betreiben einer Troposphären - Funkverbindung und in der Weiterschaltung der gebildeten Nachrichtenkanäle zu den weit entfernten operativen Führungsstellen über herkömmliche Nachrichtenmittel. Mit der Übermittlung von Informationen, weder in mündlicher noch schriftlicher Form, hatte die Besatzung absolut nichts zu tun.

Zu hören bei 06:00 sec., Zitat: „Der Bunker Eichenthal wurde von 1983-1986 genau dafür gebaut (für den atom. Gegenschlag). Von hier aus sollten die Truppen während eines Atomkrieges geführt werden“, Zitat Ende.

1. Der Bunker wurde bis 1988 gebaut und ging als letzter Bunker der DDR für das Troposphären- Nachrichtensystem auch erst 1988 in Betrieb, ein Jahr später als die anderen beiden auf dem Territorium der DDR. Gern gebe ich Ihnen zur Kenntnis, dass dieser Bunker die niedrigste Bedeutung im Troposphären- Nachrichtensystem hatte. Von vier möglichen, war nur ein Troposphären- Funkgerätesatz  installiert.

2. Von Eichenthal wurden weder die Flotte noch irgendwelche anderen Truppen geführt. 

3. Das System in seiner Gesamtheit bot die Möglichkeit im Falle von Atomschlägen Nachrichtenverbindungen aufrecht erhalten zu können. Als Voraussetzung müssen Antennensysteme  intakt und der Bunker kein Volltreffer erhalten haben. Wie bereits erwähnt, alle Nachrichtenkanäle wurden über herkömmliche Nachrichtenmittel zu den weit entfernt liegenden Führungsstellen weiter geschaltet, was deren Ausfall bei Kernschlägen bedeutete. In einem solchen Fall von einer Aufrechterhaltung der Führung zu sprechen verbietet sich. Eine maßlose Überschätzung…“

Einseitige Darstellungen und aus den geschichtlichen Zusammenhängen herausgerissen findet man auch in den Kommentaren im Beitrag, die den Kalten Krieg selbst betreffen. Einige Überlegungen vorweg zu diesem Teil des Beitrages im NORDMAGAZIN, die dem Autor eigentlich bekannt sein dürften:  
Militärische Planspiele mit unterschiedlichen Szenarien, u.a. auch mit Einsatz von KW, Manöver, Aufklärung/Spionage-das alles gab es während des sogenannten Kalten Krieges, auf beiden und durch beide Seiten. So standen Städte und Industrieanlagen östlich der Elbe als Ziele für Atombombenabwürfe schon in den 60er Jahren in den geheimen Einsatzplänen der NATO festgeschrieben, NATO-Manöver unmittelbar an der Staatsgrenze der DDR und damit an einer möglichen Konfrontationslinie von NATO und Warschauer Vertrag waren gewollte
Provokationen bzw. Abschreckungen, je nach Sichtweise. Beide Lager standen sich misstrauisch gegenüber. Tägliche Flüge entlang den Grenzen, so auch über der Ostsee. Auf westlicher Seite der Vorteil einer gefahrlosen, ständigen und kontinuierlichen Luft-und andere Aufklärung durch die Nutzung der drei alliierten Luftkorridore, dazu Provokationen durch gewollte Luftraumverletzungen, um die Luftverteidigung der NVA & der GSSD zu „testen“ und vieles mehr … 

Für den Luftraum der DDR entlang der Ostseeküste, mitverantwortlich für deren Schutz war die 43.Fla-Raketenbrigade „Erich Weinert“ Sanitz: Ende 1979-Herbst 1980 wurde 47 mal das Diensthabende System alarmiert, es gab 200 Flüge der NATO-Aufklärungsflugzeuge „Atlantik“, RC-135, SR-71 und U-2, weiterhin 350 Einzel und Gruppenflüge von F-4, F-104 sowie F-35.

Das militärstrategische Gleichgewicht der beiden Militärbündnisse verhinderte zum Glück Schlimmeres. Das hätte zumindest als „Einleitung“ des Beitrages dazugehört. Da hat Herr Thomas Wegener-Friis in den kurzen Gesprächen mit Gerd Simonn manches korrekter und sachlicher dargestellt als der Autor selbst in den Kommentaren. 

Zur sinngemäßen Feststellung von Herrn Martin Möller, der Gegner soll auf seinem eigenen Territorium vernichtet werden: das ist soweit richtig, da die sowjetische Militärdoktrin und damit die des Warschauer Vertrages u.a. zum Inhalt und als Ziel hatte, einen möglichen Angreifer/Aggressor letztlich auf dessen eigenen Territorium zu schlagen. Als eine Schlussfolgerung aus dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion im II. Weltkrieg, als eine Schlussfolgerung aus dessen Verlauf und den Auswirkungen auf das Land. Auch eingedenk der eigenen über 25 Millionen Toten. Herr Martin Möller hat den Teil mit dem eigenen Territorium zwar formuliert, es aber versäumt darzustellen, dass dazu auch ein vorheriger/vorhergehender Überfall bzw. Angriff seitens des Gegners gehört. Warum wurde dieser Teil der Doktrin weggelassen? 

Allerdings, diese Art der Darstellung ist nicht neu, auch schon ein General Schönbohm hatte seinerzeit die sowjetische Militärdoktrin als Angriffsdoktrin verfälscht. Manch ein Gefreiter der NVA hätte ihn in der Wendezeit aufklären können, als er mit der Abwicklung der NVA begann.

Was auch schockierte, war im Zusammenhang mit Planspielen/Szenarien der NVA/des WV bezüglich Ostsee-Ausgänge und das Land Dänemark die sinngemäße Feststellung von Herrn Martin Möller, dass nach zwei verlorenen Weltkriegen erneut ein dritter durch eine deutsche Armee geplant gewesen sei. Die geheimen Pläne der DDR für einen Überfall auf Dänemark! Herrn Martin Möller sei gesagt: das waren Szenarien für den Fall einer Aggression der NATO. Nicht mehr und auch nicht weniger. Schlimm genug, aber über die Ursachen des Kalten Krieges zu schreiben, wäre an der Stelle ausufernd. Und-wichtig für einen Kommentar in so einem Beitrag ist auch, solche Szenarien/Planspiele gab es auf jeder Seite der beiden Lager. Das gehört mit zu einer objektiven Berichterstattung und das wird sicherlich Herr Martin Möller auch wissen. Warum hat er es nicht getan?

Wenn Kenner der Materie von der damaligen „anderen Seite“, die diesen Beitrag im NODMAGAZIN gesehen haben, sinngemäß u.a. so formulieren, dass es schade sei, dass solche Sendungen immer ein Element der Sensationsmache enthalten müssen und sie anders getextet hätten. Oder, dass man an solchen Sendungen feststellen kann, dass der “Kalte Krieg” historisch nicht richtig verstanden wird, Oder, unklar sei auch, von welcher Phase des jahrzehntelangen Kalten Kriegs von Herr Wegener-Friis gesprochen wurde. Und-dass in der NDR-Sendung die politische Einordnung völlig fehlen würde, denn die DDR wäre ja nicht “souverän” gewesen, sondern hätte nur auf Anweisung des großen Bruders politisch und militärisch gehandelt, ebenso wie beispielweise die Polen-dann unterstreicht dies die kritische Einschätzung der Darstellung von Geschichte in dieser Sendung des NDR.


Wir hatten bereits einen Tag nach der Sendung, am 10.02.2014, eine Anfragen zu dieser Sendung an den NDR geschickt, J. Kampe dann Anfang März, auf beide bisher ohne jede Reaktion und Antwort. Warum keine Antwort? 

Zu dem Thema noch folgender Hinweis für Interessenten:


Broschüre „Das Troposphären- Nachrichtensystem BARS und die Bunkeranlage Wollenberg“, J. Kampe, Projekt+Verlag Dr. Erwin Meißler 2013, ISBN 978-3-932566-90-5 

Fortsetzung folgt!