Sonntag, 19. April 2026

Abschuss RB-66, eine Aktualisierung

Ich habe von Uwe Behrndt einen Hinweis zum Abschuss einer RB-66 der USAF über den Territorium der DDR, nördlich von Gardelegen, erhalten. Ich möchte die Zuschrift hier vorab veröffentlichen:

Zur Vorgeschichte: 

Bei Gesprächen mit Oberst a.D. Oleksandr Pawlowitsch Protopopov kam das Thema Abschuss RB-66 auf. Er war damals als Offizier der sowjetischen Streitkräfte in Zerbst stationiert und hatte während des Abschusses Dienst im Gefechtsstand. Er dachte damals nur „hoffentlich fällt die Funkverbindung nicht aus“, für die er als junger Offizier in diesem Moment verantwortlich war. Im Gespräch konnte er sich präzise an die damaligen Vorgänge erinnern und vor allem auch an die Namen, Respekt! Das Gespräch wurde von Uwe Behrndt im Januar 2018 in Kiyw geführt.

Ein wichtiges  Detail ist immer noch nicht öffentlich bekannt.

Zum Text:

"Mein Schwiegervater Oлександер Павлович Протопопов, heute wohnhaft in Kyjiw (Ukraine), war im März 1964 Leutnant der Sowjetarmee und beim 35. Jagdfliegerregiment in Zerbst (DDR) stationiert. Am Tag des Abschusses hatte er Dienst im Gefechtsstand und war verantwortlich für „Cwjas i Radiolokazij“, also für die funktechnische Sicherstellung des Flugbetriebes.

Der Einsatzbefehl kam an jenem 10. März 1964 von der vorgesetzten Stelle aus Werneuchen. Er wurde umgehend umgesetzt. Der, wegen des laufenden Manövers, zufällig anwesende Divisionskommandeur der 126. Jagdfliegerdivision, Generalmajor Alexej Anastasowitsch Mikojan (sein Vater war zu der Zeit übrigens Vorsitzender des obersten Sowjets), griff im Zuge des Abfangmanövers selbst zum Mikrofon und gab den entscheidenden Befehl zum Abschuss: „Ogon na poroschenja“, was sinngemäß mit „Feuer frei, Abschießen!“ übersetzt werden kann. Mikojan fragte zuvor noch nach den Sichtbedingungen und die Identifizierung des fremden Flugzeuges ab. Antwort war „choroschaja Widimost, Zel maloi skorosti, 2 Dwigatelja“ (gute Sicht, langsames Ziel, 2 Triebwerke).

Aufgestiegen war ein Paar des 35. Jagdfliegerregimentes unter Führung des erfahrenen Staffelkommandeurs Hauptmann Sesow (Ergänzung: Der Start des Paares erfolgte zusätzlich zu der bereits laufenden Abfangaktion mit Hauptmann Sinowjew von einem anderen Flugplatz). Sesow machte als erster seine Waffen scharf und meldete dann aber nach kurzer Zeit „Priwet Oruschnikow: ne streljaet!“, also „Gruß an die Waffenleute, sie schießt nicht!“. Daraufhin musste der Geführte Hauptmann Iwannikov übernehmen, der letztendlich aus kurzer Distanz den Auftrag erfüllte und das Ziel mittig traf. 

Nach der Landung wurde die Mig-19 von Sesow sofort sichergestellt und einer eingehenden Überprüfung unterzogen. Man fand aber keinen technischen Defekt und ging deshalb von einem Bedienfehler aus, auch weil der Waffenhauptschalter nach der Sicherstellung nicht auf der erwarteten Position stand. Hauptmann Sesow, der damals rund 4.000 Flugstunden hatte, wurde Flugverbot erteilt und wenig später aus der Armee entlassen. Das der erfolglose Sesow später nirgends erwähnt wird, entsprach durchaus der sowjetischen „Öffentlichkeitsarbeit“. Auch kann er sich nicht erinnern, dass bei derartigen Aktionen nur ein einzelner Abfangjäger Startbefehl erhielt, zumal immer ein Paar in Bereitschaft war. Mit Sesow gab es eine Woche nach dem Zwischenfall ein Parteiverfahren, und Wochn später mit den zusammengerufenen Piloten eine "Riesen Standpauke" - mit dem bekannten Ergebnis, dass nicht Iwannikow (und somit das 35. JFR) den feindlichen Aufklärer abgeschossen hat, sondern Sinowjew.  Mikojan hatte bei dieser Aktion im Gefechtsstand so kräftig mit der Faust auf den Tisch gehauen, dass mein Schwiegervater Angst hatte, dass das Mikro und die Funkanlage ihren Geist aufgeben würden. 

Der erfolgreiche Schütze Vitalij Grigorjewitsch Iwannikov wurde in der gleichen Woche zum neuen Staffelkommandeur ernannt und der Rotbannerorden verliehen. Er soll es nach Erzählungen bis zum General gebracht haben.

Es erklärt auch die Darstellung des letztlich erfolgreichen Fliegers Iwannikov, der nach eigenen Angaben erst sehr spät aus 0/4 und aus kurzer Distanz, also nicht ideal und unmittelbar hinter der RB-66, das Feuer eröffnen konnte. Das wirft dann natürlich auch ein neues Licht auf das unerwartete Treffen im 35. JFR mit dem legendären Oberkommandierenden K. A. Werschinin, als Chef der Flieger, das I. Pstygo in seinem Buch „Arbeiter am Himmel“ beschreibt. Denn irgendjemand muss nach der vorübergehenden Suspendierung die Entlassung eines verdienten Staffelkommandeurs aus der Armee angeordnet haben."


Leutnant Protopopov, 1964

Uwe Behrndt, 2020 mit Ergänzung 2026

Dienstag, 27. Mai 2025

Tag der offenen Tür TRADI SANITZ am 10.05.2025

                 

 

                                                                   

           

 Hallo in die Runde!

Allen Besuchern unseres Treffens Tag der offenen Tür TRADI SANITZ am 10.05.2025 und denen, die leider nicht kommen konnten, einen Gruß aus dem schönen Hasen-Ort Sanitz. Wir sind wieder zu Hause und nun der versprochene Brief, den ich ja aus Zeitgründen nicht mehr geschafft hatte.

Trockenheit seit Februar und Sanitz bekam bis Mai nur zwei Regentage. Staub an allen Ecken und am Vorabend des 10. Mai dann die Wetterprognose, es könnte vereinzelt auch zu kurzen Schauern kommen. Das hätte uns noch gefehlt. Ich nutzte meine guten Verbindungen und telefonierte mit den Wolken da oben und telefonierte auch mit denen, die schon am Vortag in den Pensionen des Ortes eingetroffen waren. Optimistisch, sonnig und gut gelaunt trafen dann ab 10.00 Uhr unsere Freunde auf dem Hof ein - das 15. Klassentreffen der besonderen Art begann. Wiedersehensfreude! Auch Bartträger mit etwas längerer „Gesichtsmähne“, beginnende Träger vom Bäuchlein, und die strahlenden Augen, sprachen Geschichten aus vergangenen Zeiten. Da ist Wilfried, der viele Jahre in den Abteilungen der 43. Fla-Raketenbrigade gedient hat, dann an die Militärakademie nach Dresden als Lektor delegiert wurde und nun mit seiner nicht mehr sehr gesunden Verena die jährliche Reise unternimmt. Als ob der Zufall es wollte, habt ihr vor dem Wahlplakat der Partei DIE LINKE gesessen, das zum Ausdruck bringt, was viele, die die Raketen des Warschauer Vertrages kennen, befürchten.

Frieden kostet Mut! Krieg kostet Leben!

Da kommt zu jedem Treffen der Thomas aus Straubingen. Ihm, dem ehemaligen Gefreiten, sind diese Gespräche eine Herzenssache und die Freude ist groß, wenn Ossi aus Berlin dann mit ihm fachsimpelt. Die originellste Anmeldung zum Treffen erreichte uns von Hans (Hansi) aus Sanitz, der eine selbstgestaltete Karte mit Friedenstaube und unserem Logo schickte. Im vergangenen Jahr hatten wir auch Besucher von der Bundeswehr im TRADI. Einer kam wieder und meldete sich gleich für das kommende Jahr an. Angelika, die uns Wochen vorher die Uniform ihres verstorbenen Lutz gebracht hatte, kam mit der ganzen Familie. Tochter Anita, Schwiegersohn und Enkel hörten aufmerksam den Geschichten im TRADI zu und waren dem Vater und Opa wieder nah. Eine große Hortensie brachten unsere Freunde aus Demen für die Büste von Erich Weinert mit, die jetzt voll erblüht ist.  Die Gespräche verstummten auch nicht bei der obligatorischen Erbsensuppe.

Danke an Fietsche und Rainer für die Essenausgabe! Bedanken möchten wir uns auch über Eure Spenden und für den Rundgang von Klaus mit der Mütze, sodass wir neue Projekte planen können. Zu all den bekannten und wieder zu erkennenden Gesichtern gesellten sich auch diesmal neue - wie u.a. Frank aus Blankenburg/Harz und Manfred aus der Nähe von Barth. Manfred hatte im ZGS-14 Fürstenwalde gedient und hatte dort auch Kontakt zu Rudi Kipker, der inzwischen leider verstorben ist. Ebenfalls neu ein Lehrer im Ruhestand aus Lieblingshof, der 1961 beim Bau des Kasernenobjektes als Offz.- Schüler im Wald die Bäume rodete und damit den Grundstein für die Stationierung in Sanitz legte.

Rainer Polzer war diesmal der Referent für den Vortrag und er berichtete bei der Kaffeetafel, die in gewohnter guter Tradition in der Pension Wendfeld stattfand, aus seinem Buch über sein Leben in der DDR.  Vom Pionier, über Singegruppe der FDJ, vom Dienst an der Grenze, seinem Studium in Leipzig an der Karl-Marx- Universität bis zur Arbeit als Journalist beim Rundfunk in Schwerin. Lobende Worte trafen von den Teilnehmern bei uns für seinen Vortrag ein.

Vielen Dank für Euren Besuch! Prima, dass auch Dieter und Rudi, unsere „Altgedienten“ aus Sanitz, wieder dabei waren! Bis zum nächsten Treffen 2026 - bleibt gesund und munter!

Viele Grüße aus Sanitz, das in diesem Jahr ein Jubiläum feiert - 777 Jahre!

Barbara und Bernd