Freitag, 24. April 2009

Eine Zensur findet statt: Rottenknechte

Der Zensur ist es wesenseigen, daß dem Opfer der Zensur nicht mitgeteilt wird, was und inwieweit zensiert wird. Aus diesem Grund fiel es mir erst vor rd. 3 Jahren auf, daß der Fernsehfilm "Rottenknechte" von Frank Beyer bei seiner Ausstrahlung in der BRD von 5 auf 3 Folgen "eingedampft" wurde. Ich schrieb damals u.a.:

»Die letzten zwei Teile von "Rottenknechte" thematisierten die Einsätze der sog. "Schnellbootgruppe Klose" ... Unter Leitung des Kriegsmarine-Kapitänleutnants Klose wurden durch deutsche Besatzungen auf drei Schnellbooten von 1949 - 1955 auf insgesamt 15 Einsätzen Agenten in den baltischen Sowjetrepubliken und Polen angelandet, sowie Personen aufgenommen. Die ganze Sache stand unter Leitung des britischen Geheimdienstes. Wegen zu großer Gefährdung wurde diese Unternehmen 1955 beendet.

Bemerkenswerterweise schrieb die "Junge Welt" dazu schon über 5 Jahre vor der Erstausstrahlung im DFF am 29.10.1966: "In den letzten Monaten des Krieges wurde ein Schnellbootflottillenchef und Kapitänleutnant zum getreuen Abbild seines Kommodores, dessen "Rottenknecht" er vorher war. Wie (Kommodore) Petersen war er gerissen und hinterhältig, rücksichtslos und besessen. Für ihn und seine Rottenknechte war nach 1945 der Krieg gegen die Sowjetunion nicht zu Ende. Im Auftrage von Geheimdiensten führten sie in der Ostsee mit Schnellbooten die verschiedensten friedensgefährdenden Unternehmen durch." und dieselbe Zeitung am 19.11.1966 : "Nach Kriegsende blieb dieser Hans-Helmut Klose Kapitänleutnant. Er wechselte nur die Flagge und fuhr als Pirat, startete auf hoher See Provokationen, schlich sich heimtückisch von See her an die Küsten anderer Länder, setzte Agenten ab, nahm Banditen auf und testete im Auftrag seiner imperialistischen Auftraggeber, ob und wo im Küstenschutz der sozialistischen Länder schwache Stellen waren."

Klose nahm zu dieser Zeit bereits hohe Positionen in der Bundesmarine ein, ab 1968 war er Kommandeur der Schnellbootflottille, und in den siebziger Jahren bis 1978 dann sogar Befehlshaber der Flotte.«

Wie "teuflisch" der Fersehfilm wiederum war, erfahren wir im Artikel: "Der DEFA-Fernsehfilm »Die Rottenknechte«" (pdf) von Dr. Konteradmiral a.D. der Bundeswehr, Sigurd Hess, im "MARINEFORUM 3-2008". Dem Autor genügt die Reduktion von ca. 354 auf 191 Minuten nicht, er schreibt dazu: "Der Film wurde nach der Wende von den Fernsehredaktionen als so erfolgreich und gut bewertet, dass die Teile 1 bis 3 vom ORB und MDR 1992, 1999 und zuletzt am 05. Juni 2006 ohne jeden erläuternden Kommentar über den Propagandahintergrund und die massiven Tatsachenverfälschungen und ehrabschneidenden Lügen erneut gesendet wurden."

Aus Zensur spricht der Zensur gewöhnlich aus guten Grund nicht, Wissen kann Interesse wecken. Gute Anlaufpunkte, um zu erfahren, ob und ggf. inwieweit ein Film der Schere zum Ofer gefallen ist:
OFDB.de
Schnittberichte.de (selbst Opfer der Zensur, Ausweichlink setzte ich aus juristischen Gründen nicht).

update
Am 7. Juni 2013 sollen tatsächlich alle 5 Teile auf zwei DVD in der Reihen "DDR-TV-Archiv" erscheinen. Bestellmöglichkeit: Amazon. Allerdings werden "330 Minuten" angekündigt, die Originalspielzeit soll jedoch "340 Minuten" (60 + 63 + 74 + 83 + 60 min) sein ... ich hoffe, da ist nicht doch noch etwas der Schere zum Opfer gefallen!? Vielleicht ist es nur eine Angabe ohne Abspann ...


Interne Links:
Anfrage zum "Deutschen Minenräumdienst"
Eine Zensur findet statt
Killerspiele

Kommentare:

  1. Ich habe mir die ganze Serie "Rottenknechte" noch auf Youtube ansehen können. Dort sind alle Folgen, warum auch immer, inzwischen aber gelöscht worden. Ich kannte diese Serie vorher nicht und bin zufällig durch die Sucheingabe "M612" daruf aufmerksam geworden. Auf diesem Minensuchboot ist nämlich mein Vater gefahren und hat das ganze Geschehen miterleben müssen. Aus seinen Erzählungen deckt sich die Verflmung ziemlich genau mit der Wirklichkeit. Lediglich ein paar banale Dinge sind dort eingeflochten worden, die man wohl als Zugeständnis an die politischen Administration der DDR werten muß, da der Flm ohne dem nicht hätte gedreht werden können. Da wird z.B. das Hissen einer roten Fahne nach der Übernahme des Kommandos durch die Mannschaft gezeigt, die natürlich nicht stattgefunden hat. Ansonsten sind alle Details bis hin zu Stimmung an Bord von den Schauspielern ziemlich realistisch wiedergegeben und selbst der im Film gezeigte Schiffstyp ist ein originales Schwesterschiff, von denen die Volksmarine, wie auch die Bundesmarine in den 50er Jahren einige wieder in Dienst stellen durfte. Ich habe alles versucht diesen Film im Angedenken meines inzwischen verstorbenen Vaters und Zeitzeugen als DVD oder Kasette zu bekommen... keine Chance. Es bleibt zu hoffen, dass er irgendwann noch einmal unverfälscht gezeigt wird, oder als DVD-Mitschnitt angeboten wird.

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  2. Die zensierte Fassung wird kommendes Wochenende im Nachtprogramm des mdr wiederholt:
    http://www.wunschliste.de/serie/rottenknechte/tv

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