Donnerstag, 10. März 2011

Libyen - Inszenierte Realität?

Bereits am 01.03.2011 meldete Russia Today, daß die am 22.02.2011 gemeldeten Bombardierung von "friedlichen Demonstranten" schlicht nicht stattgefunden haben: »According to Al Jazeera and BBC, on February 22 Libyan government inflicted airstrikes on Benghazi – the country’s largest city – and on the capital Tripoli. However, the Russian military, monitoring the unrest via satellite from the very beginning, says nothing of the sort was going on on the ground.«

Zumindest die junge welt vom 09.03.2011 informierte darüber: "Die angeblichen Angriffe der libyschen Luftwaffe auf demonstrierende Menschenmengen seien »reine Einbildung« westlicher Medien. Belegt sind allerdings einige Luftangriffe der Regierungstruppen auf von Rebellen eroberte Munitionslager. Keith Harman, ein unabhängiger Kriegskorrespondent aus den USA, der sich vor Ort in Libyen befindet, aber nicht für die großen Konzernmedien arbeitet, berichtete am Montag in einem RT-Interview von solch einem Angriff. Zuerst hätten die Rebellen das Waffendepot der Regierung gestürmt und erobert. Als die Regierung dann mit einem Luftangriff das Depot zerstörte, hätten viele westliche Journalisten, aber auch der im Emirat Katar stationierte Fernsehsender Al-Dschasira daraus einen Angriff auf Demonstranten gemacht. Ghaddafi sei zum Monster und Diktator abgestempelt worden, der sein eigenes Volk bombardiert. Die »friedlichen Demonstranten«, die bei dem Luftschlag auf das Munitionslager getötet wurden, waren demnach schwer bewaffnet."

In der Berichterstattung fallen mir zudem immer wieder "gut gelaunte" und sonnenbebrillte Rebellen auf, die mit ihrem Spaß "herumzuballern" nicht zurück halten ... ein "Glück", daß sie nicht mehr als "friedliche Demonstranten" bezeichnet werden, vgl.:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-65518-9.html
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-65518-11.html

In der gestrigen Tagesschau lief das ähnlich ab: Erst wird mit Raketengeschossen geballert (ab 8'28''), die Rauchsäulen "offenbar von Bomben und Artillerieeinschlägen" nach einer Weile sieht der Zuschauer weitere Rauchsäulen, angeblich vor anderen Stadt .... Der Kommantar erläutert, daß diese Ergebnis von Gaddaffis Luftwaffe seien (und nicht etwa eines Raketenbeschusses der Rebellen) und man sieht einen von vielen Männern ("ein Journalisten") geduckt wegrennen, wegen der "Tiefflieger".

=> Eine "harmlose" Variante wäre "die Realität nachgestellt":
»Reporter sprechen immer wieder freimütig über Situationen, in denen sie zu spät gekommen sind, die Kamera gerade einen Defekt hatte oder in einer schlechten Schussposition war. Manchmal werden dann die Aktivitäten wiederholt oder nachgestellt, um die versäumten Bilder zu bekommen.

Auf diese Weise werden Szenen hergestellt, die eine Imitation der tatsächlich stattgefundenen Abläufe darstellen. Nun ist das per definitionem nicht die Realität, die wir vorher angesprochen haben. Es ist aber eine Realität, die durchaus so stattgefunden hat und vielleicht auch wieder so stattfinden wird.

Puristisch gesehen könnte man schon hier von einer Täuschung des Zuschauers sprechen, auch wenn es keine Motive gibt, Information zu verfälschen oder zu manipulieren« (Quelle, Abruf am 05.04.2004; offline).

=> Eine "böse" Variante wäre "die Realität, wie Bombardierungen, inszeniert":
"Kürzlich haben kroatische Offiziere zugegeben, daß sie zugunsten kroatischer Fernsehteams 1993 eine »serbische Bombardierung« der kroatischen Küstenstadt Sibenik inszeniert haben.

Davo Skugor, der frühere Stabskommadeur der 113. Kroatischen Brigade, reagierte ungehalten.«Was soll das Theater?« beschwerte er sich. »In Kroatien gibt es keine Stadt, in der man sich nicht solcher taktischen Tricks bedient hätte. Schließlich sind sie integrierter Bestandteil strategischer Planung. Das ist nur eine von einer ganzen Reihe von Strategien, zu denen wir während des Krieges gegriffen haben«" (Diana Johnstone, Znet, zitiert aus jw vom 30.03.1999).

update, lese eben bei journal21.ch:
»Die meisten Bilder sind gestellt - Propaganda am Fernsehen

Von Helmut Scheben. Er gehört zu den erfahrensten Redaktoren der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens SRF.

Bürgerkrieg in Libyen, jetzt sind wieder Kampfbilder im Umlauf. Da wird geflüchtet, in Stellung gegangen, geschossen, es kracht und raucht. Das Fernsehen zeigt die furchbaren Dinge wie sie sind, könnten naive Zuschauer denken, doch sie sind im Irrtum« mehr ...

Kommentare:

  1. »Serbische Bombardierung« von Sibenik

    In einer wilden und leider weitgehend unsachlichen Diskussion im FF ergab sich für mich folgendes:

    Im Rahmen der Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien kam es im Jahr 1991 auch in der Küstenstadt Sibenik zu schweren Kämpfen zwischen den Separatisten und der Bundesarmee. Dabei soll Schiffs- und Bodenartillerie sowie Mörser eingesetzt worden sein. Es kam jedoch zu keiner Bombardierung der Stadt aus der Luft durch "die Serben". Während der Kämpfe seien lediglich einmal zwei jugoslawische J-21 Soko Jastreb auf See augetaucht, konkret zwischen der Insel Zlarin und der weit vor der Stadt liegenden Einfahrt zum Sibenski-Kanal (Festung Sv. Nikola - Jadranska). Eine der J-21 soll abgeschossen worden sein, die zweite konte entkommen. Nach meiner Meinung ein deutlicher Hinweis auf die Stärke und Kampfkraft der Separatisten bei Sibenik zu dem Zeitpunkt.

    Im Jahr 1993 wurde dann durch die Firma Jadran-Film, die bereits Winitou u.a. Spielfilme gefertigt hatte, eine Dokumentation gedreht und zwecks Inszenierung (Nachstellung der Kriegsszenen) leistete die nunmehrige Kroatische Armee "Amtshilfe".

    Inwieweit in der Dokumentation von "Bomardierungen" die Rede ist und in wie weit die "Inszenierung" als Realität verkauft wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Man beachte jedoch den zeitlichen Zusammenhang zur kroatischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4roperation_Medak>Militäroperation Medak</a>.

    AntwortenLöschen
  2. Gibt es im Großen, aber auch als "Provinz-Posse". Beispiel:

    Heute berichtet die "Potsdam am Sonntag" auf S. 5 über einen Streit um "DDR-Mauerreste" in Potsdam, Nauener Vorstadt.Demnach hätten Bündnisgrüne und FDP in der Stadtverordnetenversammlung sich für "den Erhalt der Mauerreste" eingesetzt und im Bauausschuß zwei Abgeordnete sich "Wortgefechte" geliefert. "Klipp hatte bestritten, dass es sich bei den Mauerrest um ein schützenswertes Stück Erinnerungskultur handelt. Es sei nicht Teil der DDR-Grenzanlagen, der sogenannten Hinterlandsmauer gewesen, sondern lediglich eine Einfriedung. Hüneke hielt dies für irrelevant. Reste der DDR-Mauer gebe es in der Stadt nicht mehr viele."

    Kurz: In Potsdam gibt es "nicht mehr viele" Reste der DDR-Grenzanlagen, also soll schon mal eine gewöhnliche Grundstücksmauer dafür herhalten. Erinnert mich an die unzähligen Mauerbrocken, die nach der Wende verkauft worden :-D

    AntwortenLöschen