Mittwoch, 11. November 2009

Aus der Geschichte der 43. FRBr ( Folge 3 )

Vorbemerkung :
Das FRR - 18 bzw. die 43. FRBr sind im Rahmen der Traditionspflege in der NVA eng mit dem Namen des Schriftstellers und Dichters Erich Weinert verbunden. Dazu wird es noch eine gesonderte Folge geben. Nur soviel sei hier vorab berichtet : am 01.03.1966 erhielt die Kaserne in Sanitz im Beisein von Li Weinert den Ehrennamen, seitdem stand auf dem Schild im Eingangsbereich zu lesen " Nationale Volksarmee " - " Erich - Weinert - Kaserne " . 3 Jahre später, am 27.02.1969, erfolgte dann die Einweihung des Erich Weinert - Denkmals mit einem Stein, Inschrift und Büste. Es stand an der Objektstraße vor dem Stabsgebäude, auch noch nach der Übernahme des Standortes durch die Bundeswehr am 03.10.1990. Erst ca. im Juli 1991 wurde dann die Büste abgebaut, der Stein blieb stehen und erhielt das Wappen der inzwischen nach Sanitz verlegten FlaRakGrp 31 der Bundeswehr, die Inschrift E. Weinerts " Den Gedanken Licht, den Herzen Feuer, den Fäusten Kraft ! " war damit verdeckt und nicht mehr lesbar. Die Odyssee der Büste begann .... als ungeliebtes Geschenk erhielt sie im Juli / August desselben Jahres Herr Oberst Hoheisel in Bremervörde, sie stand eines morgens auf seinem Schreibtisch mit einem Schild um den Hals, auf dem geschrieben stand : " Guten Morgen, Genosse Oberst ! " ....


Die vorliegende Folge 3 weicht aus aktuellem Anlaß von der bisherigen ungefähren Chronologie der Beiträge ab, denn nach fast 1 1/2 Jahren Recherchen ist es geschafft : am 31.10.2009 haben wir die Erich Weinert - Büste an der holländischen Grenze im Kunstpark Olmes in Emlichheim / Grafschaft Bentheim abgebaut und in 3 Etappen zurückgeholt. Seit dem 07.11.2009 ist sie wieder zu Hause , in Sanitz ! In der Ausstellung " 50 Jahre Garnisonsort Sanitz " wird die Skulptur dann zu sehen sein und anschließend einen würdigen Platz finden.

Das Datum des Abbaus in Emlichheim hatte keinen besonderen Hintergrund, auch wenn der 31.10. mit Geistern, Spuk usw. behaftet ist. Nicht, dass einer denkt, jetzt holen die " Ossis " auch noch ihre Geister zurück ... Beim Abbau / Abholung der Erich Weinert - Büste haben Verwandte und Freunde uns unterstützt, so Berit Matczynski aus Parchim und Detlef Kaul aus Düsseldorf, der sich auch vom Künstler Hr. Heinrich Olmes einiges zur Geschichte der Büste hat erzählen lassen. Er schreibt :

" Wie die Büste in den Kunstpark Olmes gekommen ist : Hr. Olmes war 4 Jahre lang Stadtmaler von Bremervörde. Diese Aufgabe wird von der Stadt bezahlt und ist auf diese Zeit befristet. Durch diese Tätigkeit als Künstler kannte er den ehemaligen Kommandeur der Bundeswehr in Sanitz, Herrn Oberst Peter Hoheisel, der Ende März 1991 wieder zum Standort Bremervörde zurückgekommen war. Während einer wohl feucht - fröhlichen Nacht im Jahre 1995 erzählte ihm Hr. Hoheisel von der Überraschung und dem Geschenk mit der Büste, die er nicht haben wollte und die jetzt in seinem Garten unter einer Tanne stand. Er wollte sie Hr. Olmes für seinen Park geben, da dort bereits eine MIG - 21 stand, aber Hr. Olmes wollte nicht so richtig. Er kannte die Biografie von E. Weinert nur sehr oberflächlich, wußte aber, dass das nicht seine politische Richtung war. Man hat dann Hr. Olmes einfach den Fahrzeugschlüssel " abgenommen " und die Büste in seinen Wagen verstaut. Der Zusammenhang Erich Weinert - Büste und MIG - Jagdflugzeug war zwar weit hergeholt, aber er hat sich dann mehr oder weniger widerwillig darauf eingelassen. " Erich " wurde in Sichtweite zum Flugzeug aufgestellt, dazu hat man Beton in die Büste gegossen und sie dann einfach umgedreht. Damit sollte ein möglicher Diebstahl verhindert werden, da der Kunstpark öffentlich ist. Die Aufenhaltszeit der Büste berechnete Hr. Olmes mit 14 Jahren, sie müsste also 1995 dort aufgestellt worden sein.

Dann kam der Samstag, der 31.10.2009 : morgens um 08.30 Uhr haben sich Andreas Ehrenberg und ich auf den Weg nach Emlichheim gemacht. Das sind ca. 170 km Fahrstrecke, Ankunftszeit war 10.05 Uhr. Hr. Olmes hatte uns bereits erwartet, begrüßte uns gleich mit einer Tasse Kaffee. Ich übergab ihm alles, was ich noch am Vorabend aus Sanitz per e - mail erhalten hatte : die Kurzbiografie von Erich Weinert, Hinweise zu seinen Werken und zur Gründung des Nationalkommitees " Freies Deutschland ", eine vorbereitete Presse - Erklärung mit einem Dank an Hr. Olmes für dessen Aufbewahrung der Büste usw. Hr. Olmes hatte nämlich die Presse informiert ... Es folgte eine Unterhaltung über und zur Skulptur , über das künstlerische Schaffen und Wirken von Hr. Olmes und nach ca. 30 min. kam dann auch Hr. Gerold Meppelink vom " Grafschafter Nachrichten ", der örtlichen Presse in der Grafschaft Bentheim. Er ist Journalist und freier Mitarbeiter dieser Zeitung und hat den Abbau der Büste mitverfolgt, mehrer Fotos dazu gemacht und einen Beitrag geschrieben, der am 03.11.2009 als Artikel mit der Überschrift erschien " Gedenken an Arbeiter - Autor, Büste aus Kunstpark - Olmes zurück in Mecklenburg - Vorpommern ".

Aber soweit waren wir ja noch nicht : wir mußten ersteinmal zum Park, mit dem Wagen konnten wir bis zu einem Tor an der Rückseite des Parkes fahren und dort parken. Anschließend ging es zu Fuß noch ca. 50 m weiter, bis wir vor der Büste standen. Am Hang einer Mulde gelegen, auf einem großen, quadratischen Stein als Sockel , zum Glück war sie nicht fest verbunden und konnte dadurch leicht gekippt werden. Wir haben versucht, den Beton aus dem Inneren der Büste heraus zu meißeln, es hatte wenig Erfolg. Hr. Olmes gab zu bedenken, dass wir sie evtl. beschädigen könnten und wir ließen ab .... Andreas und ich haben dann " Erich " auf der Nase den Hang herunter rutschen lassen und ihn unter großen Kraftanstrengungen bis zu einem Maschendrahtzaun getragen, also ca. 80 kg und über eine Strecke von 10 m, anschließend unterm Zaun durchgerollt. Wir waren ganz schön geschafft, aber wie nun weiter bis zum Auto ? Andreas hatte die Idee, Hr. Olmes nach einer Sackkarre zu fragen - und der hatte eine ! Damit konnten wir die Büste nun gemeinsam und im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert zum Auto schieben und sie in den Kofferraum des Kombis hieven. Um 14.30 Uhr waren wir wieder in Düsseldorf ...

Ich habe " Erich " dann am Sonntag, Montag und Dienstag spazieren gefahren, er hat am Sonntag z.B. Bonn besucht, dort trafen wir uns mit Verwandten - er ebenfalls früher bei der Bundeswehr, jetzt Oberst a.D., sie eine gebürtige und echte " Ossi ". Auf meine Frage an sie, ob Erich Weinert ein Begriff ist, kommt ein sofortiges und eindeutiges " Na klar, kannte bei uns jeder ! ". Ich spielte das Spiel weiter und meinte dann, dass ich die Schriftsteller aus dem Osten liebe und deshalb gerade bei ebay eine Büste von Erich Weinert für schlappe 2.300, - EURO ersteigert hätte. Demonstrativ ging ich nach hinten zum Auto und machte die Kofferklappe auf : " Hier ist sie ! " ....den beiden fiel der Unterkiefer runter, ich glaube, so hat mich schon lange keiner angeschaut wie sie jetzt - bis ich dann eine Erklärung in der Angelegenheit abgab und sich die Starre löste. Und beide fanden die Aktion und das Projekt " 50 Jahre Garnisonsort Sanitz " echt gut.
Danach ging es mit " Erich " am Montag und Dienstag nach Remscheid, am Dienstagmorgen auch zuvor nach Bochum, bis er am Dienstagabend, den 03.11.2009 um 18.40 Uhr von Berit übernommen wurde. Diese kam ja bekanntlich aus Rheine mit einer Freundin, wo sie z.Zt. eine Weiterbildung für 3 Wochen besuchen .... "


Eine Ost - West - Geschichte vom Beginn bis zum Ende der Odyssee, hier mit einem glücklichen Ausgang ! Alle haben mitgemacht, es war spannend und aufregend bis zum Schluß, ein Erlebnis und es zeigt, es kann funktionieren .... so man eben will. Wir waren erleichtert, froh und auch ein wenig stolz, dass wir es geschafft haben. Ein Dank gilt allen an dieser Aktion Beteiligten, ein Dank auch an Hr. Peter Hoheisel und Hr. Heinrich Olmes für die Bewahrung der Büste und für ihre freundliche und bereitwillige Unterstützung ! In der " Ostsee - Zeitung ", Ausgabe Rostock, erschien zur Rückkehr der Büste ein lesenswerter Beitrag von Hr. Jan Eisel, die Schlagzeile lautete : " Schriftsteller - Kopf nach 20 Jahren zurück ".

Am Freitag, den 06.11.2009, brachte Berit die Büste dann im Auto mit nach Parchim, am darauffolgenden Tag holten wir sie ab, nun ist " Erich Weinert " wieder da, wo seine Geschichte begann - in Sanitz ! In der " Ostsee - Zeitung " , Rostocker Ausgabe vom 12.11.2009, erschien dazu ein lesenswerter Beitrag des Journalisten Hr. Jan Eisel, die Schlagzeile lautete : " Schriftsteller - Kopf nach 20 Jahren zurück ".

Fortsetzung folgt ....

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