Vorbemerkung:
Das Buch "43. Fla-Raketenbrigade 'Erich Weinert'-Fakten und Geschichten" wurde in mehreren Zeitschriften vorgestellt, u.a. im "Hardthöhen-KURIER", in "Europäische Sicherheit & Technik" , im "SKYSWEEPER" der FlaRakGrp 21 und auch im "Der Bogenschütze", der Infozeitschrift der offiziell im Jahre 2012 als selbständige Waffengattung aufgelösten Heeresflugabwehrtruppe der Bundeswehr. In derselben Ausgabe des „Der Bogenschütze“, in der Ausgabe II/2013, S. 72, gab es im Zusammenhang mit einer Darstellung zur TLA-NVA auch eine Übersicht zu Truppenteilen der Luftverteidigung der NVA (LV der LSK/LV) in deren Entstehungsphase in den 50er Jahren. Hier eigene Recherchen zu diesem Thema ...
Zur Entwicklung der Luftverteidigung
der NVA ....
Der vorliegende Beitrag ist
ausschließlich als Ergänzung zu bereits veröffentlichten, umfassenderen
Ausführungen über die Entstehung der Luftverteidigung der NVA zu verstehen. So
zum Beitrag „Über den Beginn der Aufstellung von FRT der LSK/LV ab dem Jahr
1958“ des Autorenkollektivs unter Leitung von Generalmajor a.D. Kurt Kronig im Buch „Erlebtes und
Geschaffenes, Beiträge zur Geschichte der LSK/LV der NVA der DDR“,, , S. 281 bzw. zu den Darstellungen in den Büchern
„Offizier bei den Fla-Raketen der NVA“ von Siegfried Horst, „Die
Fla-Raketentruppen der Luftverteidigung der DDR“ von Bernd Biedermann/Siegfried
Horst, „Das Fla-Raketenregiment 13 Etkar Andrè-Parchim“ von Burghard Keuthe
sowie ,,43.Fla-Raketenbrigade’Erich Weinert‘-Fakten und Geschichten“ von Bernd
Kirchhainer/Dieter Reichelt/Lothar Herrmann.
Ausgangspunkt und Hintergrund dieses Beitrages sind
notwendige Hinweise/Korrekturen zu einer Darstellung von Truppenteilen der
Luftverteidigung der NVA (LV im Kdo. LSK/LV) in der Infozeitschrift „Der Bogenschütze“, Ausgabe II/2013, S. 72,
der offiziell im Jahre 2012 als selbständige Waffengattung aufgelösten
Heeresflugabwehrtruppe der Bundeswehr. In der Darstellung von Truppenteilen der
Luftverteidigung der NVA (LV der LSK/LV) in der o.g. Zeitschrift – hier die
Darstellung von Flak-Regimentern der LV – sind dem Autor einige fachliche
Fehler unterlaufen, die aus Verwechslungen und Missverständnissen resultierten,
die auch auf die strikte Geheimhaltung im Zusammenhang mit der Entstehung der
Fla-Raketentruppen der Luftverteidigung zurückzuführen sind. So hat es z.B. das
in der Übersicht aufgeführte Flak-Regiment 16 der LV am Standort
Brandenburg/Havel nie gegeben.
Anbei einige Fakten und Daten zur Entstehung der
Luftverteidigung der DDR, nur speziell und im Zusammenhang mit den in der
Zeitschrift aufgeführten Truppenteilen der Luftverteidigung (LV)
zusammengetragen.
Entstehung
des Bereichs Luftverteidigung der NVA
Dieser Bereich wurde in der Entstehungsphase geprägt
durch die Flak-Regimenter (FR) der 1. Flak-Division der Luftverteidigung.
Allgemeine Grundlage bildete der Befehl 1/56 des MfNV vom 10.02.1956 über den
Aufbau und die Gliederung der NVA. Mit der Präzisierung durch den Befehl
5/56 des MfNV vom 21.02.1956 erfolgte weiterhin die Bildung der Verwaltung
Luftstreitkräfte (LSK) unter Führung von Generalmajor Heinz Zorn mit Sitz in
Cottbus und der Verwaltung Luftverteidigung (LV) unter Führung von Oberst
Gerhard Bauer mit Sitz in Strausberg-Nord sowie dem
entsprechenden Befehl 11/56 zur Formierung der 1.
Flak-Division in Eggersdorf/Strausberg.
Entsprechend
Befehl
11/56 des MfNV vom 08.03.1956 hatte die Aufstellung eines Flak-Regiments in Eggersdorf in Verantwortung
des Chefs Luftverteidigung, Oberst Bauer, zu erfolgen. Die Formierung des Flak-Regiments
in Eggersdorf war am 05.04.1956 abgeschlossen.(1)Das Regiment, zunächst als Flak-Regiment
„Strausberg“ bezeichnet, dann als Flak-Regiment 1 mit zwei Bataillonen, wurde
im Spätherbst in Flak-Regiment 13 umbenannt.(2) Am 10.12.56 erfolgte
die Aufstellung
der 1.Flakdivision Eggersdorf, Kommandeur Oberstleutnant Rudi Bräutigam. (3)
Dazu wurden die zwei Bataillone des Flak-Regiments 13 in Flak-Regimenter
umgewandelt.
Dislozierungen
und Zeiträume der Flak-Regimenter (FR) der 1. Flakdivision (FAD)
Bestand der 1. Flak-Division am 10.12.1956:
· Flak-Regiment 13 (FR-13) in Eggersdorf mit
dem Regimentskommandeur Major August Härm
· Flak-Regiment 14 ( FR-14) in Frankenberg (
bei Karl-Marx-Stadt) mit dem Regimentskommandeur Oberstleutnant Ernst Kirchner.
·
Flak-Divisionsschule in Frankenberg ( bei Karl-Marx-Stadt)
Nicht zum Bestand der Flak-Division
zugehörig:
. FuTB-2
Rechlin (aufgestellt am …)
. NB-2
Waldsieversdorf (aufgestellt am 29.11.1956)
Der Stab der 1. FAD verlegte am 15. Mai 1957 vom Standort Strausberg nach
Frankenberg. Aus den beiden bisherigen Verwaltungen für Luftstreitkräfte
(VdLSK) bzw. Luftverteidigung (VdLV) erfolgte am 31.05.1957 die Bildung des
Führungsorgans Kommando LSK/LV (Kdo. LSK/LV) mit Sitz in Strausberg. Am
15.10.1960 war die Verlegung des Kdo. LSK/LV von Strausberg nach Eggersdorf
abgeschlossen. (4)
Bestand der 1. Flak-Division am 01.12.1957:
· Flak-Regiment 13 ( FR-13) in Eggersdorf zur
Deckung des Raumes Berlin.
· Flak-Regiment 14 ( FR-14) in Frankenberg (bei
Karl-Marx-Stadt) zur Deckung des Industriegebietes Karl-Marx-Stadt
·
Flak-Regiment 15 ( FR-15) in Wolfen ( aufgestellt am 01.11.1957) zur
Deckung des Raumes Bitterfeld-Wolfen
·
Flak-Divisionsschule in Frankenberg
Nicht zum
Bestand der Flak-Division zugehörig:
· FuTB-2 Rechlin
· FuTB-4 Cottbus
· NB-2 Waldsieversdorf
Hauptbewaffnung: zunächst 37-mm und 85-mm Flak-Geschütze, ab Ende
1956/Anfang 1957 Umstellung auf 57-mm und 100-mm Flak-Geschütze .
Die 1.
Flak-Division bestand vom 10.12.1956 bis 15.12.1960. Im
Zuge des Aufbaus der neuen Waffengattung Fla-Raketentruppen wurde die 1.
Flak-Division am 15.12.1960 aufgelöst (Befehl 61/60 des MfNV vom 27. Oktober
1960). (5)
Das Flak-Regiment 13 verlegte am 27.03.1959 nach
Brandenburg/Havel und war dort bis zu seiner Auflösung im November 1960
stationiert. Im Zuge der Auflösung der 1. Flak-Division war das Regiment bis
zur eigenen Auflösung noch dem Chef LSK/LV direkt unterstellt (Froh, S. 88)
Das Flak-Regiment 14 wurde ebenfalls im Zeitraum
Oktober–November 1960 am Standort Frankenberg aufgelöst.
Das Flak-Regiment 15 verlegte im Verlaufe des Jahres
1961 nach Altwarp und wurde am 10.10.1961 lt. Befehl MfNV aufgelöst. (6)
Weitere
Entwicklung der Luftverteidigung/Grundlagen der Aufstellung der
Fla-Raketentruppen (FRT)
„ … Zur
weiteren Vervollkommnung des Systems der Luftverteidigung (LV) der DDR wurde
auf der Grundlage eines Planes der Leitung des Ministeriums für Nationale
Verteidigung vom 03.10.1958 mit der Aufstellung der Fla-Raketentruppen der
Luftstreitkräfte/Luftverteidigung begonnen.
Die Notwendigkeit für die Vervollkommnung des Systems der Luftverteidigung der DDR wurde aus der weiteren Zuspitzung der militärpolitischen Lage im Kalten Krieg in Europa abgeleitet. Die Luftangriffsmittel der NATO (2. und 4. ATAF und Kommando Ostseeausgänge) wurden permanent verstärkt und ihre taktischen und flugtechnischen Eigenschaften verbessert. Die Einführung und Indienststellung von Fla-Raketenkomplexen in die Bewaffnung der Truppen der LV war deshalb eine Konsequenz, die sich aus dieser Entwicklung ergab.
Dazu wurde für den Zeitraum von 1959 bis 1963 der Aufbau von 5 Fla-Raketenregimentern (FRR) im Bestand von je 4 Fla-Raketenabteilungen (FRA) und einer Technischen Abteilung (TA) festgelegt.“ (7)
Die Notwendigkeit für die Vervollkommnung des Systems der Luftverteidigung der DDR wurde aus der weiteren Zuspitzung der militärpolitischen Lage im Kalten Krieg in Europa abgeleitet. Die Luftangriffsmittel der NATO (2. und 4. ATAF und Kommando Ostseeausgänge) wurden permanent verstärkt und ihre taktischen und flugtechnischen Eigenschaften verbessert. Die Einführung und Indienststellung von Fla-Raketenkomplexen in die Bewaffnung der Truppen der LV war deshalb eine Konsequenz, die sich aus dieser Entwicklung ergab.
Dazu wurde für den Zeitraum von 1959 bis 1963 der Aufbau von 5 Fla-Raketenregimentern (FRR) im Bestand von je 4 Fla-Raketenabteilungen (FRA) und einer Technischen Abteilung (TA) festgelegt.“ (7)
Umfang/Dislozierung
Ausgehend
von den festgelegten Räumen der Aufgabenstellungen wurden für die Führungen und
Stäbe der Fla-Raketenregimenter (FRR) folgende Standorte und Termine für den
Abschluss der Formierung der Truppenteile festgelegt:
- FRR-16: Ladeburg bei Bernau, November 1960
- FRR-17: Stallberg bei Pasewalk, Juni 1961
- FRR-18: Sanitz bei Rostock, Dezember 1961
- FRR-13: Parchim, Juni 1962
- FRR-14: Straßgräbchen bei Kamenz, Juli 1963.
Für die
Feuerstellungen und Kasernen der FRA wurden folgende Standorte ausgewählt:
- FRR-16: Fürstenwalde, Prötzel, Klosterfelde, Kremmen
- FRR-17: Altwarp, Eichhof, Burg Stargard, Weggun
- FRR-18: Abtshagen, Barth, Hinrichshagen, Retschow
- FRR-13: Warin, Tramm, Ziegendorf, Steffenshagen
- FRR-14: Groß Döbbern, Großräschen, Kroppen, Großröhrsdorf
Die Stellungen und Baulichkeiten für die stationäre und mobile Technik der
TA wurden in gesonderten Objekten in der Nähe der Regimentsstäbe errichtet
Die Bewaffnung der Fla-Raketentruppen erfolgte mit
dem Fla-Raketenkomplex (FRK) SA-75 "Dwina" und den Fla-Raketen (FAR)
W-750 (1D) und W-750 W (11D). Der erste von insgesamt drei Lehrgängen zur
Ausbildung von Personal am FRK SA-75 „Dwina“ und den Fla-Raketen W-750 erfolgte
vom 01.02.1959 bis Juni 1959 in einem Ausbildungszentrum der LV der Sowjetarmee
bei Ulan-Ude, der Hauptstadt der Burjatischen Autonomen Sozialistischen
Sowjetrepublik.
In der DDR
wurde die Ausbildung am Waffensystem wegen der Anforderungen an die
Geheimhaltung nicht an bestehenden Lehreinrichtungen der NVA durchgeführt. Dazu
wurde im ersten Halbjahr 1959 das Lehr-und Ausbildungsregiment 12 (LAR-12) für
- die theoretische Ausbildung
- praktische Ausbildung an der Fla-Raketentechnik
- als Instandsetzungs- und Versorgungsbasis mit Lager und Werkstatt
in der NVA
Dienststelle Pinnow bei Angermünde aufgestellt. Ausbilder waren die in Ulan-Ude
ausgebildeten Offiziere, Kommandeur wurde Major Heinz Trautsch. Bereits in den
Monaten August/September 1959 übergaben Spezialisten der Sowjetarmee an das
LAR-12 am Standort Pinnow einen ersten Fla-Raketenkomplex SA-75
("Dwina") als Fünf-Kabinenvariante, Fla-Raketen W-750 (1 D), die
Kontroll-Prüfstation für FAR, Treibstoffkomponenten sowie die Ausrüstung für
den technologischen Ablauf zur Montage und Betankung von FAR. Diese Technik
wurde in der Folgezeit als Ausbildungsbasis für die aufzustellenden Einheiten
der FRT eingesetzt …“. (s. 7, K. Kronig)
Ebenfalls
aus Geheimhaltungsgründen wurden die neu formierten Fla-Raketenregimenter der
LV noch zeitweise als Flak-Regimenter (FR) und die Fla-Raketenabteilungen (FRA)
als Flakabteilungen/Feuerabteilungen (FA) bezeichnet/genannt.
Mit der Einführung eines neuen Stellen-und Ausrüstungsnachweises (STAN) per 01.06.1963 erfolgte dann wieder die offizielle Verwendung/Bezeichnung „Fla-Raketenregiment“.
Mit der Einführung eines neuen Stellen-und Ausrüstungsnachweises (STAN) per 01.06.1963 erfolgte dann wieder die offizielle Verwendung/Bezeichnung „Fla-Raketenregiment“.
Fla-Raketenregiment
16, Ladeburg b. Bernau-das erste Fla-Raketenregiment lt. Befehl 52/59 des MfNV
vom 30.11.1959 über die Herstellung der Einsatzbereitschaft des ersten
Fla-Raketenregiments (Fla-Raketenregiment 16/FRR-16; Bezeichnung noch als
Flak-Regiment 16): 1.FA (Feuerabteilung) bis 01.04.60, 2.FA (Feuerabteilung)
bis 15.06.60, Technische Abteilung bis 01.07.60, 3. und 4.FA (Feuerabteilung)
bis 01.08.60. mit dem Fla-Raketenkomplex „Dwina“, LADEBURG b. Bernau
September 1960 erstes Gefechtsschießen eines
Fla-Raketenregiments der Luftverteidigung der DDR: auf dem Staatpolygon
ASCHULUK/Sowjetunion (kasachische Steppe, 60 km ostwärts am „Totschka K“) durch
das Fla-Raketenregiment 16 (Bezeichnung noch als Flak-Regiment 16) mit I. FA
und Teile der II.FA, Ergebnis: „Bereit zur Führung von Gefechtshandlungen.“
Mit der
Bildung der 1. und 3. Luftverteidigungsdivision Ende 1961 (20.10.1961 die 3.
LVD Neubrandenburg, 01.12.1961 die 1. LVD Cottbus; s. Zeittafel LSK/LV) wurde
das FRR-16 der 1. LVD zugeordnet. Bis dahin war es dem Stellv. des Ministers
und Chef LSK/LV direkt unterstellt.
Ende Teil I des Beitrages, Teil II folgt!
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