Samstag, 17. Januar 2015

Aufnahmeheime in der DDR

Das Thema "Aufnahmeheime" in der DDR ist für mich noch nicht richtig "rund". Vielleicht weiß jemand mehr:

Etwa 600.000 Menschen siedelten von 1949 bis 1989 aus der BRD / Westberlin in die DDR. Die Mehrzahl waren Rückkehrer, die mit dem Westalltag nicht zurande kamen. Dazu kamen mindestens 200.000 "Erstzuziehende" aus dem westlichen Teil Deutschlands, s.a.:
http://home.snafu.de/veith/deserteu.htm

Für diese Menschen gab es  ab 1979 als erste Anlaufstelle das Zentrale Aufnahmeheim (ZAH) Röntgental bei Berlin (Bezirk Frankfurt/Oder).

Ich gebe zu, mehr kannte ich nicht. Jetzt lese ich, es gab bis Mitte der 1960er Aufnahmeheime auf zentralstaatlicher Ebene in
- Barby (Bezirk Magdeburg),
- Eisenach,
- Pritzier (geschlossen 1972) und
- Eisenberg-Saasa (Bezirk Gera)

sowie auf bezirklicher Ebene in
- Velgast,
- Militzsee,
- Loburg,
- Schmalkalden,
- Kraftsdorf,
- Karl-Marx-Stadt,
- Zirkelschacht,
- Leipzig,
- Dresden,
- Kablenz,
- Molkenberg bei Fürstenwalde (Bezirk Frankfurt/Oder),
- Potsdam und
- Berlin-Weißensee
- Berlin-Blankenfelde (geschlossen 1972).

Ab der Sicherung unserer Staatsgrenze 1961 zu Westberlin wurden die Aufnahmeheime sukzessive weitgehend auf drei ZAH reduziert. Es verblieben:
- Barby,
- Eisenberg-Saasa und
- Molkenberg bei Fürstenwalde (geschlossen 1986)

Ab 1979 gab es grundsätzlich nur noch das bekannte ZAH Röntgental bei Berlin (Bezirk Frankfurt/Oder). Einige auf bezirklicher Ebene sollen jedoch weiter existiert haben.

Links:
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/wunschik20130802/?p=all
http://www.ddr-rueckkehrer.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=48&Itemid=41

update (23.05.2020)
Da der Kommentar zu diesem Eintrag einen meiner Meinung nach seltsamen "Drall" hat, so "saß" er in einem Aufnahmeheim sozusagen als Gefangener und da mir dieser Tage eine vergleichbare Aussage über den Weg lief, habe ich mal gegoogelt. 

Die Grenzdurchgangsgangs- / Notaufnahme- / Durchgangslager / Erstaufnahmeeinrichtungen gab es bekanntlich ab 1945 in allen Besatzungszonen (außer der französischen). Das wohl bestbekannte Lager im Westen wird "Friedland" gewesen sein und im Westsektor "Berlin-Marienfelde" ... und alle werden als "gut" beurteilt.

Und siehe da, der Deutschlandfunk: Sie im Osten waren natürlich "böse", denn diese Lager entsprangen nicht praktischen Überlegungen (so schlichter Organisation oder Quellenabschöpfung durch Geheimdienste, wie im Westen), sondern:

"Die DDR begegnete den Zuwanderern aus der Bundesrepublik nicht mit offenen Armen, sondern mit Misstrauen und Skepsis. So mussten zwischen 1961 und 1989 alle Übersiedler erstmal in sogenannte Aufnahmeheime – eine Mischung aus Internierungslager und sozialistischem Internat."

Und

"In den DDR-Übersiedlerheimen kam es sogar zu Selbstmorden und Selbstmordversuchen ..." *wow* Ich vermute, sogar (Taschen-) Diebstähle wird es gegeben haben.

Das erzählt der unparteiische und nur der Wissenschaft verpflichtete Dr. Michael Schäbitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der ... klar Hohenschönhausen. 

Also merken: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe, denn was ist Westen immer "gut" ist, ist im Osten immer "schlecht". Eigentlich einfach das.

Kommentare:

  1. Von Anfang bis Ende war die DDR ständigen Bedrohungen ausgesetzt und musste vor Spionen, Saboteuren und anderer gegnerischer Kräfte beschützt werden. So war die Existenz der Aufnahmeheime notwendig. Zuletzt war Röntgental das einzigste Heim.
    Die Angehörigen von MfS und der Kriminalpolizei agierten als Sozialdetektive. Eine wichtige Rolle spielten auch die Kulturfrauen. Sie waren Aufsichtspersonen und Sozialarbeiterinnen in Personalunion.
    Opfer des kapitalistischen Systems, wie Arbeitslose, wurden als asozial angesehen. Wer sich gegen kapitalistische Willkür wehrte, galt als arbeitsunwillig. Es wurde so getan, als gäbe es in der BRD(Westberlin) und in der DDR kein Arbeitsrecht. Das steht im Widerspruch dazu, dass das Arbeitsrecht in der DDR vorbildlich war.
    Die Übersiedlungswilligen waren außergewöhnlichen psychischen Belastungen ausgesetzt. Einige wurden während des Aufenthalts im Heim psychisch krank. Das wurde ebenfalls als asoziales Verhalten angesehen.
    Ob Enttäuschte und Traumatisierte ins Lager der DDR-Gegnerschaft überliefen, bzw. sich von westlichen Geheimdiensten anwerben ließen, interessierte nicht.
    Die Handlungsweise des Heims kam der westlichen Politik gerade recht.
    Es war Strategie des Westens die DDR „auszubluten“.
    Fazit: Die Handlungsweise des Heims diente nicht dem Schutz der DDR.
    Heute vorliegende Dokumente und Zeitzeugenberichte können der Delegitimierung der DDR dienen.

    Ich saß vom 21.10.1982 bis zu 26.11.1982 im Aufnahmeheim Röntgental. Näheres dazu auf

    http://www.aufnahmeheimroentgental.de

    Es gibt auch je eine Google+-Seite und Facebook-Seite, die ich zu diesem Thema erstellt habe.

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  2. Die oben genannte Website ist nicht mehr lange im Netz. Es gibt eine neue Website, die umgestaltet worden ist.
    www.aufnahmeheimroentgental.net
    Also bitte auf die Endung "net" achten. Außerdem hat "Aufnahmeheim -Röntgental" nun auch einen You Tube-Kanal. Die Facebook und Google+-Seiten sind geblieben.

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