Sonntag, 24. Februar 2008

Parallel History Project

In der grundsätzlich neutralen Schweiz existiert bereits seit 1999 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ein "Parallel History Project", daß das Bemühen suggiert, möglichst viele Originaldokumente aus dem Kalten Krieg von beiden Seiten gegenüber zulegen.

Vorab: Die dort erhältlichen Infos sind sehr interessant, wichtig und gut gemacht!

Naürlich hat so ein Projekt seine "Ecken und Kanten". Das Hauptproblem ist, daß aufgrund der in den NATO - Staaten geltenden Sperrfristen, weitgehend doch nur Dokumente des Warschauer Vertrages und nicht zuletzt der DDR offenliegen. Das führt zwingend zu einigen Folgeproblemen:

Jede Armee schmiedet nun Pläne für den Ernstfall und dazu gehört auch die Planung des Gegenschlages, wenn der Angriff gestoppt ist. Natürlich sagt jede Armee, daß das nur der Verteidigung diene. Und da das zurecht keiner glaubt, werden diese regelmäßig geheim gehalten. Während des Kalten Krieges wurden von östlicher Seite hin und wieder aufgekärte Nato- / Bundeswehr - Pläne veröffentlicht, das unterbleibt seit 1990 ... So wäre es für den Warschauer Vertrag überlebensnotwendig gewesen, bei einer militärischen Konfrontation sofort Westberlin, "den Pfahl im Fleische der DDR", einzunehmen. Daraus nun Aggressionsabsichten zu machen, ist mehr für einfach Strukturierte. Das solche Planungen auf beiden Seiten politische und militärische Realität waren und sind(!) ist schwierig zu vermitteln und doch die Wahrheit.

Und so entsteht ein schiefes Bild!

Ein weiteres Problem ist, daß nicht jeder diese Dokumente richtig "lesen", interpretieren kann. Das klassische "Historikerproblem": Wenn Du heute schreibst, wie die Leute damals wirklich gedacht / gehandelt haben, hält die heute jeder für bekloppt. Also mußt Du umfassend erklären oder - weil das im Film / Roman / Web nicht so gut geht - "übersetzen" (ihnen also heutige Denk- und Handlungsmuster unterschieben) oder nur dokumentieren und das "bekloppt" bewußt in Kauf nehmen ... und letzteres passiert hier.

Im Grunde beobachten wir das laufend, wenn ich einfach mal die bewußte Geschichtsfälschung hier außen vor lasse. Da haben wir beispielhaft Geschichte mit:

Wer tut so etwas? Wer finanziert solche aufwendigen Projekte? Nun, lt. dieser Darstellung ist Träger des PHP - Projektes die "Forschungsstelle für Sicherheitspolitik", die wohl maßgeblich von Schweizer Verteidigungsministerium finanziert wird. So verwundert es auch nicht, das die Schweizer Militärakademie an o.g. Bildungseinrichtung etabliert ist. Ebenso naheliegend ist, daß die beiden wesentlichen Partner des PHP - Projektes in Washinton D.C. sitzen. Es handelt sich um das "Cold War International History Project" vom Woodrow-Wilson-Institute und das "National Security Archive", die wohl einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Gelder von der US - Regierung erhalten. Nun, ich bekomme da "leichte Bauchschmerzen", was die Neutralität der Projekte angeht.

Eine interessante Rezession des PHP - Projektes findes sich »hier«.

Kommentare:

  1. Obwohl ich nicht völlig mitgehe - so dann doch zu 90%.

    Etwas fehlt mir auch der Verweis auf die Alternativen - ja richtig: Es gibt keine. Die Nichtbeschäftigung mit der Vergangenheit wäre das, was da die Konsequenz wäre. Und das kann ja nun auch nicht richtig sein.

    BTW: Seen. ;-)
    Mt

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  2. Du hast natürlich Recht: Alternativen - keine!

    Allerdings ist es schon auffällig: Da gibt es für das MfS die BStU, wenn auch (noch) nicht im wirklichen Sinne online, für die NVA ist nunmehr der Nationale Verteidigungsrat online - auch wenn die Macher nicht ganz auf einen erklärenden "Beipackzettel" verzichten konnten ;)

    Für die BRD finde ich so etwas tollen nicht .... und gerade jetzt wären die BND-Dokumente (CD - "Kauf" in Liechtenstein) spannend. Für die BRD gibt es nur "Kommentierungen", wie die ifz-Vierteljahreshefte.

    Ich meine, das hat Methode.

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