Sonntag, 26. August 2012

Das Buch zur 43.FRBr ist erschienen!

 



























 





















Vorbemerkung:
Das Buch "43. Fla-Raketenbrigade 'Erich Weinert'-Fakten und Geschichten" ist erschienen!

Ein Dankeschön an die Mitautoren ...
Liebe Mitautoren, liebe Mitstreiter, 
Das Buch „43. Fla-Raketenbrigade ‚Erich Weinert‘-Fakten und Geschichten“, an dessen Entstehung Ihr so engagiert  mitgewirkt habt, liegt nun vor! In den nächsten Tagen ist das Buch auch im Buchhandel, bei Amazon usw. erhältlich. Wir, das heißt Dieter Reichelt, Lothar Herrmann und Bernd Kirchhainer, möchten uns als Herausgeber & Autoren bei Euch ganz herzlich bedanken und können nur sagen: ohne Eure Beiträge, ohne Eure Erfahrungen und Eure interessante Darstellung von persönlich erlebter Zeitgeschichte, wäre das Buch ein reines Sachbuch. Mit Eurer Hilfe ist es mehr geworden! Wir denken, dass das Buch den hohen Erwartungen gerecht wird und wünschen uns und vor allem den Lesern viele Erkenntnisse, ein Wiedererkennen und auch ein wenig Spaß! 

Am 01.09.2012 zur Eröffnung der Ausstellung „50 Jahre Garnisonsort Sanitz“ im Gemeinschaftshaus in Sanitz, zu der alle noch mal recht herzlich eingeladen sind, werden wir das Buch präsentieren. Wir haben einen Verkaufsraum, in der neben dem Buch auch eine DVD zur 43.FRBr, Erinnerungsposter, eine Begleitbroschüre zur Ausstellung mit einer Zeittafel der 43.FRBr usw. angeboten werden. Der offizielle Buchpreis beträgt 19,95 €. Ein Hinweis für die Mitautoren, deren Beiträge wir leider wieder aus dem Manuskript herausnehmen mussten, da sonst der Umfang des Buches gesprengt worden wäre: in der DVD haben wir u.a. diese unveröffentlichten Beiträge erfasst und zum Nachlesen im PDF-Format in einem gesonderten Kapitel gestaltet.
Anbei zum Buch, zur DVD sowie zur Ausstellung & zum Parken in Sanitz am 01.09.2012! Wir sind da, allerdings nur Dieter & Bernd. Lothar lässt sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen.
Alles Gute für Euch!

Ein Dankeschön an den Steffen-Verlag ...
Wir möchten es nicht versäumen, uns beim Steffen-Verlag in Friedland für die vertrauensvolle und tolle Zusammenarbeit zu bedanken. Die Zeit von der Anfrage beim Verlag im April 2011, dem ersten Besuch und persönlichen Kontaktaufnahme im April des Folgejahres über die Erarbeitung des Manuskripts bis hin zur Druckreife und der Auslieferung der ersten 500 Exemplare nach Sanitz Anfang der kommenden Woche-es war eine anstrengende, aber auch höchst interessante Zeit. Wir haben viel dazu gelernt. Den Verantwortlichen im Verlag, Herrn Jörg Runge sowie Frau Daniela Rust-Kirsch, ebenfalls ein DANKESCHÖN für die Unterstützung und Nachsicht, dem Steffen-Verlag in 17098 Friedland für die bisherige erfolgreiche Militärbuch-Reihe weiterhin viel Erfolg und vor allem viele interessierte Leser! Bezugsmöglichkeiten anbei ...

Bernd
i.A. der Herausgeber & Autoren
Sanitz, den 26.08.2012

Zum Buch: ISBN 978-3-942477-31-4, Preis 19,95 €,   Bezug durch: Steffen-Verlag Friedland, Buchhandlungen, Amazon.de sowie mit Autogramm/Widmung von den Herausgebern Bernd Kirchhainer & Dieter Reichelt mit folgenden Adressen:


Bernd Kirchhainer
Schwarzer Weg 1
18190 Sanitz
Deutschland
Tel.:    +49 (0)  38209-799
eMail:    bernd@kirchhainer.de



Dieter Reichelt
Auelweg 1b
52639 Königswinter
Deutschland
Tel.:     +49 (0) 2244 - 900830
eMail:    dietga716@t-online.de
 

Sonntag, 19. August 2012

Grenzgänger und Westgeld

Ich lese in der Wochenendbeilage der jw zur Situation vor jenem 13. August 1961 so nebenbei folgenden Satz:

"Wer als DDR-Bürger in Westberlin arbeitete, erhielt seinen Lohn entweder komplett oder zum Teil in Westwährung, der Rest ging auf ein Konto dort."

Die Frage stellte sich ja tatsächlich, was mit dem getauschten DDR-Geld passierte. Zum Teil dieses: "Ich weiß aus meiner Dienstzeit sehr gut, was so über die Grenze mitgenommen wurde: Lebensmittel in großem Umfang, Geräte, die zum Teil hochwertig waren und bei uns dringend benötigt wurden. Der Schaden war immens.".

ABER, daß DDRler in Westberlin teilweise auch "nur" wieder DDR - Geld als Lohn erhielten, lese ich zum ersten Mal. Ich meinte tatsächlich, das wäre marktwirtschaftlich geregelt, weit gefehlt, Stichworte sind: "Lohnausgleichsverfahren" und "Lohnausgleichskasse" für die Westgrenzgänger aus dem Osten und die Ostgrenzgänger aus Westberlin.

Zum historischen Hintergrund:

Die Spaltung Deutschlands erfolgte durch die separate Währungsreform am 20. Juni 1948. Am 24. Juni 1948 wurde der Gültigkeitsbereich der Deutschen Mark (West) auf die drei westlichen Sektoren von Berlin ausgedehnt, wobei die DM-Scheine einen "B"-Stempel erhielten (Bärenmark). Am gleichen Tag wurden durch die UdSSR die Straßen- und Eisenbahnverbindungen Westberlins nach Westdeutschland unterbrochen, um eine weitere Versorgung Westberlins durch das Umland zu erzwingen.

Eine weitere Versorgung Westberlins durch das Umland hätte durch die notwendige Bezahlung die Einführung der westdeutschen DM in Westberlin konterkariert und die Spaltung Berlins ggf. verhindert. Dieser Plan wurde durch die sog. Berliner Luftbrücke unterlaufen.

Der Spaltung konnte jedoch nicht ganz so rigoros durchgezogen werden, wie es heute scheint. So wurde erst mit der Dritten Verordnung zur Neuordnung des Geldwesens in Berlin vom 20. März 1949 (Währungsergänzungsverordnung) die westdeutsche DM alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in den Westsektoren. In der Zwischenzeit galt faktisch auch die Ostmark parallel als gesetzliches Zahlungsmittel in Westberlin.

Neben den Gütermarkt, der bereits Mitte 1948 abgetrennt wurde, gab es jedoch noch einen Arbeitsmarkt mit rd. 200.000 Grenzgängern, davon anfangs ca. 122.000 Ost-Grenzgängern und 76.000 West-Grenzgänger. Nachdem die Westmark 1949 nur noch alleiniges Zahlungsmittel in Westberlin wurde, sank die Zahl der Ost-Grenzgänger drastisch von 122.000 auf 87.000 (-29%) und die der West-Grenzgänger von 76.000 auf 45.000 (-41%).

Sprich: Es pendelten vom Osten nur noch gut die Hälfte nach Westberlin zum Arbeiten ein. Bis 1953 sank deren Zahl weiter auf rd. 30.000, um dann bis 1961 wieder auf 61.200 anzusteigen, zzgl. ca. 20.000 illegale West-Grenzgänger vom "Scheuerlappengeschwader". Es »ist bei grober Schätzung davon auszugehen, dass kurz vor dem Mauerbau jeder zehnte Erwerbstätige aus dem „Ostteil“ des Berliner Verflechtungsgebietes in West-Berlin arbeitete« (Frank Roggenbuch). Zu den Ost-Grenzgänger fand ich nicht so detaillierte Aussagen, es klingt so, als ob die Masse der Westberliner ab 1954 in der DDR entlassen wurde.

Währungsumtausch
»In der Frühphase verfolgte der Westen eine Doppelstrategie. Zum einen wurden die Westgrenzgänger durch stufenweise Erhöhung der Westgeldquoten (erstmals 1951 von 10 Prozent auf 25 Prozent) materiell stimuliert, obwohl über eine Viertelmillion Westberliner arbeitslos waren ... Darüber hinaus sah die Westberliner Politik... die Gefahr einer kommunistischen Unterwanderung über das Grenzgängerwesen. So kam es zum Ausschluss politisch Missliebiger vom Lohnumtausch,was offiziell mit dem anfänglichen Defizit der Lohnausgleichskasse begründet wurde. Betroffen waren zunächst Mitarbeiter von SED und FDGB, bald darauf Beschäftigte systemnaher Ostberliner- und DDR- Betriebe und Institutionen, Inhaber von Ostlebensmittelkarten und schließlich alle SED-Mitglieder.« Die Westgeldquote wurde sukzessive bis auf letztlich 40Prozent im Jahre 1956 erhöht.
http://www.stiftung-aufarbeitung.de/uploads/pdf/roggenbuch.pdf

Die Zahl der Westgrenzgänger entsprach dem regionalen Arbeitskräftedefizit auf der DDR-Seite.
 
 
Ein Rechenbeispiel vom "Spiegel", Heft 34/1961, vom 16.08.1961: »Ein Grenzgänger, der in Westberlin ein Monatsgehalt von 440 Mark bezieht, bekommt durchschnittlich 40 Prozent seines Lohns (also 176 Mark) in westlicher, 60 Prozent (also 264 Mark) in östlicher Währung ausgezahlt. Bislang konnte er den Westmark-Anteil in einer Westberliner Wechselstube zum Kurs von durchschnittlich einer Westmark, gleich 4,5 Ostmark, umtauschen und sein Gehalt durch Ausnutzung des Kursgefälles auf mindestens 1056 Ostmark erhöhen.«

Was hätte die Währungsergänzungsverordnung von 1949 für die Grenzgänger bei freier Marktwirtschaft bedeutet, also noch ganz ohne "Kalten Krieg"? Bleiben wird mal beim Spiegel-Beispiel, sowohl Ost- als auch Westgrenzänger hätte 440 Mark im Monat ausgezahlt bekommen:

- Der Westgrenzgänger hätte 100 Westmark in ca. 450 Ostmark umgetauscht und davon Miete, Strom etc. locker bezahlt und mit den verbleibenden 340 DM alle Arten von raren Konsumgütern in den Osten geschleppt.
- Der Ost-Grenzgänger hätte vermutlich 100 Mark für Produkte, die im Osten weiter subventioniert waren (beachte "Preisstop) ausgegeben und die restlichen zum Kus von 4,5 : 1 umgetauscht. Mit der Folge, daß er Ende des Monats aus seiner Westberliner Wohnung hätte ausziehen oder sich beim Arbeitsamt melden müssen. Das hätte die Arbeitslosenzahl in Westberlin schlagartig von rd. 300.000 auf 422.000 (+41%) erhöht.

Ein  solcher Zustand wäre für den Westberliner Senat nicht haltbar gewesen, zumal noch die Auswirkungen von Krieg und "Luftbrücke" allgegenwärtig waren. Zu allem Überfluß hätte so ein reger, unkontrollierter Währungsaustausch beim Arbeitsmarkt, die Bemühungen zur Spaltung der Stadt - analog dem Gütermarkt - konterkariert und die dauerhafte Spaltung Berlins ggf. verhindert.

Der Autor und Stipendiat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Roggenbuch, hat zum Thema sogar ein "preiswertes" Buch vorgelegt:

Das ist eine "Flaschenpost", wer mehr zum Thema weiß, bitte die Kommentarfunktion verwenden oder mir mailen.

Freitag, 17. August 2012

BVerfG erlaubt Einsatz der Bundeswehr im Innern

Es ist vollbracht:

Die Bundeswehr darf nunmehr auch in ihren Strukturen und mit bewaffneter Gewalt innerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden, vgl.:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verfassungsgericht-karlsruhe-billigt-militaerischen-einsatz-im-inland-11858874.html

Mal sehen, wie lange die Einschränkungen halten:
- Der Befehl soll von der Bundesregierung "insgesamt" kommen und darf nicht delegiert werden.
- Der Einsatz darf nur in einer "Ausnahmesituationen katastrophischen Ausmaßes" erfolgen. M.E. wird daß das BVerfG jeweils im nachhinein beurteilen.
- Ein Einsatz sei nicht wegen Gefahren erlaubt, "die aus oder von einer demonstrierenden Menschenmenge drohen". M.E. kippt diese Einschränkung bereits dann, wenn Provokateure vermeintlich Waffen aus dem Schutz dieser Menge heraus einsetzen.
- Ein Einsatz soll - natürlich - nur allerletztes Mittel sein.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/einsatz-militaerischer-mittel-im-inland-erlaubt-1.2955737

Weitere Informationen liegen im Moment nicht vor, s.a.:
http://www.heise.de/tp/blogs/8/152601

update
Pressemittelung des BVerfG:
http://www.bverfg.de/pressemitteilungen/bvg12-063

Entscheidung des Plenums des BVerfG vom 3. Juli 2012 (2 PBvU 1/11), veröffentlicht am 17. August 2012 im Wortlauft:
http://www.bverfg.de/entscheidungen/up20120703_2pbvu000111.html

Nach kursorischen Lesen der Entscheidung scheint die wesentliche Aussage zu sein, daß die bisherige Einschränkung des Militäreinsatzes faktisch gefallen sind: Nach Art. 87a Grundgesetz darf die Bundeswehr seit 1968 "im Verteidigungsfalle und im Spannungsfalle" zum Objektschutz eingesetzt werden. Bei der ebenfalls möglichen Aufstandsbekämpfung ist eine "drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung" notwendig.

Nunmehr reicht eine "Ausnahmesituationen katastrophischen Ausmaßes". Der militärische Einsatz erfolgt "einfach" über Art. 35 Grundgesetz. Nach meiner Auffassung wären damit Arbeitskämpfe i.S. Art. 9 Grundgesetz noch gegen Militäreinsätze geschützt, soweit diese nicht jeweils kurzfristig illegalisiert werden.

Wer es juristisch mag, siehe unbedingt die "Abweichende Meinung des Richters Gaier", am Ende der Entscheidung.

Die Bundeswehr kann nunmehr "immer" eingesetzt werden, wenn es der (jeweiligen) Regierung gefällt, sobald sie eine "Ausnahmesituationen katastrophischen Ausmaßes" behauptet.

update (28.03.2016)
"Wir reden über terroristische Gefahren", meinte Klaus Bouillon, der derzeitige Vorsitzende der bundesdeutschen Innenministerkonferenz. "Wo mit Bomben und Kriegswaffen agiert wird, stößt unsere Polizei schnell an ihre Grenzen." Folglich würde auf der nächsten Innenministerkonferenz im Juni 2016 auch über den Einsatz der Bundeswehr im Innern gesprochen. So berichten u.a. "Focus" und Reuters.

Es geht "voran"!

Interne Verweise:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2010/12/weihnachten-und-die-bundeswehr-im.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2010/06/luftwaffe-uber-heiligendamm-2007.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/10/vorschlag-zum-bundeswehreinsatz-im.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/10/nein-ich-glaube-es-nicht.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/10/einsatz-der-bundeswehr-im-innern.html

Sonntag, 12. August 2012

Terrorliste III

Wer ist eigentlich ein Terrorist?

Da wir in einem Rechtsstaat leben, ist das natürlich alles ganz rechtsstaatlich geregelt. So ist jemand "Terrorist" oder terroristische "Gruppe oder Organisation", wenn der Rat der Europäischen Union das beschlossen und veröffentlicht hat. Früher waren die bis zu 100 bekannten Terroristen und Terrororganisationen einfach bei der BAFA gelistet, vgl.
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/03/terrorliste-des-tages.html

Nunmehr wird der Interessierte auf eine Datenbank der EU verwiesen, die bei mir nur mit dem "Internet Explorer" funktioniert, siehe:
http://www.bafa.de/ausfuhrkontrolle/de/embargos/terrorismus/sonstige/index.html (BAFA)
http://www.terrorismusliste.nrw.de/terror/jsp/index.jsf (Justizportal des Bundes und der Länder)

Nach der Weiterleitung ist auf "Current List View" zu klicken und dann das unter der Suchmaske stehende "Waiting ... Loading Data" ernstnehmen (d.h. in Geduld wappnen), dann erscheint eine tagesaktuelle Liste unterhalb der Suchmaske.

Wenn ich die dort erscheinende, fortlaufende "Id Nr" ernst nehme, fürchtet sich die EU zurzeit (Stand: 08.08.2012) vor 7.098 "Terroristen" und Organisationen ... eine Welt voller Feinde. Da reicht natürlich eine schnöde Liste nicht mehr aus, da bedarf es einer Datenbank, die nahliegend ständig erweitert^^^aktualisiert werden kann ... Nein ich kann natürlich lesen. So suchte ich zwar eine "Terroristenliste", werde durch offizielle Seiten auch auf eine Datenbak weitergeleitet, diese zeigt jedoch "nur" eine "Electronic List of Persons and Entities Subject to Financial Sanctions" (auf Deutsch: Elektronische Liste der Personen und Organisationen, gegen die finanziellen Sanktionen verhängt wurden). Hier wird zwar eine Deckungsgleichheit suggiert, diese muß aber ggf. nicht sein.

So umfassend wie diese Datenbank ist, so informativ ist sie:

Nunmehr sind "Landesverteidiger" nicht nur "Kriegsverbrecher" sondern stehen praktischerweise in einer Datenbank für "Terroristen", vgl. beispielhaft die Id Nrn. 6400, 6513 und 7096 oder siehe gleich in die zugrundeliegende Dokumente:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:016:0001:0032:EN:PDF
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:196:0008:0011:en:PDF
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:016:0001:0032:EN:PDF

Aber beachte: "So werden die Libysche Nationale Befreiungsfront oder die »Freie Syrische Armee« trotz ihrer Waffengewalt nicht als »terroristische Vereinigung« zur Begehung von Mord und Totschlag eingestuft, sondern von der Bundesregierung als legitime bewaffnete Organisationen angesprochen und unterstützt" (jw).

Links:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/03/terrorliste-des-tages.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2010/01/terrorliste-des-tages-ii.html
http://www.uni-leipzig.de/~philos/meggle/&publikationen/2005g.pdf

Des einen "Freiheitskämpfer" ist des anderen "Terrorist".

Euro-Krise

Ja, ich weiß: Die Euro-Krise ist in wirklichkeit eine Bankenkrise, jedoch gibt es spezielle Probleme aufgrund des fehlenden Wechselkurses. Bereits 1997 schrieb der Sachverständigenrat-Wirtschaft in seinem Gutachten (offline):

»Die Anpassungen, die bislang durch den nominalen Wechselkurs geleistet wurden, müssen in der Währungsunion die Relativpreise übernehmen, das heißt die Preise der Güter und der Produktionsfaktoren, insbesondere die Löhne.«

»Allgemein begrüßt wurde in den politischen Einlassungen, dass innerhalb der Euro-Zone die Exportchancen der deutschen Wirtschaft durch Aufwertungen der D-Mark oder Abwertungen in den Partnerstaaten nicht mehr geschmälert werden könnten. Theo Waigel führte dazu aus: "Schließlich kann Lohnmoderation nicht mehr - wie in Deutschland noch vor wenigen Jahren - durch Aufwertungen der D-Mark konterkariert werden." Dann ergibt sich für Deutschland ein Wettbewerbsvorteil, wenn in den Partnerstaaten die Lohnstückkosten stärker steigen, aber nicht mehr durch Abwertungen kompensiert werden können« (FAZ vom 27.02.2011).

Es gab bereits damals, 1998, Mahner, so:

Gregor Gysi: "Alle würdigen am Euro, dass sich die Exportchancen Deutschlands erhöhen würden. Wenn das dann so ist, dann müssen doch andere Produktionsunternehmen in anderen Ländern darunter leiden. Anders ginge es doch gar nicht. Das heißt, wir wollen den Export Deutschlands erhöhen und damit die Industrie in Portugal, Spanien und anderen Ländern schwächen. Die werden verostdeutscht, weil sie diesem Export nicht standhalten können. Das werde Europa spalten."

Oskar Lafontaine: "Wenn Sie hier sagen, dass es keine Transferzahlungen geben soll, dann ist das wirklich wunderbar. Wenn aber ähnliche Entwicklungen aufgrund des Auseinanderdriftens der Löhne und der Lohnstückkosten eintreten, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, was machen wir dann? Verweisen wir auf den Vertrag? Ich vermag nicht so viel Naivität aufzubringen, um daran zu glauben."

Links:

Mittwoch, 8. August 2012

Vom Beten und Basteln

Im Sachkundeunterricht an der Gemeinschaftsgrundschule Gummersbach – Bernberg bastelten die Schüler mehrfach Schutzengel für die Soldaten der Bundeswehr und schickten diese ins Camp Marmal nach Mazar e` Sharif.

»Jeden Morgen wird seither bei Unterrichtsbeginn die aktuelle Uhrzeit im Einsatzland und das dortige Wetter verkündet. Außerdem schließen die Kinder die im Einsatz befindlichen deutschen Soldaten täglich ins morgendliche Gebet ein« (Verlinkung von mir).

Abschließend läßt die luftwaffe.de einen "Kameraden" sagen: »Bleibt zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht!« Und ich verkneife mir gaaaanz tapfer jeden Kommentar.

Links:
http://www.luftwaffe.de/
http://haraldpflueger.com/

Montag, 6. August 2012

ERLEBNISBERICHTE-FOLGEN, FOLGE IV

 
 
Vorbemerkung:
Die oben aufgeführte DVD "Aus der Geschichte der 43.Fla-Rakentenbrigade 'Erich Weinert'" wird ebenfalls im August rechtzeitig zur Eröffnung der Ausstellung am 01.09.2012 in Sanitz erscheinen! In der DVD gibt es neben einer umfangreichen Dia-Show, Dokumenten zur Technik/Ausrüstung sowie den Ausstellungspostern des NVA-Teils der Ausstellung "50 Jahre Garnisonsort Sanitz" auch das bereits genannte Kapitel mit Erlebnisberichten von Ehemaligen, die eigentlich für das Mitte August diesen Jahres erscheinende Buch "43.Fla-Raketenbrigade 'Erich Weinert'-Fakten und Geschichten" vorgesehen waren, aber den Umfang des Buches gesprengt hätten. Dieter Bertuch  im Teil IV seiner Erlebnisse von 1962:
" ... In Ulan-Ude lohnten sich Besuche des Hauses der Erholung, eines schönen Stadtparks, der Wälder vor der Stadt, vor allem aber Theaterbesuche im „Burjatisches Theater für Oper und Ballett“. Das Theater war ein Prachtbau aus der Stalin-Zeit. Wunderbare Theater- und Ballettabende mit der damals sehr bekannten Tänzerin und Verdienten Künstlerin der RSFSR Saineeva konnte ich erleben. Die Opern „Fürst Igor", „Eugen Onegin", „Tschio tschio san", „Ovod", die Operetten „Zigeunerblut" und „Geschichten aus dem Wiener Wald" sowie das bezaubernde Ballett „Schwanensee" gehörten zu den großen Kunstgenüssen. Schmunzelnd konnten wir erleben, dass die Wiener Mädchen, aber auch Odette, von den schlitzäugigen burjatischen Künstlerinnen dargestellt wurden. Das schmälerte nicht deren beachtliche Leistungen. Spaßhaft nannten wir sie „Omule", nach einem schmackhaften Fisch aus dem Baikalsee. Beim Ballett „Schwanensee" hatte der Bühnenarbeiter einen Bestandteil der zauberhaften Kulisse, den Balkon, von dem aus der Prinz den Tanz der jungen Schwäne beobachtete, nicht fest genug anbringen lassen. Bei der Szene brach der Balkon aus seiner Halterung. Mit ihm stürzte der Prinz in die Tiefe. Nach wenigen Minuten konnte der leicht lädierte Prinz ebenerdig weiter machen. So was gehörte bei aller Kunst irgendwie dazu. In „Ovod" fiel ein offenbar betrunkener männlicher Theatergast vom ersten Balkon in das Parterre und brach sich dabei das Genick. Er wurde aus dem Saal getragen. Die Vorstellungsunterbrechung dauerte eine knappe halbe Stunde. Dann ging das Spektakel weiter als ob nichts geschehen wäre. 

Vor der Großstadt Ulan-Ude befanden sich in herrlicher Natur Ausflugs- und Erholungsziele für die Einwohner der Stadt, welche auch öffentlich benutzt werden durften. Datschen, Waldstücke mit einem großen Pilz- und Beerenreichtum, Tanzflächen, Spiel- und Sportplätze, ein Pferdehof und anderes ergänzten das Gebiet zu einem sehr schönen Objekt. Auf einer Tanzfläche wollte mir ein junges, hübsches Russenmädel den „neuen sowjetischen Tanz Charleston" beibringen, wenn ich ihr als Gegenleistung den „DDR- Lipsi“ lehren könne. Ich erklärte ihr, woher der Charleston entstanden sei und dass er auch schon lange getanzt werde. Wir beendeten den Tanzkontakt, als sie daraufhin etwas beleidigt reagierte. Ebenfalls vor der Stadt befand sich der Flugplatz, der die Strecke Ulan- Ude- Irkutsk bediente und nicht nur menschliche Passagiere, sondern auch Schafe und anderes Getier verfrachtete. Im Restaurant konnte man relativ gut europäisch, aber auch teuer speisen. Hier wurde das Hochzeitsglück zwischen dem Dolmetscher der Gruppe Technische Abteilung, Helmut Schneider aus Meiningen und seiner Galja, einer bildhübschen Burjatrussin sowie von Wolfgang Metzler aus meiner Gruppe mit Tina, einer echten Burjatin geschmiedet. Eine schöne Hochzeitsfeier, wenn auch in bescheidenen Verhältnissen. Beide Bräute trugen geschmackvolle Kleider und Brautsträuße aus herrlichen Wiesenblumen, aussehend wie Orchideen und von den Bräutigamen selbst gepflückt. An einem Wochenende im Juli luden uns die sowjetischen Gastgeber zu einer Omnibusfahrt an den Baikalsee ein. Diese nahmen wir sehr erfreut an. Mit vier Militärbussen fuhren wir, einschließlich der bulgarischen und koreanischen Freunde durch die Taiga bis zu einer Übersetzstelle über die Selenga, einer uns nicht ungefährlich anmutenden Fährpassage. Dort fuhren die Busse auf eine floßähnliche Fähre. Wir setzten oder hockten uns ebenfalls darauf und erreichten etwas ängstlich das andere Ufer. Durch zwei Taigadörfchen, in denen wir rasteten und fotografierten, fuhren wir weiter zu einem kleineren See vor dem herrlichen Baikal. Das war ein nur halstiefes, aber sehr fischreiches Gewässer. Die Bulgaren und wir angelten, lediglich mit einer Schnur und mit Fischaugen als Köder. Unvorstellbar erfolgreich waren die Fänge, Grundlage für unsere am Abend zubereitete Fischsuppe, für die „Ucha". Unsere beiden verantwortlichen Lehrer und der alte „Ritschratsch“ waren Spezialisten. Sie sammelten Kräuter in der Taiga. Die Suppe schmeckte vorzüglich. Am Lagerfeuer mit Wodka und Wein verbrachten wir die Nacht. Früh am Morgen, noch etwas übermüdet, ging es die wenigen Kilometer weiter bis zum Baikalsee, zu Idyllen am heiligen Meer. Viel zu beschreiben gibt es nicht, weil ich nicht weiß, wo ich anfangen und wo ich aufhören sollte. Ein „phantastisch" soll genügen. Am späten Abend erreichten wir wieder „Garnisonaja“. Ein unvergessliches Erlebnis war uns geschenkt worden, eines, was damals nicht jeder haben konnte. 

Als der stramme Winter 1962 zu Ende ging bzw. viel milder wurde, die Natur dem Frühling Platz machte, trug ich im Ausgang Zivil. Eine enge schwarze Hose, ein schönes Sakko sowie ein im „Univermag“ gekaufter chinesischer Gabardinemantel, erschwinglich im Preis, machten mich flott. Ich fiel nicht nur durch meine Kleidung auf, sondern auch durch meine damals rotblonden Haare und den blassen Teint. Der Sprache nach ordneten mich die Einheimischen zunächst als Sowjetbürger aus den baltischen Unionsrepubliken ein. Wenn es nicht zu verräterisch wurde, ließ ich diese zumeist in diesem Glauben. Manchmal war es besser, sich nicht sofort als Deutscher erkennen zu geben. Selbst im fernen Ula- Ude war der Angriffskrieg Nazi-Deutschlands gegen die Sowjetunion noch nicht vergessen. Es konnte aber auch vorkommen, dass ein herzliches „Rot Front” ertönte, wenn man die Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik offenbarte. Die Grüße „Heil Hitler" und die Rufe „SS" und „Faschist" mussten wir auch anhören, wenn auch nur selten. Meist trugen mehr oder minder objektiv gedrehte Filme dazu bei. Zu dritt machten wir den Fehler, uniformiert in ein Kino zu gehen, um den Film „Unsterbliche Festung Brest" anzusehen. Ich war froh, wieder gesund in der Garnison angekommen zu sein! Allein hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft. Ungeschminkt und an Hand von Dokumentaraufnahmen wurden schlimme Verbrechen der deutschen Wehrmacht gezeigt. Unsere eigene Uniform erinnerte in Farbe und Schnitt fatal an die Wehrmachtsuniform. Ein Besuch einer Kulturveranstaltung im Klub des Glaswerkes Ulan-Ude brachte uns ein unschönes Ende. Wir waren zu fünft, darunter unser Major Ulrich Grell. Während viele Mädchen versuchten, mit uns in Kontakt zu kommen, wurden wir von Männern sehr argwöhnisch beäugt und häufig wie versehentlich gerempelt. Kurz vor Schluss des Abends betrat eine Patrouille von Ordnungskräften den Saal. Das war gut. Als Grell zur Toilette ging, standen zwei Burschen mit gezücktem Messer hinter ihm und sprachen drohend: „Major ist noch mehr als SS- Unterscharführer, weißt Du, wie man schlachtet ein Schwein?" „Ed“ Waldner und ich, vor allem aber die Ordnungskräfte verhinderten eine schlimmere Begebenheit. Der Leiter der Patrouille bat uns, diesen Klub doch künftig zu meiden. Ulan-Ude hatte damals nicht nur den Ruf einer bedeutenden Industriestadt im Fernen Osten der UdSSR, sie war auch auf Grund der hier befindlichen wichtigen Rüstungsbetriebe eine sogenannte geschlossene Stadt. Im Glaswerk wurden Spezialgläser für Flugzeuge und Panzer gefertigt. Wahrscheinlich gab es auch ein größeres Panzerwerk und andere Betriebe, die der strengsten Geheimhaltung unterlagen. 

Unsere russischen und burjatischen Gastgeber kümmerten sich gut um uns. Wir erhielten für wenig Geld zusätzlich Waren, die andere Bewohner, besonders die Bevölkerung, nicht oder nur höchst selten kaufen konnten. Pfirsiche in Sirup ausländischer Erzeugung, auch Rindfleisch in Dosen bereicherten unser Speiseangebot. Die offiziellen Speisepläne in der „Stolovaja“ hatten meist Hammelfleisch oder Eiergerichte, auch Würstchen im Angebot. Die Art der Zubereitung ärgerte uns öfters. Fast alle Fleischgerichte waren boulettenähnlich, eben „rublenij", durch den Wolf gedreht. Eine große Delikatesse war der Fisch Omul. Ob gekocht, eingelegt, gebraten oder schinkenähnlich geräuchert, ich habe ihn in jeder Variante genossen. Der Omul war nur hier im Baikalsee „zu Hause“, wurde tonnenweise gefangen und verarbeitet. Ein Versuch, diesen wahren Leckerbissen im Baltischen Meer anzusiedeln, war gescheitert. Der Omul brauchte das damals sehr saubere, trinkbare Wasser des Baikals. Heute wird die Qualität des Baikalwassers leider auch nicht mehr so sein. Das Warenangebot im großen Kaufhaus in der Stadtmitte sowie in kleineren Geschäften war für die damaligen Verhältnisse recht gut. Die notwenigen Lebensmittel gab es und auch mehr oder minder modische und geschmackvolle Bekleidung Für uns ein großer Renner waren nahtlose Damenstrümpfe Ein paar Mal schickte ich je einen Strumpf im Briefkuvert nach Hause. Alles kam an und bereitete Freude, da es bei uns noch keine Massenware war. Sehr verlockend war das billige und reiche Angebot an Goldwaren. Ich war auf einen schönen Damenring scharf, aber auch auf solche ehemaligen Luxusartikel wie eine Spiegelreflexkamera und einen Elektrorasierer. Das waren teuere Engpässe in der DDR. Ich leistete mir diese Dinge. Den Rasierapparat „Charkiv" konnte ich nur erstehen, wenn ich ihn in einer Geschenkpackung mit 200 Gramm Kaviar für insgesamt dreißig Rubel kaufte. Bei uns und auch wenig später in der Sowjetunion unvorstellbar. Die Verbindung zu den Lieben zu Hause hielt ich durch fast tägliches Briefschreiben. Regelmäßig kamen auch die Antworten an, auf einem etwa acht Tage andauernden Postweg. Zeitungen wurden mir ebenfalls geschickt, so dass ich das Geschehen in der Heimat verfolgen konnte. Besonders der Fußballsport hatte es mir angetan, auch wenn das Geschehen natürlich mit Verzögerung bei uns ankam. 

Gesundheitlich hatte ich trotz der völlig anderen Bedingungen keine größeren Probleme. Zwei diesbezügliche Episoden sind dennoch erzählenswert. Zu Beginn des Kurses wurden wir mit einem so genannten Dreikomponenten-Serum geimpft, das bei den meisten eine schon durch den Arzt angekündigte extreme Wirkung hatte. Fünf blieben „auf den Beinen", darunter ich. Die anderen laborierten die vorhergesagten vier Tage an starkem Unwohlsein. Wogegen wir geimpft wurden, weiß ich heute noch nicht. Trotz meiner damaligen Robustheit wurde ich ein kleines Opfer des medizinischen Dienstes in der Garnison. Mich plagten im tiefsten kalten Winter heftige Zahnschmerzen. Dienstag und Donnerstag jeder Woche waren Sprechtage bei einer Zahnärztin im „Santschast“, dem Med.-Punkt. Leider war mir bis dahin nicht bekannt, dass am Dienstag generell die Zähne plombiert und am Donnerstag nur extrahiert wurde. Ich ging beide Male jeweils donnerstags und verlor auf diese Weise zwei Backenzähne. Zum Prozedere: ich musste mich auf eine Art Küchenstuhl setzen, vor mir ein Zinkblecheimer, über mich gebeugt die stark vermummte Ärztin mit Spritze und Zange. Hinter mir positionierte sich eine ebenso vermummte, körperlich gut ausgestattete Schwester. Mein Kopf ruhte zwischen ihren gewaltigen Busen, so dass ich nicht nach rechts oder links ausweichen konnte. Mit viel Blut im Mund, welches fast gefror, überstand ich diese Tortur! Die Abschlussprüfungen für unseren Kurs fanden Ende August statt. Ich bestand sie mit einem soliden „Gut". Etwas Prüfungspech war zwar dabei, denn die Wirkungsweise des Sechsschlüsselvervielfachers im System der Kommandoerarbeitung der Raketenleitstation und der Zeitgenerator im System Kommandosender bereiteten nicht nur mir ein paar Kopfschmerzen. Freudig, aber auch ein wenig traurig fuhren, wir dann zurück Richtung Heimat. In Moskau genehmigte man uns etwa anderthalb Tage der Erholung im Hotel „Ostankino". Während unserer Rückfahrt erkrankte ich nach wenigen Zugkilometern an einer fieberhaften Erkältung. Wenn es nach einem Offizier aus der Gruppe gegangen wäre, hätte man mich bereits in Irkutsk aus dem Zug nehmen sollen, um in ein Lazarett gebracht zu werden. Dieser Offizier dachte aber weniger an meine Gesundheit, sondern an seine. Er war hypochondrisch veranlagt und fürchtete eine Ansteckung, die seine Rückreise nach Hause beeinträchtigen könnte. Unser Major Kresse verhinderte das. Über Zugfunk wurde in Irkutsk ein medizinisches Team angefordert. Wenige Minuten nach Einfahrt der Transsib in den Irkutsker Bahnhof kamen ein Arzt und zwei Schwestern in das Abteil, um nach mir zu sehen. Sie maßen die Temperatur, fühlten Puls und maßen Blutdruck und versorgten mich mit einer Spritze und Medikamenten. In Krasnojarsk und Nowosibirsk geschah gleiches. In Moskau war ich wieder gesund. Alle anderen blieben es auch. Das war ein tolles Erlebnis und erweckte in mir tiefe Dankbarkeit Heute noch betrachte ich ab und zu ein Foto, welches mich nach überstandener Krankheit schlank und blass im Gang des Waggons der Trassib zeigt. Nach meiner erfolgreich verlaufenden Kursabschlussprüfung in Ulan-Ude besaß ich die Qualifikation für die Dienststellung eines Kompaniechefs der Funktechnischen Kompanie einer Feuerabteilung der Fla- Raketentruppen der Luftverteidigung. Wenig später wurde in die Militärterminologie für diese taktische Einheit der Fla- Raketentruppen die Bezeichnung Fla- Raketenabteilung eingeführt. 

Welcher Einsatzort war jetzt für mich vorgesehen? Klar war bereits, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr Pinnow sein würde. Wieder kamen die Fragen nach dem Wohin und ob es am neuen Standort ausreichend Wohnraum gibt. Inzwischen wusste ich auch, dass eine Fla-Raketenabteilung sich nicht auf dem Marktplatz einer großen Stadt befinden würde, sondern irgendwo im Wald, oft sehr weit entfernt von einer Ortschaft. Ich hatte aber auch bereits erfahren, dass es dabei große Unterschiede gab. Und zwar sowohl von der Landschaft und Umgebung als auch rein geografisch. Ich wusste noch nicht, dass ich in meiner dreiunddreißigjährigen Dienstzeit mindesten 8o Prozent aller Standorte mit allen zivilen Vor- und Nachteilen kennen lernen durfte, ob als aktiv Handelnder oder als Kontrolloffizier, Schiedsrichter, Beratender und Lehrer. Ich weiß, dass für meine nach dem Kurs folgende langjährige erfolgreiche Dienstzeit in den Fla- Raketentruppen der Luftverteidigung der DDR als Stabschef, Kommandeur, im Kommandostab und als Lehrstuhlleiter an der Offiziershochschule ein stabiles Fundament im sibirischen Ulan-Ude gelegt worden war. Das anspruchsvolle Studium, aber auch die vielen Erlebnisse in der Freizeit mit einfachen russischen und burjatischen Menschen, die herrliche Natur, der hautnah erlebte Internationalismus und die Waffenbrüderschaft bleiben in tiefer und dankbarer Erinnerung. Sie kann mir und den ehemaligen Mitstreitern nicht genommen werden..." - Fortsetzung folgt!