Donnerstag, 5. August 2010

Die NVA im Auslandseinsatz

Immer wieder werden gern Auslandseinsätze der NVA herbei halluziniert.

Diese Kampagne verstärkte sich deutlich, als die Bundeswehr begann aktiv Krieg zu führen. Da alles nichts half, wurden die Ereignise in der CSSR 1968 zum Krieg hochstilisiert. Dabei wurde zudem übersehen, daß die NVA nicht beteiligt war, sondern aufgrund einer vorangegangenen Übung lediglich einige Offizieren, 6 Unteroffiziere und 13 Funker als Verbindungsleute in der CSSR verblieben waren. Aber da gibt es noch den Spiegel-Artikel, Heft 10/1980, "Honeckers Afrika-Korps. Hilfstruppe für Moskaus Machtstrategie". Ein Phantasieprodukt des Kalten Krieges, dessen "Erkenntnisse" heute noch in "Fachliteratur" und Internetforen herumgeistern. Die unlängst erfolgte Umdichtung von Waffenlieferungen in den Nahen Osten zu einer Kriegsbeteiligung der NVA durch einen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender, war nur noch peinlich.

Nun scheint selbst der Bundeswehr der Kragen geplatzt zu sein. Schließlich ist unstrittig, "daß die ... aufgelöste Nationale Volksarmee ... keine Tradition für die Bundeswehr stiften kann." Und was "unstrittig" in den Traditionsrichtlinien (ZDV 10/1) der Bundeswehr vom 16. Februar 1995 steht, muß wahr bleiben. Der Major der Bundeswehr, Klaus Storkmann, vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt hat daher einen Betrag im "Wegweiser zur Geschichte. Auslandseinsätze der Bundeswehr." zum Thema geschrieben. Bereits seit dem 1. Januar 2005 erarbeitet das Modul Einsatzunterstützung (MEU) die "Wegweiser zur Geschichte", die den Soldaten im Krieg mitgegeben werden. In dem Beitrag aus 2010 "Historisches Erbe: Die Nationale Volksarmee der DDR und die »Dritte Welt«" weist der Autor aus meiner Sicht - wenn auch etwas "versteckt" - fast empört solche Geschichten de facto zurück, da er meint:

"Gemessen an Umfang und Auftrag der Personalabstellungen war die NVA in der Tat keine »Armee im Einsatz«."

Zwar werden einige Anfragen ausländischer Staaten zu einem Kampfeinsatz der NVA angeführt und deren Ablehnung auf Furcht vor unkalkulierbaren Risiko zurückgeführt. Weiterhin wird auf "mehrere" durch die NVA ausgebildete afghanische Offiziere verwiesen, die nunmehr vor Ort als "Sprachmittler" für die Bundeswehr eingesetzt gewesen seien. Dennoch verbleibt der Informationsgehalt letztlich bei dem Umfang der Ausführungen, die bei mir seit Jahren im Netz stehen:

http://home.snafu.de/veith/konflikt.htm

Obige Aussage habe ich natürlich gern übernommen. Fast witzig das Schlußwort in der FAZ zum MGFA - Beitrag: »Die Ironie dieser Geschichte: Bezeichnete der "Spiegel" die auswärtigen Missionen der NVA noch recht friedlich als "Hilfstruppe für Moskaus Machtstrategie", so reichen die letzten Titel des Hamburger Magazins über den heutigen Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch von "Wann dürfen Deutsche töten?" bis "Im Krieg". Zu derlei martialischen Schlagzeilen hatte es "Honeckers Afrika-Korps" nicht gebracht. Hat Deutschland aus seiner deutsch-deutschen Geschichte gelernt?«

Gelernt beim Formulieren von Schlagzeilen? Eigentlich hätte es doch zur Bundeswehr in Afghanistan heißen müssen: "Merkels Asien-Korps. Hilfstruppe für Washingtons Machtstrategie."!

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