Montag, 29. November 2010

Luftraum - Georgien und EU

»Georgien und die EU wollen am 2. Dezember in Brüssel ein Abkommen über einen gemeinsamen Luftraum unterzeichnen« (rian.ru).

Mich würde interessieren, ob dieser Luftraum auch den Luftraum von Südossetien und Abchasien einschließt und mit welchen Kräften dieser luftpolizeilich gesichert werden soll, s.a.:
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/09/die-ard-putin-und-der-kaukasus.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/09/kriegsverlauf-im-kaukasus.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/08/eigenstaatlichkeit-von-sdossetien-und.html
http://ddr-luftwaffe.blogspot.com/2008/11/luftstreitkrfte-im-fnf-tage-krieg.html

Hinweis:
Das "Air Policing" im Baltikum wird durch die NATO, u.a. durch die BRD-Luftwaffe, sichergestellt. Ich gehe zwar davon aus, daß die Luftsicherheit im "gemeinsamen Luftraum Georgien - EU" national durch Georgien sichergestellt wird bzw. unmittelbar mit diesem Vorgang nichts zu tun hat, aber auch, daß Georgien insoweit Südossetien und Abchasien als Inland betrachtet.

Sonntag, 28. November 2010

pax americana

Ich bin relativ empört gefragt worden, warum ich Nordkorea "verteidige". Nun, Nordkorea wird von vielen Staaten bedroht, hat aber selbst nicht die Kapazität einen Krieg zu gewinnen. Zeitgleich wird die ganze Region - von Syrien, über den Iran bis Pakistan und Myanmar - von den USA und seinem Gefolge mit Krieg bedroht, während Irak und Afghanistan bereits besetzt und mit Indien ein "atomarer" Frieden geschlossen wurde.

Hinter meiner "Verteidigung" steht das Prinzip der Staatensouveränität. Es beinhaltet das Recht zur Selbstverteidigung jedes Staates und jeder Staat ist verteidigungswürdig. Auch den USA würde ich - bei einen Angriff auf seine Landesgrenzen (ja sogar auf das von Mexiko geraubte Gebiet, wie Texas oder Florida) - dieses Recht zugestehen. Diese Auffassung ist übrigens Ausfluß des westfälischen Friedens, nach verheerenden Kriegsjahren vor allem für Deutschland. Leider fallen wir wieder zusehend hinter diese zivilisatorische Errungenschaft zurück.

Im Grunde wollen die USA die "pax americana", die, wie wir bereits vom alten Rom wissen, permanente und nicht enden wollende Kriege erforderlich macht. Dadurch kann Rom^^^die USA die Kriege allerdings nur dann für längere Zeit von der eigenen Haustür fern halten, wenn die Peripherie im Dauerkonflikt liegt. Daher auch die US-Raketen und den "Schirm" für Europa - dort sollen die Raketen der Feinde hinfliegen, nicht zu den USA. Ich schrieb bereits darüber.

Wenn man obigen folgt, spielt nunmehr EU-Europa die Rolle von Byzanz. Wir sitzen jetzt quasi in Konstantinopel herum und diskutieren die Feldzüge Roms gegen die "Barbaren" ... egal wie wir dazu im Einzelnen stehen, wenn wir es nicht schaffen, eine Alternative zu Rom aufzubauen / zu finden, werden uns die "Barbaren" über kurz oder lang überrollen und die finstere Nacht des Mittelalters beginnt. Eine Unterstützung Roms liegt opportunistisch zwar nahe, bietet aber leider - soviel sollten wir aus der Geschichte gelernt haben - keine Perspektive für unser Überleben und darum geht es den Menschen in Nordkorea und mir.

Natürlich haben auch die beteilgten Staaten, wie Südkorea (analog auch Taiwan) ein Interesse am ständigen "Köcheln" des jeweiligen Konflikts. Nur solange sie als Handlanger gebraucht werden, sind sie für die USA interessant. Sollten sich z.B. die USA im Lichte der Finanzkrise mit China einigen, könnte aus "guten Staaten" schnell "Schurkenstaaten" werden und die jeweiligen Machthaber das Schicksal der ehemaligen US-Kumpels Saddam Hussein, Osama bin Laden oder Manuel Noriega teilen. Pakistan ist auch erst mit dem US-Frieden mit Indien "böse" geworden.

Hinweise aufgrund weiterer Diskussionen:
- Deutschland war als Aggressor ab 1939 (seit "Zerschlagung der Resttschechei") nicht mehr "verteidigungswürdig".
- nachdem Vietnam die fortlaufenden Grenzprovokationen Kambodschas zum Anlaß nahm, das Regime der Roten Khmer zu beseitigen, wurde es international - allen voran die USA - geächtet und boykottiert. Es hat bisher noch nicht einen Pfennig Wiedergutmachung von den USA erhalten, darf nunmehr allerdings die Waffenlieferungen der USA an das südvietnamesische Marionettenregime bezahlen. Die Waffen bezahlen, mit denen es bekriegt wurde ... aus "markwirtschaftlicher" Sicht geradezu "genial".
s.a.:

Freitag, 26. November 2010

Zielorientierung zahlt sich aus

Ich weiß nicht was den Autor dieses Beitrages auf luftwaffe.de bewog, seine Worte im Artikel vom "Zielorientierung zahlt sich aus" (25.11.2010) zu wählen.

Vielleicht erst einmal etwas Hintergrund: »Knapp die Hälfte der Längerdienenden der NVA, jedenfalls von denen die zum 03.10.1990 noch da waren, bewarben sich um einen Job in der Bundeswehr. Ab Oktober 1992 wurden 6.000 Offiziere und 11.200 Unteroffiziere auf Zeit, sowie 3.000 Offiziere und 7.600 Unteroffiziere als Berufssoldaten in die Bundeswehr übernommen. Im Ergebnis fanden von den Längerdienenden der NVA ca. 2.800 Offiziere und 5.700 Unteroffiziere ihren Platz in der Bundeswehr, wobei die meisten jedoch um einen oder mehrere Dienstgrade zurückgestuft wurden.«

Im o.g. Artikel erfahren wir nun vom Schicksal eines der "glücklichen" NVA-Offiziere, die ihre Zukunft in der Bundeswehr suchten und fanden: »Vier Jahre dauerte das Studium zum Diplomingenieur und Offizier. Danach verschlug es den jungen NVA-Offizier auf den „Hohen Berg“ nach Döbern (Bundesland Brandenburg), wo er bis zur Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 seinen Dienst als Nachrichtenzugführer versah. Mit der Übernahme in die Bundeswehr erhielt er als ehemaliger Offizier der NVA den Dienstgrad eines Oberfeldwebels und wurde ... an den Bundeswehrstandort Schönewalde/Flugplatz Holzdorf versetzt«, d.h. der Leutnatnt oder wohl eher Oberleutnant der NVA wurde degrad^^^im Dienstgrad zurückgestuft und vom Bereich des Wechsel-Gefechtsstands 31 (FuTK-311 oder NFB-3) in den des ehemaligen JG-1 versetzt. Inzwischen wurde der nunmehrige Oberfeldwebel der Bundeswehr "schon" zum Stabsfeldwebel befördert.

Wie es in der Überschrift bereits heißt: »Zielorientierung zahlt sich aus« ... Oder wie in 2005 sein Bundeswehr - Kompaniechef sagte: „Sie sind da angekommen, wo Sie hingehören“ ... Oder wie er selbst auf die Frage: »Ob er sich vorstellen könne, noch einmal im Leben etwas anderes zu machen?« lächelnd meinte: „Nein, ich bin da, wo ich hin wollte“.

Dienstag, 23. November 2010

Korea - Krieg

Mir sind die unterschiedlichen Behauptungen zum Beginn des Koreakrieges 1950 - 1953 bereits früher aufgefallen. Meine Erkenntnisse dazu hatte ich hier verarbeitet:
http://home.snafu.de/veith/Texte/Korea-Krieg.htm

Das die Republik Polen am 1. September 1939 Deutschland nicht angegriffen hatte, wissen wir nur, weil Deutschland besiegt wurde. Die Wenigsten wissen noch, daß bereits der Anlaß zum ersten Krieg USA - Irak gefakt war (Frühchenlüge) und viele glauben weiter an die irakischen Massenvernichtungsmittel, wie an die des Iran oder daß Afghanistan irgendwas mit 9/11 zu tun hätte.

Ich halte es aus aktuellem Anlaß daher für geboten, Informationen zum aktuellen Zwischenfall zwischen Nord- und Südkorea festzuhalten. Während es fürs Volk heißt: »Mehr als 200 Granaten schlugen am Nachmittag auf der südkoreanischen Insel Yeonpyeong ein - sie kamen vom nordkoreanischen Festland. Mindestens zwei Soldaten starben. Die südkoreanische Armee schoss zurück, sie ist im höchsten Alarmzustand.« (tagesschau.de), gibt es zum Glück noch die Presse fürs Kapital, deren Adressanten schon die Wahrheit angedeutet haben wollen:
»Nordkorea habe auf den Beschuss mit Dutzenden Artilleriegeschossen reagieren müssen, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Das Feuer sei erwidert worden. KCNA machte keine Angaben dazu, ob es auf nordkoreanischer Seite Verletzte gab. Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak teilte mit, der Beschuss durch Nordkorea sei vermutlich eine Reaktion auf eine südkoreanische Militärübung« (ftd.de).

Da gibt Südkorea zu, naheliegend im Grenzgebiet eine "Militärübung" durchgeführt zu haben. Es gibt noch nicht zu, daß ein "paar Granaten" über die Grenze geflogen sind ... braucht es auch nicht. Spannend das Mediengetöne :-(

update (24.11.2010)
Die ausgewogenste mediale Darstellung bringt die "junge welt", die beide Seiten in diesem propagandistisch aufgeputschten Zwischenfall zu Wort kommen läßt: "Die Regierung in Pjöngjang ließ durch die amtliche Nachrichtenagentur erklären: »Trotz unserer wiederholten Warnungen feuerte Südkorea seit 1 Uhr nachmittags (Ortszeit) Dutzende Granaten ab (…), und wir haben daraufhin sofort zu einer starken militärischen Reaktion gegriffen.« ... Seoul behauptet hingegen, nordkoreanische Artillerie habe um 2.30 Uhr mit dem Beschuß der Küstengewässer begonnen. Einige Granaten seien auf der Insel Jeonpjeong eingeschlagen, wo sich ein südkoreanischer Flottenstützpunkt befindet."

Fazit
"Beide Darstellungen sind nicht ganz so gegensätzlich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Die Seegrenze zwischen beiden Teilen Koreas wurde 1953 von der UNO, die unter der Dominanz der USA selbst Kriegspartei gewesen war, einseitig festgelegt. Dieser Grenzverlauf widerspricht allen internationalen Gepflogenheiten. Die Regierung in Pjöngjang hat die von der UNO willkürlich gezogene Linie niemals anerkannt und sieht die Grenze etliche Kilometer weiter südlich. Jeonpjeong befindet sich dieser Interpretation zufolge auf nordkoreanischem Territorium. Das umstrittene Seegebiet ist in südkoreanische Militärübungen einbezogen, die am Montag begannen und noch bis zum 30. November dauern sollen. Beteiligt sind 70000 Soldaten aller Waffengattungen. Südkorea hat zugegeben, daß dabei mit scharfer Artilleriemunition geschossen wurde, allerdings angeblich nur in Richtung Westen, also seewärts."
http://www.jungewelt.de/2010/11-24/043.php

update (25.11.2010)
Na, also: Eine Meldung, die schon zwei Tage alt ist, aber "irgendwie" bei den Massenmedien unterging. Reuters bestätigte, daß Südkorea hat zuerst geschossen hatte, "nur" angeblich nicht in Richtung Nordkorea. Die Meldung lautet im google-deutsch: "Südkorea sagt, sie Testfeuerten im Gebiet bevor Nordkorea feuerte."
http://www.reuters.com/article/idUSTOE6AM05P20101123

Der Blog "Alles Schall und Rauch" beschreibt die Ereignisse m.E. gut: »Pyongyang warnte zuerst den Süden, die tagelangen militärischen Manöver an der Grenze zu beenden, wie südkoreanische Offizielle selber zugeben. 70'000 südkoreanische Soldaten plus einige amerikanische "Berater" nahmen daran teil. Als Seoul sich weigerte und damit begann Artillerie ins umstrittene und von beiden Staaten beanspruchte Gebiet zu feuern, erwiderte der Norden mit dem Beschuss der kleinen Insel Yeonpyeong, wo sich süd- koreanisches Militärinstallationen befinden und eine geringe zivile Population.« Mehr:
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/11/die-andere-seite-des-korea-konflikt.html

update (28.11.2010)
Südkorea hat heute "versehentlich" Granaten Richtung Nordkorea abgefeuert. Sie schlugen wohl in der Pufferzone nahe der Industrieregion Kaesŏng, eine besondere Verwaltungsregion und Sonderwirtschaftszone, ein. Nordkorea hat (ggf. noch) nicht reagiert, vgl.:
http://edition.cnn.com/2010/WORLD/asiapcf/11/28/south.korea.shell.fired/index.html?iref=NS1
http://www.radio-utopie.de/2010/11/28/sudkorea-schiesst-granate-uber-koreanische-demarkationslinie/#more-42634

So eben gefunden: http://www.mcot.net/cfcustom/cache_page/135684.html und der Google-Übersetzer meint:
"Seoul erwägt teilweise Aufhebung des Verbots von Reisen nach Kaesong - ... Seoul verhängte das Verbot von Fahrten zum Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong von wegen Sicherheitsbedenken ... Der Industriepark Kaesong ist das letzte große Symbol der Versöhnung Bemühungen zwischen den beiden Koreas, deren Beziehungen wurden in den vergangenen drei Jahren angespannt betrachtet."

Am gleichen Tag Granantenbeschuß des Südens in Richtung dieses Industrieparks ... Zufälle gibt es.

»Und “versehentlich” passierte das exakt während den Gesprächen eines hochrangigen Mitglieds der chinesischen Regierung, Dai Bingguo, mit dem Präsidenten Südkoreas Lee Myung-bak (...). Dai Bingguo war bereits am Samstag zusammen mit dem Sonderbeauftragten Chinas für innerkoreanische Angelegenheiten, Wu Dawei, nach Seoul gereist (...). Am Sonntag stand dann Wu Dawei schon wieder in Peking (...) und verkündete eine längst überfällige und bisher durch die chinesische Staatsführung grob fahrlässig vernachlässigte diplomatische Offensive: die Einladung zu Sechs-Parteien-Gesprächen in China. Die Einladung ging an beide koreanische Staaten, Russland, Japan und die USA« (ru; vgl. auch rian.ru).

P.S. »Die nordkoreanische Regierung hat ihr „größtes Bedauern“ über die zivilen Opfer des Artilleriegefechtes mit Südkorea vom 23. November ausgedrückt - gesetzt den Fall, dass es tatsächlich Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben hat.

Das meldet am heutigen Samstag Reuters und beruft sich dabei auf die zentrale koreanische Telegrafenagentur CTAK.

„Wenn das die Wahrheit ist, dann ist das sehr bedauerlich“, ist laut Reuters der CTAK-Mitteilung vom heutigen Samstag in Bezug auf die zivilen Opfer des bewaffneten Schusswechsels zu entnehmen. „Aber der Feind muss die Verantwortung für diesen Vorfall tragen, da er die unmenschliche Entscheidung getroffen hat, die Zivilbevölkerung als ‚menschlichen Schutzschild’ um die Artilleriegeschütze herum und innerhalb von Militärobjekten zu positionieren“, berichtet die CTAK weiter« (rian.ru vom 27.11.2010).

Sonntag, 31. Oktober 2010

Aus der Geschichte der 43. FRBr ( Folge 15 )
















Vorbemerkung :

Nach einem aktuellen Beitrag zum Tag der Offenen Tür am 02.10.2010 in Sanitz geht es nun in der FOLGE weiter. Auch diesmal - wie bereits angekündigt - bleiben wir noch in Barth, in der Fla - Raketenabteilung 4322. Auch wenn heute der 31.10.2010 ist und es zur Abendzeit schon mal an der Haustür klingelte " Süßes, sonst gibt's Saures ! " - alles im Griff und kein Grund, mit unseren FOLGEN deshalb evtl. aufzuhören ... Jürgen Damm hatte seinen Werdegang als SaZ ( Soldat auf Zeit ) und die Erlebnisse als Gruppenführer der Diensthundestaffel im Teil I seines Berichtes geschildert. Seine Dienstzeit war im April 1969 zu Ende gegangen, dass er aber bald wieder in Barth sein würde und dann noch für eine längere Zeit, dass ahnte er damals noch nicht. Hier die Fortsetzung seiner Geschichte, der Teil II der Geschichte des Stabsfeldwebels a. D. Jürgen Damm :

" Mit meiner Versetzung in die Reserve nach meiner dreijährigen Dienstzeit in der 2.FRA Barth wurde ich am 28.04.1969 als Reserveoffiziersanwärter bestätigt und zum Oberfeldwebel befördert. Ich habe lange überlegt, ob ich mich für eine Laufbahn als Berufsunteroffizier entscheiden sollte. Familiäre Gründe gaben dann den Ausschlag, die Dienstzeit zu beenden und mit Frau und Tochter zu meinem Vater und meiner Schwester nach Berlin zu ziehen.

Hier begann ich als Zivilbeschäftigter im Wehrkreiskonmmando Berlin – Pankow zu arbeiten. Meine Aufgabe bestand in der Führung der Wehrunterlagen der gedienten Reservisten des Stadtbezirks und in der Auswahl und Einberufung der Reservisten zu Lehrgängen. Im Wehrkreiskommando war ich der jüngste Mitarbeiter und fühlte mich zur Schreibtischarbeit eigentlich zu jung. Ich war also mit meinem beruflichen Leben nicht besonders zufrieden.

Da der Kontakt zu meiner ehemaligen Einheit nie ganz abgerissen war, da die Familie meiner Frau in Barth lebt, ergab es sich, dass mir die Reaktivierung als Berufsunteroffizier angeboten wurde. Dies und die Möglichkeit, kurzfristig auch eine Wohnung am Standort zu erhalten, führten zu meiner Entscheidung, meinen Dienst in der 2. FRA Barth wieder aufzunehmen.

Am 02. März 1971 war es dann soweit ...
Nach zwei Jahren Abwesenheit trat ich meinen Dienst wieder an. Jetzt stand auch meinem Einsatz in der VS-Stelle nichts mehr im Wege und ich wurde Leiter der VS-Stelle nach Einarbeitung und entsprechender Vollzähligkeitskontrolle. Die Tätigkeit des VS-Stellenleiters empfand ich als interessant und vielseitig. Zu den täglichen Aus - und Abgabezeiten der VS - Dokumente herrschte immer Betrieb und ein reger Austausch von allen Informationen aus dem Dienst - und Wohnsiedlungsbereich. Somit kann man den VS - Stellenleiter auch als bestinformiertesten Berufsunteroffizier in der FRA bezeichnen, allerdings gab es eine ziemliche Konkurrenz durch das Personal der MHO - Gaststätte, der Servicekraft aus dem Offiziersspeisesaal und der Postmitarbeiterin in der Poststelle der Deutschen Post.

Bereits am Morgen bei der Abgabe der täglichen Stärkemeldung durch die Hauptfeldwebel der Funktechnischen Kompanie, der Startbatterie und der Technischen Kompanie war die Stimmungslage des jeweiligen Tages klar. Der Dienstalltag verging immer ziemlich rasch zwischen Kontrollen der VS-Dokumente im B-Objekt, dem Versand und Empfang der Kuriersendungen bis hin zum Ausstellen von Dienstaufträgen und Militärfahrkarten sowie dem Siegeln der Urlaubsscheine. Damit keine Langeweile aufkam, wurde ich auch zu 24 - Std. Diensten als Offizier vom Dienst ( OvD ) herangezogen - besonders an Wochenenden - oder als Streifenführer der Standortstreife.

Das Ereignis des Jahres war die jährliche Gesamtvollzähligkeitskontrolle aller Verschlußsachen in der FRA. Dazu wurde eine Kommission gebildet, die innerhalb von zwei Wochen jedes Dokument Seite für Seite auf Vollzähligkeit kontrollierte. Es ist diese Kontrolle, die einen VS-Stellenleiter innerhalb dieser 14 Tage mindest um ein Jahr und manchmal auch zwei altern läßt. Ungezählt die Stoßseufzer und das sich selbst immer wieder gegebene Versprechen, ab sofort und heute alles viel, viel gründlicher zu machen, wenn nur am Ende alles stimmt. Kaum zu bechreiben der Glücksmoment, wenn der Kontrollbericht dem Kommandeur zur Bestätigung vorliegt und alles vollzählig war. Ziemlich schnell waren aber die guten Vorsätze vergessen, wenn der Dienstalltag wieder einkehrte. Aber, nach Abschluß der Kontrolle wurde das Ergebnis ersteinmal zünftig in der Gaststätte der MHO gefeiert und mit kleinen Anekdoten aus den vergangenen zwei Wochen gewürzt ...

Das Leben der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere bestand aber nicht nur in der Erfüllung der Aufgaben des Diensthabenden Systems der LV, der Ausbildung, Schulung und dem Training an der Gefechtstechnik sowie der ständigen Wartung und Pflege der Technik - obwohl es den größten Teil beanspruchte.

Die Berufsunteroffiziere und Offiziere hatten Ehefrauen und Kinder, die in der Wohnsiedlung doch recht abgeschieden lebten. Der morgendliche Bus für die Schüler und Kindergartenkinder füllte sich in der Adrian-Nikolajew - Siedlung fast bis auf den letzten Platz, weshalb in Barth die Siedlung auch „ Fleissige - Männer - Siedlung“ genannt wurde ... Waren die Kinder ausgeflogen, trafen sich die Frauen, die keine Arbeit in der Dienststelle hatten, zum gemeinsamen Einkauf in der winzigen Verkaufstelle der MHO und danach zum Wäschewaschen in den Waschmaschinenräumen und gemeinsamen Aufhängen der Wäsche hinter den Wohnhäusern. Eine derartige Familienidylle war auf Dauer sicher nicht die Lebenserfüllung für junge Ehepaare in einem Alter von Mitte 20 bis Anfang 40. Auch für die Soldaten und Unteroffiziere in der Kaserne war Fernsehen, Kinovorstellung und der wöchentliche Ausgang nicht die optimale Erholung.

Darüber machten sich die Politoffiziere ziemliche Gedanken und heraus kam der " Militärisch- Kulturelle Leistungsvergleich " ( kurz MiKuLei ) zwischen den FRA des Regiments und später der Brigade. Hier waren Ideen gefragt, um beim Leistungsvergleich nicht schlecht da zu stehen. Was wurde nicht alles versucht : ein Chor der Ehefrauen der Offiziere, dirigiert vom Polistellvertreter, verstärkt durch ein paar stimmlich begabte Soldaten, die sich durch lautes Singen bei der Rückkehr aus dem Ausgang für diese Aufgabe empfohlen hatten. Es wurden " musikalisch-literarische Abende " organisiert, die in der MHO - Gaststätte mit einem Glas Wein und stimmungsvollem Kerzenlicht stattfanden. Ich erinnere mich an den Titel eines Programms, das da lautete „ ein bisschen Tucholsky - ein bisschen Mathieu“. Diese Abende erfreuten sich recht großer Beliebtheit, dazu wurden auch Frauen " aus dem Regiment nebenan " eingeladen, aus der sowjetischen Jagdflieger - Garnison Pütnitz bei Ribnitz - Damgarten. Krönung des kulturellen Lebens war die Gründung eines Kabaretts in der 2. FRA und dieses war auch noch aktiv, als man den „MiKuLei“ schon fast vergessen hatte.

Wer den Dienst in einer FRA kennt, der weiß und kann bestätigen, wie schwer es ist, allein 6 Offiziere und Berufsunteroffiziere für die wöchentlichen Proben in die Klub - Baracke zu bekommen, von den Auftritten vor Publikum im Kreis Ribnitz-Damgarten ganz zu schweigen. Dem Enthusiasmus der Akteure und der mitspielenden Ehefrauen, den Texten des NVA - Kabaretts „ Die Kneifzange “ und eigener Kreationen, die in der VS-Stelle mühsam auf der Schreibmaschine getippt wurden und letzendlich der Nachsicht und Unterstützung durch den SC und Stv. K. PA ( Stellvertreter des Kommandeurs für Politische Arbeit ) war es zu danken, das diese kulturelle Betätigung zu einem Erfolg wurde.

Frei nach Goethe " ... wer sich nicht selbst zum Besten halten kann – der ist nicht von den Besten ... ", versuchten wir unseren Dienst mit all seinen Widrigkeiten auch von einer humorvollen Seite zu zeigen. Es war aber auch eine Gratwanderung, Vorgesetzte auf die Schippe zu nehmen, die man kurz darauf um ein Fahrzeug für den Transport zum nächsten Auftritt bitten musste. Mit wachsendem Bekanntheitsgrad unseres kleinen Kabaretts und der Zunahme der Auftritte, die letzlich in der Kommandierung zu Veranstaltungen in der 3. LVD und dem MB V ( Militärbezirk V ) per Fernschreiben führten, war auch der Niedergang programmiert. Ein solches Kabarett kann sich eine FRA nicht leisten und aus dem Spaß am Spiel wurde eine Pflicht nach Plan und Befehl ...

Trotzdem gehört dieses Kabarett sicher in der Erinnerung der Akteure und derer, die uns zuschauten, zu den angenehmen Erinnerungen an eine sonst ziemlich anstrengende Dienstzeit.

So beendete ich am 28.04.1978 meine Dienstzeit in der Fla - Raketenabteilung 432 in Barth nach Ablauf der Verpflichtung und fahre seit 1990 jährlich mindestens einmal in die Adrian - Nikolajew - Siedlung nach Barth, um die Erinnerung zu pflegen neben all den persönlichen Kontakten zu ehemaligen Mitstreitern, mit denen noch immer eine tiefe Verbundenheit besteht ... " - Fortsetzung folgt !

Sonntag, 24. Oktober 2010

Flugtage

Die Deutsche Demokratische Republik war zwar der Welt größte DDR, aber territorial recht klein. Dennoch ballte sich hier an der Nahtstelle zweier sich feindlich gegenüberstehenden Militärblöcke ein enormes Potential an Luftverteidigungskräften der NVA und der GSSD ... einen sehr guten Überblick grundsätzlicher Art bietet der "DDR-Luftraum mit Google Earth" auf http://www.kondruss.com/mad/ddr-luftraum/ge.htm

Aufgrund der hohen Dichte an Jagdfliegerkräften konnten die Einheiten nicht jeden Tag üben, sondern es gab spezielle Flugtage. Einen Gesamtüberblick über alle Flugtage kenne ich nicht. Zudem müßte sicher Zeitschiene beachtet werden. Jedes Jagdfliegergeschwader hatte aber seine zugewiesenen Flugtage, es waren meist drei in der Woche: Zwei Haupt- und ein Reservetag. Geflogen wurde jedoch, wenn das Wetter es ermöglichte, meist an allen drei Tagen. Die Flugdiensttage lagen meist zwei Tage auseinander.

In Preschen (JG-3) wurde z.B. Dienstag, Donnerstag und Samstag geflogen. Das der Samstag als "Reserve-Flugtag" galt, hieß praktisch nichts. Erst mit Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den 80ern, wurden von der 1. LVD zunehmend zwei freie Samstage für das JG im Monat befohlen ...

Bis 1985 hieß "Samstag" zudem, daß der Flugdienst grundsätzlich auch Samstags 23.30 Uhr beginnen durfte. Dann war es Sonntagfrüh 5.30 eben erst mit der Fliegerei aus. Das ITP konnte dann etwa 8.30 Uhr der Familie das Frühstück bereiten, soweit in der Wohnzone beheimatet. Üblich war wohl im Sommer der Nachtflug von 20:00 bis 02:00 Uhr.

Eine Übersicht mit Unsicherheiten:
JG-1 (Holzdorf) - Mittwoch, Freitag, Samstag ("Reserve")
JG-1 (Cottbus) - Dienstag, Donnerstag und Freitag ("Reserve")
JG-2 (Trollenhagen) - Montag, Mittwoch und Freitag ("Reserve")
JG-3 (Preschen) - Dienstag und Donnerstag, Samstag ("Reserve")
JG-7 (Drewitz) - Dienstag und Donnerstag, Samstag ("Reserve")
JG-8 (Marxwalde) - Montag, Mittwoch und Freitag ("Reserve").
JG-9 (Peenemünde) - Montag, Mittwoch und Freitag ("Reserve")

MFG-28 (Laage) - Dienstag, Donnerstag und Samstag ("Reserve")

GSSD - 833. IAP in Altes Lager / Jüterbog (ca. 20km nördlich von Holzdorf) - dort war i.d.R. am Dienstag und Donnerstag Flugtag.

Für Hinweise / Ergänzungen / Korrekturen bitte die Kommentarfunktion nutzen.

Freitag, 22. Oktober 2010

Tag der Offenen Tür in Sanitz























Vorbemerkung :

Am 30.09.2010 war in der „ Ostsee – Zeitung „ - Rostocker Ausgabe - eine kleine Notiz zu lesen mit der Überschrift „ Erinnerung an die NVA " : „ Barbara & Bernd Kirchhainer laden Interessierte am 02. Oktober ein, einen Blick in ihre Militärsammlung zu werfen ... Bei dieser Ausstellung handelt es sich um eine Vorschau auf eine Exposition, die ab dem 01. September 2012 in der Heimatstube Sanitz zu sehen sein wird. Dann wird dort „ 50 Jahre Garnisonsort Sanitz „ dokumentiert werden. „

Die Idee zu einem Tag der Offenen Tür kam eigentlich sporadisch, Auslöser waren dabei die regelmäßigen Besuche und Kontakte Ehemaliger der 43. Fla – Raketenbrigade. Ob es um Fotoalben und Zeitdokumente, um Erlebnisberichte oder um Abholung bestellter Bücher und Broschüren zur Luftverteidigung der DDR geht – immer wurde ein Blick in das „ Tradi „ geworfen. Und beim Hinausgehen natürlich auch auf die Erich Weinert – Büste …


Der 02. Oktober meinte es gut mit unserer Idee, die Sonne schien, eine Ausstellungstafel an der Hofeinfahrt zeigte den Weg, Tisch und Stühle wurden bereitgestellt, aus einem MP3 – Player war klar & deutlich das Aschuluk – Lied zu hören. Die Ausstellungsstücke waren platziert, die B / A – Kammer eingeräumt, DVD's und CD's lagen griffbereit, es konnte losgehen …

Und kurz vor 10.00 Uhr dann die ersten Besucher, einer zückte seinen alten Wehrdienstausweis und meinte : „ Ich muß mich ersteinmal ausweisen … „, verschmitzt kam hinterher „ … und hier ist ein weiterer Ausweis ! „ Stolz präsentierte er dann seine SPRENGGENEHMIGUNG. Oder hieß es SPRENGERLAUBNIS ?


An der Vordertür klingelte es bereits, ein Ehepaar aus Rostock steht vor der Tür, er hat in den 60 – ern als Unteroffizier auf dem Gefechtsstand in Dänschenburg gedient. Im „ Tradi „ meint dann seine Frau sinngemäß, also, soviel habe ich meinen Mann schon lange nicht mehr reden hören. Das Zimmer füllt sich, man schaut auf die Fotos, Urkunden, Modelle und unterhält sich vorallem dabei. Das Erinnern, das Wiedererkennen und das miteinander Sprechen stehen jetzt im Mittelpunkt. Um Platz zu machen für weitere „ Nachrücker „, werden die Stühle auf dem Hof genutzt, es treffen sich Ehemalige, die sich seit Jahrzehnten nicht mehr begegnet sind – da gibt es viel zu erzählen.

Und zu fotografieren – ein Ehemaliger aus der Fla – Raketenabteilung Abtshagen hat seinen Enkel bei sich, der dann zum Hausherren meint : „ .. darf ich Euch beide fotografieren ? „. Über soviel Spaß am Fotografieren müssen wir natürlich lachen. Es kommen sogar Besucher aus Chemnitz und Celle vorbei, die auf der Reise an die Ostseeküste einen Abstecher nach Sanitz machen. Vom nahegelegenen Imbiß wird China – Pfanne geholt, es wird gescherzt und alte Erinnerungen werden wach. Eine freudige und entspannte Atmosphäre !


Natürlich gibt es Adressenaustausch, Absprachen zur Mitarbeit bei der Vorbereitung der Ausstellung „ 50 Jahre Garnisonsort Sanitz „ usw. Aus dem Auto werden 2 Feldtelefone geholt und übergeben, nicht ohne den Vermerk „ … ohne Akku .. „ ! ein Modell einer S – 125 NEWA Fla – Rakete wird als Leihgabe hiergelassen, Wimpel & Fotos aus der NVA – Dienstzeit ebenfalls. Über 20 Besucher sind es bis 16.30 Uhr, allen hat es gefallen. Im Gästebuch finden sich dafür auch schriftliche Beweise.

Nicht nur uns hat dieser Tag Anregungen gegeben und gefallen.Wir freuen uns über den regen Gedankenaustausch und warten jetzt auf weitere Erlebnisberichte / Beiträge. Natürlich wird es den nächsten Tag der Offenen Tür im Schwarzen Weg 1 geben ...


Damit er auch leicht zu merken ist, haben wir uns für den 01. März 2011 entschieden, für Berufstätige und „Reisende“ zusätzlich der 05.03.2011 !